Ganz frisch aufgewärmt!

Weblog Sicherheitspolitik 31.07.2010Politik

Die von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente zum Afghanistankrieg bestätigen nur, was längst bekannt ist. Für eine strategische Neubewertung der Situation am Hindukusch bietet der Geheimnisverrat keine Grundlage.

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Wir haben uns mittlerweile einen umfassenderen Überblick über die bei WikiLeaks veröffentlichten Dokumente zum Afghanistankrieg verschafft. Dabei handelt es sich ausnahmslos um Meldungen, die sich auf einzelne Vorfälle beziehen, Ausschnitte aus Situationen wiedergeben und vorwiegend taktische Details beschreiben. Eine der Schwächen von WikiLeaks ist, dass die dort veröffentlichten Dokumente nur selten die für sich selbst sprechende Aussagekraft haben, die ihnen manche unterstellen. Ohne eigene Kenntnis der Lage sind Quellen dieser Art nur sehr schwer zu bewerten.

Selbst Speisepläne sind “geheim”

Ständig betonen Medien, wie “geheim” und “brisant” die veröffentlichten Dokumente seien. Als Beleg dient u. a. ein Verweis darauf, dass manche nicht an die afghanische Regierung hätten weitergegeben werden dürfen. Solche Einschränkungen sind u. a. wegen der Korruption in Afghanistan jedoch völlig normal. Auch bei der Einstufung von Dokumenten machen es sich viele Bearbeiter einfach, sodass auch mancher Speiseplan schon als “geheim” eingestuft worden ist. Die Masse der Dokumente ist zudem nicht “geheim”, weil Journalisten etwas verheimlicht werden soll, sondern weil z. B. Quellen geschützt werden sollen. Hochtrabend behaupten die Journalisten, die Dokumente enthüllten die “wahre Dimension” des Einsatzes. Aus den bislang bekannten Dokumenten ergibt sich jedoch keine Neubewertung der Lage in Afghanistan auf strategischer Ebene. Die Dokumente enthalten vor allem taktische Details, die für die grundsätzliche Bewertung des Einsatzes irrelevant sind. Eine Ausnahme stellt eine Information über den Einsatz tragbarer Flugabwehrraketen durch die Aufständischen dar. Bewertungen über Glaubwürdigkeit von Quellen und Plausibilität der Inhalte fehlen häufig. Für den Leser sind gerade die besonders interessant erscheinenden Meldungen, z. B. über die konkrete Unterstützung der Aufständischen durch Iran und Pakistan, oft wertlos, da es keinerlei Anhaltspunkte dafür gibt, wie ernst diese zu nehmen sind. Wir vermuten, dass zweifelhafte Meldungen wie im realen Einsatz auch bei den von WikiLeaks veröffentlichten Dokumenten überwiegen.

Stochern im Nebel des Krieges

Unter den WikiLeaks-Dokumenten befindet sich auch eines zum Tanklaster-Vorfall vom 04.09.2009. Es macht die Grenzen dieser laut “Spiegel” angeblich die “wahre Dimension” des Einsatzes enthüllenden Dokumente deutlich. Das veröffentlichte Dokument enthält die Erstbewertung unmittelbar nach dem Vorfall: __AT 2158Z, BDA CONDUCTED BY F-15/ROVER WAS THAT 56X INS KIA (CONFIRMED) AND 14X INSFLEEING IN NE DIRECTION. THE 2X FUEL TRUCKS WERE ALSO DESTROYED.__ Die Tatsache, dass die Information zunächst als “geheim” eingestuft war und nun ungefiltert wiedergegeben wird, bedeutet nicht, dass sie nach heutigem Erkenntnisstand noch zutreffend sein muss. Im besten Fall geben solche Informationsbruchstücke den Wissensstand von Personal wieder, welcher diesem zu einem bestimmten Zeitpunkt vorlag. Ein Großteil dieser Erstmeldungen stellt sich jedoch als unvollständig heraus, was eine fast zwingende Folge der Lage ist. In vielen relevanten Fällen geben die veröffentlichten Meldungen zudem nicht den Endstand wieder, sodass falsche Eindrücke geschaffen werden. Ausführlichere Analysen, die Lesern dabei helfen könnten, die allgemeine Lageentwicklung aus der Sicht der Einsatzkräfte nachzuvollziehen, sind zudem nicht unter den Dokumenten. Für die politische und strategische Diskussion bleibt der Geheimnisverrat daher weitestgehend ohne Nutzen.

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