Monopolisierung schadet der europäischen Wirtschaft | The European

Monopole wie Goolge sind eine Gefahr für die Wirtschaft

Vincent Müller18.09.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Die großen Tech-Konzerne haben es in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt: Monopole können eine große Gefahr darstellen. Ob Google, Facebook oder Amazon – all diese Unternehmen sind aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken und waren in der jüngsten Vergangenheit nicht zuletzt aufgrund ihrer Marktdominanz an großen Skandalen beteiligt. Wie soll die Europäische Union mit solchen Monopolen umgehen?

Google logo displayed at one of their office buildings in Silicon Valley; South San Francisco bay area, Shutterstock

Google und das Leistungsschutzrecht

Die großen Digitalkonzerne der Neuzeit haben uns vor ein kompliziertes wirtschaftliches Dilemma gestellt: Auf der einen Seite haben sie die Digitalisierung und die Vernetzung der Welt in kürzerer Zeit und technisch anspruchsvoller gelöst, als es einzelne Regierungen oder staatlich finanzierte Träger jemals könnten. Schließlich bringen sie nicht nur eine Menge Innovationskraft mit, sondern finanzieren auch noch die dafür benötigte Infrastruktur. Technologien können häufig erst durch diese Unternehmen skalierbar gemacht werden, sodass alle Nutzer davon profitieren – und die Kosten immer weiter sinken. Ohne die Googles, Microsofts und Facebooks dieser Welt wäre der Informationsaustausch in der Dimension, wie wir sie heutzutage erleben, wohl nicht möglich gewesen. Diese Umstände führen dementsprechend dazu, dass ihnen keiner so recht auf die Finger schaut, bis die Unternehmen so groß und disruptiv sind, dass man nicht mehr an ihnen vorbeikommt und ihre Präsenz sich auf Gesellschaft und Wirtschaft auswirkt.

Besonders die Vormachtstellung von Google und Facebook hat gezeigt, dass diese ihren Einfluss durchaus noch versuchen, auszubauen. Im Streit um das Leistungsschutzrecht ging es im vergangenen darum, dass Google mit seiner Nachrichtenplattform „Google News“ nicht mehr auf Nachrichten der herkömmlichen Verlage zugreifen und verlinken soll, da diese selbst aufwändige Newsplattformen betreiben, die sich vornehmlich durch Klicks und Werbeeinnahmen finanzieren. Stellt Google News diese Inhalte selbst zur Verfügung, gibt es zwar immer noch die Verlinkung auf die Portale, auf denen die Original-News zu finden sind, de facto kann aber niemand garantieren, dass Nutzer sich wirklich noch die Mühe machen, auf diese Newsplattformen zu klicken. Es besteht hier also durchaus der Verdacht, dass nur Google davon profitiert. Dementsprechend hat auch die EU entschieden.

Google News und andere News-Aggregatoren sollen nicht mehr ohne Weiteres journalistische Inhalte veröffentlichen und durch eigene Anzeigenplatzierung Geld damit verdienen können.

Googles Werbemonopol

Der Fall Google zeigt: nicht nur die Medienwirtschaft, sondern auch die Werbewirtschaft werden von dem Tech-Konzern kleingedrückt, wenn man ihn lässt. Schließlich verbreitet Google nicht nur fremde journalistische Inhalte, sondern monetarisiert sie auch mit Werbeanzeigen.

Diese Werbeanzeigen laufen über die Google-eigene Plattform AdSense. Erst Anfang des Jahres musste Google in der EU eine Milliardenschwere Strafe zahlen, da man jahrelang für die Einbindung von AdSense die Nutzung anderer Anbieter vertraglich eingeschränkt wurde. So gut und kundenfreundlich die großen Tech-Konzerne auf den ersten Blick scheinen und in großem Maße auch sind – die Gefahr, dass sie ihre technologische und wirtschaftliche Dominanz ausnutzen, um Wettbewerber aus dem Spiel zu nehmen, ist groß und begründet. Und langfristig nicht im Sinne der Konsumenten und auch nicht im Sinne der Politik.

Umso interessanter ist, dass Deutschland und Frankreich Anfang des Jahres eine Fusion von Siemens und Alstom forcierten, um ein europäisches Monopol zu schaffen, das den globalen Mobilitätsmarkt dominieren soll. Die Geschichte sollte mittlerweile genug Beispiele parat haben, die zeigen, dass Monopole zwar finanziell dafür sorgen können, dass sich eine Innovation durchsetzt – die eigentliche Innovationsarbeit entsteht aber nur, wenn es genügend Wettbewerber gibt, die an der Umsetzung der besten Idee arbeiten.

 

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Was haben der Fall Assange und der Ukrainekrieg gemeinsam?

Werte in einem Zeitalter des Nihilismus – Assanges Auslieferung und der Krieg in der Ukraine sind Teil desselben Problems

Wie die Deutschen ticken: Wer kann Krise?

Die aktuelle Krisensituation belastet die Deutschen. Mit unterschiedlichen Maßnahmen versucht die Politik gegenzusteuern. Doch welcher Partei trauen die Bürgerinnen und Bürger am ehesten zu, Deutschland gut aus der aktuellen Krisensituation herauszuführen?

Der „perfekte Sturm“ rollt auf uns zu

Noch niemals seit Kriegsende haben sich so viele Faktoren zu einer so schwierigen Wirtschaftssituation verwoben wie jetzt. Deutschland droht eine tiefe Rezession. Sieben Gründe sind dafür verantwortlich. Von Oliver Stock / WirtschaftsKurier

Wird die Problem-Lufthansa zur fliegenden Bahn?

Das Flug-Chaos im Reisesommer beschädigt das Image der Lufthansa. Doch die Probleme der Airline sind viel größer als gedacht. Fünf Dinge bedrohen die schiere Existenz des deutschen Vorzeigekonzerns.

Joe Biden ist besser als sein Ruf

Der amerikanische Präsident hat in den USA miserable Umfragewerte und jede Menge innenpolitische Probleme. Doch weltpolitisch macht er vieles richtig. Ausgerechnet "Sleepy Joe" hat den müden Hegemon wieder aufgeweckt. Von Wolfram Weimer

Mobile Sliding Menu