Japan sagt Danke

Norbert Walter13.10.2009Gesellschaft & Kultur, Politik, Wirtschaft

Eine prosperierende Weltwirtschaft erfordert neue Formen der internationalen Zusammenarbeit, auch in Fernost. Tatsächlich wird Dank der neuen Regierung die japanische Außenpolitik neu justiert. Langfristig könnte dies zu einem gemeinsamen Binnenmarkt mit China führen.

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Folgt die neue japanische DPJ-Regierung ihrem Wahlmanifest, dann wird die japanische Außenpolitik rejustiert. Insbesondere eine Stärkung der Beziehungen mit den asiatischen Nachbarn, allen voran mit China, und eine Abwendung von der Rolle des amerikatreuen Vasallen hin zu einem “engen Japan-US-Bündnis mit gleichberechtigten Partnern”, stehen auf der DPJ-Agenda. Dieser Kurswechsel der japanischen Außenpolitik bewegt die Welt. Um die Folgen des Kurswechsels der japanischen Außenpolitik zu bewerten, lohnt ein Blick auf die politische Großwetterlage. Die US-Großmacht verliert ihre alleinige Vormachtstellung, spielt aber weiterhin die Hauptrolle in einer zunehmend multipolaren Welt. Die veränderten Rahmenbedingungen vor Augen, versucht Barack Obama die unterschiedlichen Anliegen der Nationen und Konflikte sowohl im eigenen Interesse wie auch zum Wohle einer prosperierenden Weltwirtschaft zu lösen. Das Austarieren dieser neuen – von vielen Partnern der USA gegenüber der Bush-Doktrin bevorzugten – Politik kann als eine multipolare politische “Coopetition”-Strategie bezeichnet werden.

Japan braucht USA und China

Die Neujustierung der japanischen Außenpolitik einschließlich des größeren Selbstbewusstseins gegenüber dem Partner USA darf freilich nicht als Abwendung von diesem bedeutenden Alliierten missverstanden werden. Das gilt umso mehr, als die US-Militärpräsenz in Japan ein Garant für die militärische Stabilität im asiatischen Raum ist. Ein intensiverer Kontakt zu China ist also nicht als Ablehnung gegenüber den USA misszuverstehen, sondern nur eine konsequente Reaktion auf das zunehmende wirtschaftliche und politische Gewicht Chinas in einer stärker multipolaren Welt. Für Japan ist es klug nicht damit zu warten, auf China zuzugehen. Heute verhandeln beide Länder noch auf Augenhöhe miteinander, in den kommenden Jahrzehnten dagegen wird Japans Verhandlungsposition schwächer. Mit steigender chinesischer Wirtschaftskraft wird Japan im Verlauf des kommenden Jahrzehnts zu Chinas Juniorpartner.

Vision einer gemeinsamen Währung

Die einstigen Kriegsgegner China und Japan haben trotz fehlender Aussöhnung bereits intensive Wirtschaftsbeziehungen aufgebaut. Das japanische Handelsvolumen mit China und Hongkong ist mittlerweile größer als das mit den Vereinigten Staaten. Aller Voraussicht nach wird in den kommenden Jahrzehnten der intraasiatische Handel zum wichtigsten Marktplatz der Weltwirtschaft. Bei einer solchen Entwicklung drängt sich aus ökonomischen Gründen die Frage nach einer gemeinsamen asiatischen Währung auf. Für die Weltwirtschaft wäre ein asiatischer Binnenmarkt mit eigener Währung mehr Chance als Risiko. Zweifellos erhöht sich durch die aufstrebenden Nationen der Wettbewerbsdruck auf die etablierten Volkswirtschaften. Gleichzeitig würde sich durch die im asiatischen Binnenmarkt mögliche Spezialisierung und bessere Nutzung der “Economies of Scale” ein Quantensprung in Exzellenz ergeben, der die weltwirtschaftliche Entwicklung wie jeder technologische und organisatorische Fortschritt beflügeln könnte. Die künftige Stärke Asiens deutet sich bereits heute an. Viele asiatische Volkswirtschaften kamen schneller aus der globalen Wirtschaftskrise als die westlichen Industrieländer. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird damit zunehmend von der asiatischen Dynamik beeinflusst. Japans Neuausrichtung der Außenpolitik wäre also ein weiterer wichtiger Baustein zu mehr Wirtschaftswachstum – nicht nur für den intraasiatischen Markt, sondern auch für die globale Wirtschaft.

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