Offener Brief von Ärzten an die Politik und die Öffentlichkeit | The European

Ärzte warnen vor allgemeiner Impfpflicht

Vera Lengsfeld13.12.2021Medien, Wissenschaft

Kaum ein Thema ist in den letzten Tagen so heftig diskutiert worden, wie die von der Ampelkoalition vorbereitete Impfpflicht. Von Vera Lengsfeld.

Impfstoff gegen das Coronavirus, Foto: LookerStudio / Shutterstock)

Diese Schritt gingen sie diese Woche: Bis zum 15. März sollen Beschäftigte von Alters- und Pflegeheimen, sowie Krankenhäusern und Arztpraxen nachweisen, dass sie geimpft sind. Dies wird als notwendiger Schutz für die Patienten verkauft. Abgesehen davon, dass diese Impfpflicht übersieht, dass auch Geimpfte das Virus übertragen können und der einzig wirksame Schutz negative Tests sind, ist die entscheidende Frage, ob damit eine allgemeine Impfpflicht vorbereitet werden soll.

Unser neuer Gesundheitsminister Lauterbach hat in der Vergangenheit auf Twitter die Notwendigkeit einer allgemeinen Impfpflicht klar verneint:

“Eine Impflicht macht bei SarsCov2 so wenig Sinn, wie bei Grippe. wenn die Impfung wirkt, wird sie auch freiwillig gemacht. Dann keine Impflicht nötig. Wenn sie viele Nebenwirkungen hat oder nicht so gut wirkt verbietet sich Impflicht.Daher nie sinnvoll.” (Rechtschreibung Lauterbach)

Ähnlich argumentieren aktuell Ärzte in einem offenen Brief (Federführung Prof. Sönnichsen, Ärzte stehen auf), den ich hier  dokumentiere:

Offenen Brief von Ärzten an die Politik und die Öffentlichkeit:

An die Politikerinnen und Politiker und an
alle Menschen unseres Landes

Geringer Nutzen und unabsehbarer Schaden
durch die COVID-Impfungen

Sehr geehrte Politikerinnen und Politiker,
liebe Mitmenschen,
mit großer Sorge nehmen wir wahr, dass unsere Gesellschaft in gegen-COVIDGeimpfte
und Ungeimpfte gespalten wird und dass auf Ungeimpfte ein wachsender
Druck ausgeübt wird, sich impfen zu lassen.
Wir fordern die Regierung auf, dieser Spaltung Einhalt zu gebieten und alle direkten
und indirekten Zwangsmaßnahmen mit dem Ziel einer Impfung von bisher
Ungeimpften nicht nur einzustellen, sondern aktiv zu unterbinden.
Im Folgenden legen wir dar, warum ein wie auch immer gearteter Zwang oder Druck, sich impfen zu lassen, weder gerechtfertigt noch ethisch vertretbar ist.

Die Effektivität der Impfungen zum Schutz vor einer schweren
COVID-19 Erkrankung

Die Zulassungsstudien der Impfstoffe gegen COVID-19 haben eine relative
Impfeffektivität von etwa 60 bis 95% zur Verhinderung einer Infektion gezeigt. Das
Follow-up lag allerdings nur bei 10 bis 14 Wochen [1–4]. Aufgrund der kurzen
Beobachtungszeit und der zu geringen Ereigniszahlen sind weder Aussagen zur
Langzeiteffektivität möglich, noch können Aussagen zur Verhinderung von schweren
Verläufen oder Todesfällen getroffen werden. Hier sind Beobachtungsstudien mit
Geimpften und Nicht-Geimpften nötig.
Als wichtiges Beispiel für eine solche Studie gilt eine große Fall-Kontrollstudie aus
Israel, in der je 596.618 Geimpfte und Ungeimpfte hinsichtlich des Risikos COVIDbedingter Hospitalisierung oder Tod verglichen wurden [5]. Die relative
Risikoreduktion von Geimpften bezüglich einer Krankenhausbehandlung betrug 58%- was bereits viel weniger ist, als die Zulassungsstudien vermuten ließen. Die
absolute Risikoreduktion betrug jedoch nur 0,025%. Das bedeutet, dass etwa 4000
Personen geimpft werden müssen um eine Hospitalisierung zu verhindern. Bezüglich der Verhinderung eines Todesfalls wird das absolute Risiko durch die Impfung sogar nur um 0,0039% gesenkt. Das heißt, dass etwa 26.000 Menschen geimpft werden müssen um einen COVID-Todesfall zu verhindern. Die Wahrscheinlichkeit für den Einzelnen, durch die Impfung geschützt zu werden, ist also extrem gering und muss daher unbedingt gegen die Risiken der Impfung abgewogen werden. Inzwischen liegen zahlreiche weitere Beobachtungsstudien mit sehr ähnlichem Ergebnis vor.

