Sex nach dem Fußball ist besser. Allerdings fällt oft bereits in der ersten Minute das 1:0! Harald Schmidt

Ein Hoch auf den Kapitalismus!

Die Demonstranten der Welt wissen selbst nicht genau, was sie eigentlich wollen: Denn trotz ihres Protestes sind sie eigentlich für den Kapitalismus. Gründe gibt’s genug.

Überall demonstrieren die Menschen, weil sie nicht bereit sind, die Verluste der Banker zu bezahlen. Das nennen sie Kapitalismuskritik. In Wirklichkeit ist diese Einstellung Kapitalismus in Reinform. Denn dort gilt: Wenn du deinen Laden gegen die Wand fährst, musst du die Konsequenzen dafür tragen. Die Occupy-Bewegung kämpft also nicht gegen, sondern FÜR den Kapitalismus! Paradox.

Hand in Hand mit den Brandstiftern

Trotzdem erfährt in Zeiten der Euro-Krise „links sein“ eine Renaissance. Sogar bei vielen FDP-Anhängern. Denn der entfesselte Raubtierkapitalismus hat uns alle an den Rand des Ruins getrieben. „Mehr staatliche Regulierung“ fordern alle und vergessen dabei, dass es gerade die staatliche Niedrigzinspolitik der Zentralbanken war, die die Krise verursachte. Dass sich jetzt Politiker hinstellen und die „unverschämte Gier der Banker“ brandmarken, ist in etwa so, als ob ein Brandstifter die Streichholzindustrie fürs Feuer verantwortlich macht.

Auch viele meiner Kabarett-Kollegen verteufeln konsequent die Marktwirtschaft und bezeichnen sich als links. Die linksten unter ihnen verdienen sogar richtig viel Geld, indem sie ihrem Publikum jeden Abend erzählen, was der Kapitalismus alles so kaputt macht. Neulich erst fragte ich einen bekannten Kollegen: „Was würdest du tun, wenn du im Jahr eine Million Euro zur Verfügung hättest?“, und er antwortete mir: „Ich müsste mich sehr einschränken …“

Kapitalismus ist so ähnlich wie Sex. Selbst wenn er schlecht ist, ist er immer noch besser, als überhaupt keinen zu haben. Denn die größten sozialen Ungerechtigkeiten und die heftigste Form von Geldverschwendung existieren nicht in neoliberalen Marktwirtschaften, sondern in Gesellschaften, in denen der Staat glaubt, die Wirtschaft steuern zu müssen. Im Ostblock z.B. wurden die Straßen nicht unter dem Gesichtspunkt angelegt, dass jemand irgendwo hingelangen will, sondern wie man darauf die eindrucksvollsten Militärparaden abhalten kann. Die Ampelschaltungen in Chemnitz oder Leipzig wurden nicht etwa so eingestellt, dass der Verkehrsfluss garantiert war, sondern so, dass drei Luftwaffenbataillone und hundert Raketenwerfer innerhalb einer Grünphase die Kreuzung passieren konnten.

Immer dann, wenn man versucht hat, Wettbewerb zu unterdrücken, ist man damit gegen die Wand gefahren. Bestes Beispiel: Schweden. Die hatten jahrelang in Deutschland ein Zündholzmonopol. Welthölzer. Deswegen haben die Schweden auch lange Zeit nichts Brauchbares hingekriegt. Erst als das Monopol auslief, sind sie kreativ geworden. Sie haben die Zündhölzer einfach zu Möbeln zusammengeklebt.

Der Markt ist besser als der Staat

Selbstverständlich fördert Kapitalismus auch Eigenschaften wie Unpersönlichkeit und oberflächliche Beziehungen, die auf rein materieller Ebene basieren. Aber was ist daran so schlimm? Geld bietet ja gerade die phänomenale Möglichkeit, Handel mit vollkommen fremden Personen zu betreiben. Wenn ich in einen Elektronikladen gehe, kann ich fast hundertprozentig sicher sein, dass ich ein Gerät kaufe, das funktioniert. Noch besser bei der Deutschen Bahn: Da kaufe ich ein Ticket für zwei Stunden und bekomme noch eine Stunde gratis dazu.

Natürlich wird der freie Markt nie perfekt funktionieren, aber er funktioniert immer noch besser als die meisten Formen staatlicher Regulierung. Wem vertrauen Sie mehr? Ebay oder unserem Rentensystem? Wo ist es sicherer? In Ihrem Garten oder im Stadtpark? Was ist sauberer? Öffentliche Toiletten oder Ihr Badezimmer? Sollten Sie ein männlicher Single sein, vergessen Sie die letzte Frage.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Rainer Zitelmann, Franz Sommerfeld, Dietmar Bartsch.

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