Bisher nährte sich der Facebook-Mythos noch vom Ursprungsleichtsinn einer Cocktailparty. Matthias Matussek

Ausgerechnet Claudia!

Claudia Roth, die schon auf Deutschland-du-mieses-Stück-Scheiße-Demonstrationen mitgelaufen ist, empört sich über die Wahl des Bloggers Rainer Meyer, besser bekannt als Don Alphonso, zum Jurymitglied des Bundestags-Journalistenpreises. Vera Lengsfeld hat dazu eine klare Meinung

„Für mich hat die Meinungsfreiheit dann Grenzen, wenn sie zur Verhetzung führt, wenn Hass gepredigt wird, und wenn soziale Gruppen ausgegrenzt und verhetzt werden. Das passiert regelmäßig, wenn er Geflüchtete pauschal abwerten will, wenn er – Zitat – von der ‚Gaudi-Migration‘ spricht.“

Wer die Äußerungen von Frau Roth kennt weiß, dass sie mit der Ausgrenzung sozialer Gruppen keinerlei Probleme hat, wenn es um Andersdenkende geht, seien es Skeptiker der Energiewende, der Einwanderungspolitik oder der Eurorettung. Mit ihrem Einspruch betreibt sie übrigens die Ausgrenzung Meyers, das scheint ihr schon gar nicht mehr aufzufallen.

Im Deutschlandfunk verkündete Roth, sie sei nicht die Einzige.
DLF: „Seit der Bekanntgabe der sieben Jury-Mitglieder vor gut drei Monaten hätten zahlreiche Anfragen ihr Büro erreicht: ‚Warum, um alles in der Welt, so jemand in eine so renommierte Jury entsandt wird?‘“

Wieso brauchte es drei Monate, um „zahlreiche Anfragen“ zu generieren? Musste der Skandal erst mühsam aufgebaut werden? Warum lanciert der DLF nach drei Monaten so ein Stück?

Im Weiteren wird eingeräumt, dass sich mehrere angefragte Journalisten nicht zur Wahl Meyers äußern wollen, andere geben nur anonyme Statements ab.

Nur der außerhalb seiner Peergroup weitgehend unbekannte Publizist Michael Seemann zieht ordentlich vom Leder. Meyer sei mehr als ein Provokateur: „Es gibt immer eine Handvoll Menschen, Einzelpersonen, die er gerade als sein Feindbild etabliert hat, und dann schreibt er wirklich einen Artikel nach dem anderen, macht hier einen Seitenhieb, macht da einen Seitenhieb.“

Seemann beschreibt hier ein Verhalten, das wir von den Qualitätsmedien bestens kennen. Wenn die sich eine Zielperson vornehmen, die ihnen nicht passt, kommt Seitenhieb auf Seitenhieb, bis das Ziel erreicht ist. Das erlebt heutzutage jeder, der von der Mainstream-Meinung abweicht. Man wird so lange als „bekennende Rechtsaußenpolitikern“, Rechte, Rechtspopulistin, AfD-Sympathisantin tituliert, bis das Etikett festklebt.

Seemanns Kollege Tilo Jung vom Nordkurier hat gestern ein Beispiel geliefert, wie Qualitätsjournalsimus funktioniert. Er twitterte:

“Als Journalisten haben wir gelernt, Leugnern des menschengemachten Klimawandels medial zu ignorieren, sie lächerlich zu machen und ihnen keine (gleichberechtigte) Plattform zu bieten. Das müssen wir auch bei den Feinstaubbelstungsleugnern schaffen!” No comment.

Meyer habe „Relotiusmedien“ und „Systemredakteure“ gesagt, echauffiert sich Seemann. Damit hat er allerdings nur die Realität beschrieben. Wenn Medien vergessen, dass sie Nachrichtenübermittler und nicht Meinungsmacher sind, wenn sie ihre demokratische Aufgabe, die Regierung zu kontrollieren, nicht wahrnehmen und sich statt dessen zum Regierungssprecher machen, müssen sie sich über solche Einordnungen nicht wundern.

Dann kommt noch ein fieser Seitenhieb auf Meyer. Er sei Blogger geworden, weil er zu faul sei, zu recherchieren. Wer Don Alphonso kennt, weiß, wie sorgfältig recherchiert seine Beiträge sind.

Seemann hat damit ein Beispiel geliefert, dass alles, was Don Alphonso jemals über Journalisten wie ihn geschrieben hat, wahr ist.

Quelle: Vera Lengsfeld

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Franz Sommerfeld, Wolf Achim Wiegand, Vera Lengsfeld.

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