Die Effektivität der Impfstoffe gegen SARS-CoV-2-Mutanten im
zeitlichen Verlauf

Neuere Arbeiten zeigen, dass die Impfeffektivität im Laufe der Zeit nachlässt. In einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie kam es zu einem Abfall der relativen Impfeffektivität von >90% direkt nach der vollständigen Immunisierung auf etwa 65% nach vier Monaten [6]. Darüber hinaus zeigte sich, dass es in der Studie sowohl bei Geimpften als auch bei Ungeimpften im Juli 2021 zu einem deutlichen Anstieg von Infektionen mit der Delta-Variante gekommen ist, was nahelegt, dass die Impfeffektivität nicht nur mit der Zeit abnimmt, sondern auch für die Deltavariante geringer ist. Aussagen zum Schutz vor Hospitalisierung und Tod waren in dieser Studie nicht möglich, da nur eine Krankenhausaufnahme und kein einziger Todesfall zu beobachten waren.
Eine kürzlich erschienene Kohortenstudie aus Schweden zeigt eindrucksvoll, dass
die Impfeffektivität bereits nach sechs bis sieben Monaten so stark absinkt, dass
nicht mehr von einem Schutz ausgegangen werden kann [7]. Diese Tatsache
spiegelt sich auch in den steigenden Zahlen Geimpfter unter den im Krankenhaus
und auf der Intensivstation behandelten COVID-Patienten wider.

Die Risiken der COVID-Impfstoffe

Kein Arzneimittel oder Impfstoff hat seit Bestehen der entsprechenden Datenbanken
in so kurzer Zeit so viele Meldungen von schweren, unerwünschten Wirkungen und
Todesfällen erfahren wie die Impfstoffe gegen COVID-19. In seinem
Sicherheitsbericht vom 20.9.2021 berichtet das Paul-Ehrlich-Institut über 156.360
Meldungen über Zwischenfälle im zeitlichen Zusammenhang mit einer COVIDImpfung in Deutschland [8]. Die Dunkelziffer nicht gemeldeter Fälle ist wahrscheinlich um ein Vielfaches höher. Von den gemeldeten Zwischenfällen endeten 1.450 tödlich,
15.122 (0,015% aller Impfungen) wurden als schwerwiegend eingestuft
(Krankenhausaufnahme erforderlich). Zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen,
deren Auftreten mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Impfung zusammenhängt
zählen die Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung (Myo- und Perikarditis), schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie), Thrombosen (Lungenembolien, Schlaganfälle, Herzinfarkte), Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie, Blutungen) und Ganzkörperlähmung (Guillain-Barré-Syndrom). Die Spätfolgen der bereits bekannten schwerwiegenden Nebenwirkungen und weitere, noch weitgehend unerforschte negative Effekte wie eine antikörperabhängige Verstärkung von
Entzündungsprozessen bei erneuter Infektion (Antibody-dependent-enhancement
[ADE]) und die Begünstigung der Entstehung von Immunkomplex und
Autoimmunerkrankungen durch die Nukleosid-modifizierte mRNA der mRNAImpfstoffe sind wegen der kurzen bisherigen Beobachtungszeiten noch gar nicht absehbar.

