Der Plastikplanet

Werner Boote26.02.2010Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik

Für seinen Kinofilm “Plastic Planet” reiste Werner Boote mehrfach um die Welt. Er hat dabei eine beeindruckende Fülle an Beispielen und Material zusammengetragen: 700 Studien belegen die Gefährlichkeit von Plastik. Die Rückstände von Kunststoffen sind keineswegs nur eine Bedrohung für die Umwelt, sie sind eine direkte Gefahr für die Gesundheit der Menschen.

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1999 habe ich erstmals in der Zeitung etwas zum Thema Plastik gelesen. Es war ein kleiner Artikel über vom Aussterben bedrohte Fische, die sich nicht mehr fortpflanzen können, weil ihnen eine Substanz schadet, die in Kunststoff enthalten ist und unter bestimmten Umständen in die Umwelt gelangen kann. Damals habe ich mich gefragt, warum darüber nur mit so wenigen Zeilen berichtet wurde. Kurze Zeit später stieß ich auf eine Meldung im Time Magazine, da ging es um Eisbären und deren Probleme mit Kunststoffpartikeln im Grönlandmeer. Es kamen immer mehr Artikel dazu, und schließlich fing ich gezielt an zu sammeln und zu recherchieren. Welche Bedrohung Plastik für die Umwelt darstellt, ist mittlerweile wohl jedem bewusst. Wer kennt nicht die Müllteppiche an den Stränden dieser Welt? Wer hat nicht auch schon vom Plastikmüllteppich im Pazifischen Ozean gehört? Aber ich begann mich zunehmend dafür zu interessieren, ob es nicht auch eine direkte Bedrohung für den Menschen gibt.

Plastik ist eine Bedrohung für Mensch und Umwelt

Ich reiste in 25 Länder, habe mit Wissenschaftern, Politikern und Personen aus der Industrie gesprochen und mir ein Bild über unsere Situation im Plastikzeitalter gemacht. Gemeinsam mit meinem Team habe ich 700 Studien gesammelt und ausgewertet. Wir haben Plastikprodukte analysieren und unser Blut auf Kunststoffe untersuchen lassen. Das Ergebnis ist schockierend: Plastik ist eine Bedrohung für Mensch und Umwelt! Dank Kunststoff sind wir auf den Mond geflogen, und ohne Kunststoff würden wir hinter dem Mond leben – daran ändern auch die Ergebnisse meines Films nichts. Was ich allerdings fordere, ist ein Verzicht auf giftige Substanzen bei der Herstellung. Babysauger und Babyflaschen haben wir zum Kinostart in Österreich testen lassen und einen kleinen Erfolg gehabt: Aufgrund unserer Tests wurden bestimmte Produkte vom Markt genommen. Die Kunststoffindustrie muss sofort dazu verpflichtet werden, die gefährlichen Substanzen, die bereits bekannt sind, nicht zu verwenden oder auf den Verpackungen anzugeben. Ich stelle mir das vor wie die E-Nummern bei Lebensmitteln. P 11 könnte zum Beispiel für Bisphenol A stehen, P 17 für DEHP. Auf diese Weise könnten wir entscheiden, ob wir ein Produkt kaufen, das Substanzen enthält, die in dringendem Verdacht stehen, für Krebserkrankungen, Allergien, Autismus oder Unfruchtbarkeit verantwortlich zu sein.

Ein Leben gemäß den drei R: reduce, re-use und recycle

Mein Privatleben hat sich durch das, was ich in meinen Interviews und bei der Recherche erfahren habe, stark verändert. Im Studio hatte ich früher eine Plastikflasche, die ich stets mit Leitungswasser nachfüllte. Heute weiß ich, dass man Plastikflaschen maximal einmal verwenden sollte, weil sich stets mehr und mehr Giftstoffe im Wasser ansammeln. Jetzt trinke ich aus einer Glasflasche. In den Supermarkt nehme ich meine Einkaufstasche mit. Und in der chemischen Reinigung bekommt mein Anzug keine Plastikschutzhülle mehr. Ich lebe modern, kaufe aber so wenig Plastik wie möglich, gemäß den drei R: reduce, re-use und recycle. Der Film “Plastic Planet” hat Plastik zu einem Thema gemacht, über das man endlich spricht. Einige haben bereits begonnen, plastikfrei oder bewusst einzukaufen: www.keinheimfuerplastik.at. Ich würde mir aber wünschen, dass dieser Film auch Anstoß gibt zu einer Entwicklung, die schon lange fällig ist: sichere Produkte für uns und unseren Plastikplaneten. Und darin sehe ich eine große Chance für clevere und moderne Kunststofffachleute. Der Film “Plastic Planet” ist seit dem 25. Februar in den deutschen Kinos. Lesen Sie auch die Kontra-Meinung von Herrn Peter Orth.

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