Ein Laptop macht noch keine Bildung

von Uwe Afemann12.04.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

Bevor wir die Kinder der Dritten Welt mit Laptops und Internet beglücken, sollten wir uns fragen, ob nicht dringendere Hilfe benötigt wird. Oft genug fehlt es an grundlegenden Dingen, wie etwa gut ausgebildeten Lehrern oder Strom in den Klassenzimmern. Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht.

Seit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) als Entwicklungswerkzeug und –ziel entdeckt wurden, gibt es immer wieder Initiativen vonseiten der Industriestaaten, der Hard- und Softwarehersteller und der Telekommunikationsfirmen, Computer in die Dritte Welt zu bringen. Sind es doch vor allem die Eliten, mit denen man vielleicht ins Geschäft kommen kann. Aber auch die Armen dieser Welt sollen mit den Errungenschaften der Kommunikationstechnologien gesegnet werden, warum dann auch nicht im Bildungssektor. Ist der Einsatz von Computern und die Anbindung ans Internet in Universitäten unbestritten, so stellt sich doch die Frage, ob dies in Kindergärten und Schulen für Kinder aller Altersstufen überhaupt sinnvoll ist, nicht nur in Dritte-Welt-Ländern.

Die Ursache für die Misere ist nicht das Fehlen von Computern

Eine Initiative im Bildungsbereich der Entwicklungsländer, die besondere Aufmerksamkeit genießt, ist das Projekt “„One Laptop per Child“(Link)”:http://one.laptop.org/ (OLPC) von Nicholas Negroponte aus dem Jahr 2005, mit dem Ziel, Kinder in armen Ländern so auszubilden, dass sie in der globalen Informationsgesellschaft bestehen können. Keine Frage, die Schulsituation in den Entwicklungsländern ist besorgniserregend, aber die Ursache für die Misere ist nicht das Fehlen von Computern und IKT, sondern die schlechte Versorgung der Schulen mit Lehrern, die außerdem schlecht oder gar nicht ausgebildet sind und meist sehr schlecht bezahlt werden. Auch die Infrastruktur in vielen Schulen in Entwicklungsländern ist katastrophal, es mangelt oft am Nötigsten. Da stellt sich mir die Frage, ob nicht zuerst diese Infrastruktur verbessert werden muss, bevor man an die Anschaffung von Computern denken kann? Wenn man Computer in Schulen sinnvoll einsetzen will, braucht man auch ein pädagogisches Konzept und entsprechend ausgebildetes Lehrpersonal. Doch weder ist ein Konzept vorhanden noch werden Lehrer ausgebildet. Im besten Fall gibt es eine kurze technische Einführung. Es kam auch vor, dass die beschafften Laptops zum größten Teil unausgeliefert blieben. Laut einem Bericht der Zeitung „La República“ blieben 2009 in Peru von den 290.000 angeschafften Laptops 175.612 in Lagerräumen liegen. Ein weiteres Problem ist die mangelnde Elektrizitätsversorgung in vielen Entwicklungsländern. In Ruanda, einem der Projektteilnehmer von „OLPC“, sind z.B. nur 5 Prozent der Schulen elektrifiziert. Die Befürworter des Projektes „OLPC“ führen die sozialen und kulturellen Probleme einzig und allein auf das Fehlen von adäquater Technik zurück. Der Laptop wird zum neuen „Nürnberger Trichter“ für die schlechte Ausbildungssituation in den Entwicklungsländern. Die Kinder, als Autodidakten, sollen in der Lage sein, sich selbst ausbilden zu können. Ob Computer den Kindern wirklich helfen, bleibt dabei fraglich. Fast alle Studien zum Lernerfolg beim Computereinsatz in der Schule wurden nicht von ungefähr von der Computerindustrie und den Telefongesellschaften angestoßen und gesponsert. Initiativen wie “„Several Good Teachers per School“(Link)”:http://cyber.law.harvard.edu/ptc2007/One_Laptop_Per_Child_%28OLPC%29 setzten anstatt auf Computer auf eine bessere Ausbildung von Lehrkräften in Entwicklungsländern.

Regierungen zu beseitigen ist schwieriger als Laptops zu verteilen

Fehlende Bildung, hohe Analphabetenraten sind die Auswirkungen einer falschen Politik in vielen Ländern. Regierungen sind schuld, wenn die Menschen uninformiert und leseunkundig gehalten werden. Solche Regierungen zu beseitigen, ist schwieriger als Laptops zu verteilen. So verwundert es auch nicht, wenn sich besonders autoritäre und populistische Regime Negropontes Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen zeigen wie z.B. Libyen.

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