Michael Müllers Mauer im Kopf

von Vera Lengsfeld30.01.2017Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Medien

Am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, sollte die Frage erlaubt sein, ob man sich auch nicht vor Antisemiten schützen darf, die seit der merkelschen Grenzöffnung massenhaft ins Land kommen?

Immer wenn man denkt, peinlicher kann kein Politikerstatement mehr sein, bekommt man prompt das Gegenteil bewiesen. Diesmal hat der Regierende von Berlin, Michael Müller, sich als heißester Anwärter auf den „Peinlichsten Berliner“ profiliert.

Ausgerechnet am 27. Januar, einem Tag, an dem es angebracht gewesen wäre, sich mit dem wachsenden Antisemitismus in der Hauptstadt auseinanderzusetzen und zu erklären, was man gegen No-Go-Areas für jüdische Mitbürger tun will, lässt Müller eine Presserklärung herausgeben, die sein Geschichtsbanausentum offenbart.

Müller, der sich ein Bündnis mit der umbenannten Mauerbau-Partei SED-PDS-Linkspartei-Linke ausdrücklich gewünscht hat und damit eine Blaupause für eine solche Koalition im Bund schaffen wollte, wendet sich in einem informellen „Offenen Brief“ an den Präsidenten Donald Trump.

„ Dear Mr. President, dont´t build this wall!“

Er fordert im Namen aller Berlinerinnen und Berliner, die von ihm ungefragt vereinnahmt werden, im Reaganschen Duktus: „ Dear Mr. President, dont´t build this wall!“

Berlin, „die Stadt der Teilung Europas, der Freiheit Europas“, könne „nicht kommentarlos zusehen, wenn ein Land plant, eine neue Mauer zu errichten.“ Um so weniger, als Amerika „unsere historische Erfahrung“ über den Haufen werfe.

Spätestens an dieser Stelle fällt einem der Spruch von Ernst Busch ein : „Wenn einer, der mit Mühe kaum, geklettert ist auf einen Baum, schon meint, das er ein Vogel wär, so irrt sich der“.

Wenn Müller den Reagan gibt, ist er noch lange kein Politiker von Format, nicht mit seiner profunden Unkenntnis der Geschichte.

Unsere Erfahrung war die Einsperrung einer ganzen Bevölkerung, die Verweigerung, das Land verlassen zu können, in dem man nicht mehr leben will. Der „Antifaschistische Schutzwall“ war nur in der SED-Propaganda eine Abwehr gegen äußere Feinde. In Wahrheit richtete sie sich nach innen. Im postfaktischen Zeitalter unserer Politiker spielen historische Fakten offensichtlich keine Rolle mehr. Die Ironie der Geschichte ist, dass am selben Tag Gregor Gysi, der letzte SED-Chef, im Deutschlandfunk erklärte, selbstverständlich sei die Mauer in der DDR schlimmer gewesen als der geplante Grenzzaun zu Mexiko. Müller sollte Gysi als historischen Berater anheuern.

Am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, sollte die Frage erlaubt sein, ob man sich auch nicht vor Antisemiten schützen darf, die seit der merkelschen Grenzöffnung massenhaft ins Land kommen? Am Al-Quds-Tag ziehen sie seit Jahren durch Berlin, schreien ihre antisemitischen Losungen und feiern das künftige Verschwinden Israels von der Landkarte. Wäre es da, gerade wegen unserer historischen Erfahrungen, nicht angebracht, diesen Anfängen zu wehren?

Quelle: Vera Lengsfeld

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