Die Kunden hätten sich gegenüber ihren Banken einen kritischeren Umgang angewöhnen müssen. Georg von Boeselager

Grün macht reich

Der grüne Aufschwung ist eine Chance für Unternehmen jeder Größe. Durch Investitionen in nachhaltiges Wirtschaften und neue Technologien lassen sich Renditen vergrößern und Kosten senken. Wer das früh erkennt, wird am meisten profitieren.

Der Übergang in eine ressourcenleichte, klimafreundliche und nachhaltige Wirtschaftsweise ist eine notwendige Entwicklung, nicht nur aufgrund der international vereinbarten Klimaschutzverpflichtungen, der wachsenden Weltbevölkerung und des wachsenden Drucks auf die Umwelt (z. B. Biodiversität, Toxizität, Genveränderung …). Zunehmend werden Rohstoffknappheit und damit steigende Materialkosten zum Motor der Veränderung auch in Branchen, die bisher enorme Beharrungskräfte aufweisen.

In erster Linie betrifft das die fossilen Ressourcen und Energieträger. Ihr Ersatz verspricht volkswirtschaftliche Unabhängigkeit und Umweltentlastung. Deshalb wird die Nachfrage nach neuen Technologien, Verfahren und Produkten weltweit, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern, steigen. Empfindliche Störungen in vielen Branchen verursachen aber auch seltene Metalle und Erden. Eine Schweizer Studie, an der das Wuppertal Institut mitwirkte, wies jüngst darauf hin, wie abhängig gerade auch Zukunftstechnologien von seltenen Metallen sind: Mobiltelefone, Flachbildschirme, Digitalkameras, Autos und Windkraftwerke wären ohne diese Rohstoffe heute kaum herstellbar.

Die Ressourcenverknappung wird, auch im Vergleich zu früheren Innovationszyklen, eine völlig neue Qualität und Quantität von Basisinnovationen eines natursparenden technischen Fortschritts auslösen (“GreenTech”) und rasch wachsende neue Märkte schaffen.

Innovationen fördern

Es ist also weniger die Frage, ob “GreenTech” aus der Krise führt, sondern wer dies rechtzeitig erkennt und handelt. Und ob Strukturen vorhanden sind, die die notwendigen Innovationen fördern. In einer Umfrage in britischen Unternehmen gaben 75 Prozent an, sie hätten im letzten Jahr in die Erhöhung der Ressourceneffizienz investiert.

Der “grüne Aufbruch” ist eine erhebliche ökonomische Chance – sowohl für große Unternehmen als auch für die Kleinen und Mittelständler. Eine aktuelle Auswertung der Deutschen Materialeffizienzagentur (DEMEA) zeigt: Mit der Erschließung der Einsparpotenziale für Ressourceneffizienz könnten die Unternehmen ihre Umsatzrendite um ca. 2,4 Prozent steigern.

Das Wuppertal Institut hat anhand von Ausbauszenarien für solarthermische Kraftwerke wie im Projekt DESERTEC das Wertschöpfungspotenzial für deutsche mittelständische Unternehmen untersucht sowie die entstehenden Arbeitsplätze abgeschätzt und ist dabei zu positiven Ergebnissen gekommen. Je ressourceneffizienter produziert und je mehr Spitzentechnologie hierfür für die nationalen und Weltmärkte entwickelt wird, desto höher ist die Rohstoffsicherheit sowie die Wettbewerbsfähigkeit eines Wirtschaftsstandorts. Und damit auch der positive Beschäftigungseffekt.

Mehr als nur Subventionen

Wer in diesem Zusammenhang politisches Handeln allein mit Subventionen verbindet, denkt zu kurz. (Im Gegensatz zu wenigen “grünen” Technologien wird eine Vielzahl “brauner” – sprich: fossiler – Technologien subventioniert.) Wesentliche Aufgabe der Legislative ist es, den gesetzlichen Rahmen zu schaffen (wie beispielsweise die Öko-Design-Richtlinie), Anreize zu setzen, Infrastrukturen anzupassen, für die notwendige Qualifizierung zu sorgen, entsprechende Forschung zu fördern, Informationen bereitzustellen und gegebenenfalls die Akteure zusammenzuführen. Denn diese sind nicht nur in den kleinen und großen produzierenden Unternehmen zu finden. Zu ihnen gehört beispielsweise auch die Finanz- und Versicherungswirtschaft, deren Investitions- und Förderverhalten in hohem Maße dazu beitragen kann, zukunftssicher zu wirtschaften.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Florian Spichalsky, Oliver Götz, Ivan Disch.

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