Die Infektiosität von Geimpften und Ungeimpften

In einer englischen Kohortenstudie wird gezeigt, dass sich weder die Viruslast noch
die Anzahl der Personen, an welche die Infektion weitergegeben wird zwischen
Geimpften und Ungeimpften unterscheiden [9]. Geimpfte sind demnach genauso
ansteckend wie Ungeimpfte und können gleichermaßen zur Verbreitung der
Erkrankung beitragen. Diese Ergebnisse wurden durch eine große
Bevölkerungsstudie von Public Health England bestätigt: sowohl bei Infektionen mit
der Alpha- als auch mit der Delta-Variante finden sich bei Geimpften und
Ungeimpften die gleichen PCR-Ct-Werte [10].

Die Nutzen-Schaden-Bilanz der COVID-19-Impfstoffe

Bei der Betrachtung der Nutzen-Schaden-Bilanz ist das persönliche Risiko eines
Menschen, schwer an COVID-19 zu erkranken oder an der Erkrankung zu
versterben, zu berücksichtigen. Dieses Risiko wird vor allem durch das Lebensalter
und vorliegende chronische Erkrankungen bestimmt. So konnte in einer
systematischen Übersichtsarbeit gezeigt werden, dass das Risiko, an COVID zu
versterben für Menschen über 80 Jahren etwa 10.000 Mal höher ist als für Kinder
unter 10 Jahren [11]. Dieser Faktor muss in die Überlegungen zum Nutzen, aber
auch zum Schaden der Impfung mit einbezogen werden. Die Zahlen im
Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts legen nahe, dass schwere unerwünschte Wirkungen bei Kindern etwa gleich häufig vorkommen wie bei Erwachsenen.
Herzmuskelentzündungen treten aber wahrscheinlich sogar häufiger bei Kindern und Jugendlichen auf. Bei Kindern steigt außerdem die Anzahl der erforderlichen
Impfungen zur Verhinderung einer schweren COVID-19-Erkrankung oder gar eines
Todesfalls durch COVID auf ein Vielfaches. Hieraus ist zu folgern, dass die Nutzen-
Schaden-Bilanz der Impfung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit negativ ist, das heißt, dass mit der Impfung mehr Schaden angerichtet wird als schwere COVID-Erkrankungen verhindert werden. Allenfalls bei alten Menschen und solchen mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf könnte eine eventuelle vorhandene Schutzwirkung der Impfung überwiegen. Der nur kurzzeitig andauernde Schutz und die negativen Folgen der Booster-Impfungen z.B. in Israel lassen selbst diesen Nutzen zweifelhaft erscheinen. Zusätzlich muss noch berücksichtigt werden, dass viele mögliche Langzeitschäden der Impfungen wegen der fehlenden Beobachtungszeit und der unvollständigen Dokumentation noch gar nicht bekannt sind.
Aus diesen Gründen muss es jedem Menschen freigestellt sein, sich nach ehrlicher
Aufklärung über Nutzen und Risiken frei für oder gegen die Impfung zu entscheiden.
Eine direkte oder indirekte Impfpflicht ist auf der Basis der vorliegenden Erkenntnisse weder zu rechtfertigen noch ethisch vertretbar.

Fazit

Der absolute, individuelle Nutzen der Impfungen gegen COVID-19 ist im
Bevölkerungsdurchschnitt marginal. Er mag höher sein für Menschen mit hohem
Risiko für einen schweren COVID-Verlauf. Selbst für diese Menschen bergen die
Impfstoffe jedoch noch nicht bekannte Risiken für negative Spätfolgen. Jungen und
gesunden Menschen und vor allem gesunden Kindern und Jugendlichen muss von
der Impfung abgeraten werden, da die Risiken für schwerwiegende Nebenwirkungen
und Spätfolgen den möglichen Nutzen bei weitem übersteigen.

