Pete Buttigieg - Kann er Trump besiegen?

von Valentin Weimer12.07.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Pete Buttigieg ist der Überraschungskandidat im Feld der demokratischen Trump-Herausforderer. Der bekennende Homosexuelle schien aussichtlos zu starten, sorgt nun aber für Furore.

Donald Trump hat 25 Herausforderer. Bereits anderthalb Jahre vor der Präsidentschaftswahl ist der Vorwahlkampf im vollem Gange. Die demokratischen Kandidaten sammeln fleißig Geld und Stimmen. In den Umfragen liegt der Altvordere Ex-Vize-Präsident Joe Biden zwar vorne, verliert aber zusehends an Rückhalt. Auch der linke Veteran Senator Bernie Sanders mobilisiert nicht wie erwartet. Dagegen erzielt die wortgewaltige Afroamerikanerin Kamela Harris Achtungserfolge.

Doch einer ist plötzlich der Überraschungskandidat. Die Umfragewerte eines gewissen Pete Buttigieg steigen rasant. Kein Vizepräsident, kein Senator, kein Gouverneur, kein Kongressabgeordneter und noch nicht einmal ein prominenter Quereinsteiger. Pete ist Bürgermeister einer mittelgroßen Stadt im Bundesstaat Indiana. South Bend heißt die 100.000 Einwohner große Provinzstadt.

Wie schafft es der Bürgermeister der 293. größten Stadt des Landes in wenigen Wochen zu einem der verheißungsvollsten Kandidaten für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu werden? Die Antwort ist einfach: Es ist der Mensch Pete Buttigieg, der die Öffentlichkeit fasziniert.

Lebenslauf eines Präsidenten

Buttigieg ist Sohn maltesischer Einwanderer, Professorenkind aus Indiana, Harvard Absolvent, Rhode Stipendium in Oxford, dann drei Jahre MckKinsey. Sieben Monate als Offizier für die Navy in Afghanistan und mit nur 29 Jahren der jüngste Bürgermeister einer 100.000 Einwohner Stadt in der USA.

Ein Bilderbuch-Lebenslauf. „Dieser Mann wurde im Labor für den Job des Präsidenten gezüchtet“, so Comedian Trevor Noah. Er spricht sieben Sprachen, darunter Norwegisch, die er nur lernte um die Novellen von Erlend Loe im Original lesen zu können.

Pete Buttigieg wäre mit 38 Jahren der jüngste US-Präsident aller Zeiten. Damit nicht genug: Major Pete, wie ihn alle wegen seines schwer auszusprechenden Nachnamens nennen, wäre der erste offen homosexuelle Präsident der USA. „Als ich jünger war, habe ich alles dafür getan um nicht schwul zu sein. Wenn schwul sein eine Entscheidung ist, dann wird sie viel weiter oben getroffen“, erklärte der bekennende Christ Buttigieg. Die gelassene Selbstverständlichkeit, mit der er seine Homosexualität lebt, imponiert.

Der Anti-Trump?

Manche nennen Major Pete bereits den weißen Obama, andere den amerikanischen Macron oder einfach nur den „Anti-Trump“. Doch nichts davon trifft es wirklich, denn das Besondere an ihm ist gerade, dass er in keine Schublade passt. Vor allem findet er einen ganz eigenen Wahlkampfton. Es ist diese besonne, nachdenkliche Art eines offensichtlich hellen Kopfes, die sich viele Demokraten als Kontrastprogramm zu Donald Trump wünschen. Und so ist der Provinz-Bürgermeister in den Umfragen hinter den Schwergewichten Biden, Sanders, Warren und Harris bereits auf Platz fünf vorgestürmt – vorbei an all den Senatoren und Gouverneuren. Beim Fundraising ist Buttigieg sogar die Nummer eins. 25 Millionen Dollar sind zwischen dem 1. April und 30. Juni in seine Wahlkampfkassen geflossen. Ganz schön beeindruckend für einen Mann, den noch vor sechs Monaten außerhalb von South Bend niemand kannte.

Buttigieg möchte das politische System reformieren, am besten die Wahlmänner im electoral college abschaffen. Er möchte Gesundheitsversorgung für alle, aber kein rein staatliches System. Er fordert bezahlbare Bildung für alle, aber keine kostenlose. Er will stärkere Waffenrestriktionen und eine sanftere Einwanderungspolitik. Seine Forderungen klingen eher moderat und im Feld der Demokraten nicht gerade außergewöhnlich.

Pete Buttigieg ist eben kein inhaltlicher Marktschreier wie Sanders oder die junge Generation der linken Demokraten. Er verbindet vielmehr Gegensätze und trifft damit vielleicht genau eine Sehnsucht des Landes. Er ist nicht so kosmopolit-elitär wie Hillary Clinton – kommt er doch aus einer Provinzstadt aus Indiana- und ist doch feinsinnig gebildet, dass ihm die Präsidenten Aufgabe zugetraut wird. Pete ist nicht so links wie Bernie Sanders und doch progressiv genug, um von den Demokraten gewählt zu werden. Er ist nicht so alt wie Joe Biden und wirkt doch erstaunlich gesetzt und erfahren.

Eine seiner Stärken: Buttigieg gehört nicht zum Establishment. Weder politisch noch geographisch. Er kommt weder aus New York, Los Angeles oder Boston, er kommt aus dem Rust Belt, also genau den Staaten, die den Präsidentschaftswahlkampf 2020 vermutlich entscheiden werden. Major Pete ist dazu noch gläubiger Christ und Kriegsveteran, zwei Dinge die Donald Trump nicht ist, die für Amerikas Mitte aber wahlentscheidend sein können.

 

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