Wir haben das Kapitel Nationalmannschaft endgültig auf den Grund gefahren. Oliver Kahn

Danke schön, Bitte schön

Das Gebet darf nicht Episode bleiben, es soll vielmehr beharrlich, hartnäckig, ja zudringlich sein. Wir dürfen das, weil Gott ein uns naher und persönlicher Gott ist; ein Vater.

Kultur kommt von Kult, also letztlich vom Gebet, nur wer Gebet kennt und um die Gebetspraxis wenigstens etwas weiß, kann Kunst wirklich verstehen, im Gebet lebt auch der Alltag mit und in der Kunst. Das wird z. B. ganz besonders deutlich in den Votivtafeln an der Fatimagrotte in Maria Vesperbild. Deshalb haben wir bei der Renovierung der Mariengrotte einer repräsentativen Auswahl von gemeißelten Votivtafeln einen großen Platz eingeräumt. Aus Hunderten Tafeln gestaltet sich so eine Symphonie des Dankes. Einfach, schlicht, oft unbeholfen kindlich, manchmal überschwänglich, zeigt sich hier eine auch und gerade heute lebendige Gebetskultur, die Bitte, aber auch und vor allem Dank umfasst. Dieses Gebet findet seinen letzten Grund in Praxis und Lehre Jesu. Sein Gebet war so beeindruckend, dass die Jünger, die sicher als fromme Juden durchaus zu beten wussten, den Herrn baten: „Lehre uns beten“.

Gott versteht uns

Voraussetzung des Gebetes, ganz besonders des Bittgebetes, ist die Überzeugung, dass Gott uns versteht und dass er für uns ansprechbar ist. Weil Gott ein uns naher und persönlicher Gott ist, dürfen wir ihn nach der Lehre Jesu „Vater“ nennen.

Das Gebet, das der Herr uns lehrt, beginnt mit einer Ouvertüre des Lobes: „Dein Name werde geheiligt“, und zeigt uns so, dass am Beginn eines jeden Gebetes der Lobpreis Gottes zu stehen hat. Diese Dimension des Betens prägte jahrhundertelang die Gebetspraxis und hat ihren Niederschlag in der Architektur, den bildenden Künsten, der Literatur und der Musik gefunden. Die Kunst Europas (um politisch ganz korrekt den Ausdruck „christliches Abendland“ zu vermeiden) ist aus Gebet gewachsen.

Das Gebet darf nicht Episode bleiben, es soll vielmehr beharrlich, hartnäckig, ja zudringlich sein, wie so manche Installation von Anselm Kiefer. Das Gebet darf auch kein Fremdkörper im Alltag bleiben, es muss aus dem Alltag herauswachsen und diesen prägen, denn das Gebet ist keine Flucht aus dem Alltag, sondern vielmehr ein Zugang zu seiner Gestaltung und Bewältigung, wie z. B. das Werk des „Bauernmalers“ Max Raffler in großartiger Naivität zeigt. Ein Gebet, das im Leben des Betenden isoliert ist, wird kaum Frucht für dieses Leben bringen, deshalb sollte unser Alltag durch Gebete vernetzt sein: Morgen-, Abend- und Tischgebet, „der Engel des Herrn“, ab und zu ein Stoßgebet, vielleicht ein (auch kurzer) Besuch beim Allerheiligsten in der Kirche, das Kreuzzeichen als Gruß an einem Wegkreuz, das tägliche Gesätz(chen) vom Rosenkranz und natürlich die Hochformen des liturgischen Gebetes: die hl. Messe – sie alle gehören zur großen Gebetskultur. Jeder sollte bemüht sein, seinem Leben auch ein bestimmtes Gebetsprofil zu geben. Der Stil eines Menschen darf sich auch in seinem Gebetsstil zeigen.

Wer betet, hat mehr vom Leben

Die Votivtafeln an und in unseren Wallfahrtskirchen sind sprechende, aktuelle Zeugen für die Lebendigkeit des Bittgebetes und geben Kunde von überaus zahlreichen Gebetserhörungen. Die objektive Wirksamkeit des Gebetes gehört zu den tragenden Grundpfeilern gläubiger Zuwendung an den Vater. Und so gilt dann auch: Wer betet, hat mehr vom Leben. Der Dank kann auch heute zum Kunstwerk werden, wie die Wand der modernen Votivtafeln in Maria Vesperbild zeigt: Wer betet, hat Kultur.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Uffe Schjodt, Ingo Hofmann, Nina Hagen.

Leserbriefe

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