Wir müssen unseren freiheitlichen Lebensstil verteidigen. Philipp Mißfelder

Raus da

Nach dreizehn Jahren Gemeinschaftswährung steht die Politik vor den Trümmern des Projektes Euro. Dass für Griechenland jedoch eine Rettung aus eigener Kraft möglich ist, zeigt ein anderes Land.

Ein freiwilliger Austritt aus dem Euro ist der richtige Schritt für Griechenland. Momentan werden unglaubwürdige Panikszenarien für diesen Fall entwickelt, er wäre jedoch in doppelter Hinsicht sinnvoll – sowohl für das Land als auch für den Euro.

Mit einer Rückkehr zur eigenen Währung würde Griechenland das gleiche Schicksal ereilen wie Hunderte Länder zuvor, die im Fall von Zahlungsschwierigkeiten die eigene Währung abgewertet haben. Vorgemacht hat es das Land nicht zuletzt selbst: Bereits in der Nachkriegszeit brachte Griechenland eine Abwertung der eigenen Währung hinter sich und inszenierte gleichzeitig ein Wirtschaftswunder – welches es nun leider mit dem Euro verwirtschaftet hat.

Rettung vor ausländischen Spardiktaten

Dennoch gibt es nicht den geringsten Grund, daran zu zweifeln, dass eine eigene Währung mit eigenem Wechselkurs weiterhin der sicherste Schutz für ein Land gegen Überschuldung ist und zudem die Rettung vor unsinnigen ausländischen Spardiktaten bedeutet.

Das Festhalten an Griechenland als Mitglied der Euro-Zone demonstriert, dass Politiker nur wenig von Ökonomie verstehen bzw. sich von den Vorteilen des Nichtaustrittes bestechen lassen. Mit dem Verbleib des Landes in der Gemeinschaftswährung würden die Schulden des Staates und der Banken sozialisiert – bzw. europäisiert. Damit würde sich Deutschland am Rechtsbruch beteiligen, denn nach aktuellem europäischen Recht ist eine solche Haftung noch immer ausgeschlossen.

Die fast unbezahlbaren Schulden würde dabei der deutsche Steuerzahler übernehmen – und dafür spricht nichts: Denn das Geld, welches zur Zahlung von griechischen Schulden aufgewendet werden müsste (als Ersatz für griechische Steuerzahlungen), würde hierzulande fehlen: bei Kita, Arbeitsplätzen, Ausbildungsplätzen, Infrastruktur und Kultur. Es wäre der Ruin der eigenen deutschen Finanz- und Stabilisierungspolitik, auch eine Schuldengrenze wäre damit unlogisch.

Der gesunde Menschenverstand sagt, dass man Spanien den gleichen Rat geben sollten: Ein Austritt aus der Euro-Zone bedeutet auch für dieses Land die Wiedererlangung eines wichtigen Mechanismus, um die eigenen Schulden in den Griff zu bekommen.

Der durch die Jahrhunderte immer wieder als verlässlich erwiesene Schutz vor Zahlungskrisen ist der Wechselkurs der Währung. Dieser zeigt klar an, wie es um die Exportfähigkeit eines Landes bestellt ist, und um die Leistungskraft. Noch kein Land ist an Aufwertungen zugrunde gegangen (Deutschland, Nachkriegszeit), ebenso wenig an Abwertungen. Die Korrektur des Wechselkurses ist der Schutz vor den Problemen, die wir heute haben.

Ruhe vor den Problemen

Ohne die Rückkehr zu den nationalen Währungen wird die EU nicht wieder aus ihrer Dauerkrise herauskommen. Je eher das die Politiker begreifen, desto eher haben sie Ruhe vor den heutigen Problemen.

Griechenland sollte freiwillig aus dem Euro austreten und den Wechselkurs zur neu einzuführenden Drachme im Inland auf 1:1 ansetzen – damit große Probleme und Schadensersatzprozesse ausbleiben. Die neue Drachme müsste anschließend um ihre bisherige Entwertungsrate, die laut OECD-Berichten bei 30 bis 40 Prozent liegt, abgewertet werden, damit auf dieser Basis Abkommen über Schuldenreduzierung mit den Auslandsgläubigern geführt werden können. Genau dieser Fall hat sich übrigens unbemerkt am Nordrand Europas ereignet: Die soeben skizzierten Schritte wurden von Island umgesetzt, ein Land, welches nun Wachstumsraten von 2 bis 3 Prozent genießt.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Antonio Lettieri, Friederike Spiecker, Joachim Starbatty.

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