Die Behauptung, dass durch die Impfung andere Menschen vor COVID-19 geschützt
werden, ist in Anbetracht der hohen Anzahl von Erkrankungen bei Geimpften und
des fehlenden Unterschieds in der Infektiosität zwischen Geimpften und Ungeimpften nicht stichhaltig und unglaubwürdig.
Wir fordern daher
– den sofortigen Stopp der Impfung von Kindern und Jugendlichen
– den sofortigen Stopp der einseitigen und die möglichen Schäden verharmlosenden
Impfpropaganda, sowie ein Ende der Nötigung der Bevölkerung zur Impfung
– das sofortige Ende der Diskriminierung von Ungeimpften und der
Ungleichbehandlung von Geimpften und Ungeimpften im öffentlichen Leben, am
Arbeitsplatz und in Schulen sowie Kitas
– eine Rückkehr der politischen und medizinischen Entscheidungsträger zu
(wissenschaftlicher) Neutralität, weg von der bislang geführten lobbykonformen
Panikpolitik, die sowohl gezielt wissenschaftliche Tatsachen ignoriert als auch die
freiheitlich-demokratischen Grundwerte mit Füßen tritt.

Literatur
1. Polack FP, Thomas SJ, Kitchin N, Absalon J, Gurtman A, Lockhart S, u. a.
Safety and Efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine. N Engl J Med
2020;383:2603–15.
2. Baden LR, El Sahly HM, Essink B, Kotloff K, Frey S, Novak R, u. a. Efficacy and
Safety of the mRNA-1273 SARS-CoV-2 Vaccine. N Engl J Med 2021;384:403–
16.
3. Voysey M, Clemens SAC, Madhi SA, Weckx LY, Folegatti PM, Aley PK, u. a.
Safety and efficacy of the ChAdOx1 nCoV-19 vaccine (AZD1222) against
SARS-CoV-2: an interim analysis of four randomised controlled trials in Brazil,
South Africa, and the UK. The Lancet 2021;397:99–111.
4. Sadoff J, Gray G, Vandebosch A, Cárdenas V, Shukarev G, Grinsztejn B, u. a.
Safety and Efficacy of Single-Dose Ad26.COV2.S Vaccine against Covid-19. N
Engl J Med 2021;384:2187–201.
5. Dagan N, Barda N, Kepten E, Miron O, Perchik S, Katz MA, u. a. BNT162b2
mRNA Covid-19 Vaccine in a Nationwide Mass Vaccination Setting. N Engl J
Med 2021;384:1412–23.
6. Keehner J, Horton LE, Binkin NJ, Laurent LC, Pride D, Longhurst CA, u. a.
Resurgence of SARS-CoV-2 Infection in a Highly Vaccinated Health System
Workforce. N Engl J Med 2021;385:1330–2.
7. Nordström P, Ballin M, Nordström A. Effectiveness of Covid-19 Vaccination
Against Risk of Symptomatic Infection, Hospitalization, and Death Up to 9
Months: A Swedish Total-Population Cohort Study. SSRN Journal 2021 [zitiert
19.11.2021];Available from: https://www.ssrn.com/abstract=3949410
4
8. Paul-Ehrlich-Institut. Sicherheitsbericht: Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und
Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19. 2021 [zitiert
13.10.2021];Available from:
https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/dossiers/sicherheitsb
erichte/sicherheitsbericht-27-12-bis-31-08-21.pdf?__blob=publicationFile&v=6
9. Singanayagam A, Hakki S, Dunning J, Madon KJ, Crone MA, Koycheva A, u. a.
Community transmission and viral load kinetics of the SARS-CoV-2 delta
(B.1.617.2) variant in vaccinated and unvaccinated individuals in the UK: a
prospective, longitudinal, cohort study. The Lancet Infectious Diseases
2021;S1473309921006484.
10. Public Health England. SARS-CoV-2 variants of concern and variants under
investigation in England – Technical Briefing 20. 2021 [zitiert
13.10.2021];Available from:
https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/
attachment_data/file/1009243/Technical_Briefing_20.pdf
11. Levin AT, Hanage WP, Owusu-Boaitey N, Cochran KB, Walsh SP, Meyerowitz-
Katz G. Assessing the age specificity of infection fatality rates for COVID-19:
systematic review, meta-analysis, and public policy implications. Eur J Epidemiol
2020;35:1123–38.

Quelle: Vera Lengsfeld

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