Von Feuerwehrmännern und Brandstiftern

von Uta Schwarz11.10.2009Gesellschaft & Kultur, Medien

Wallace Souzas Crime-Sendung auf dem Canal Livre zählte zu den beliebtesten Formaten, gerade auch weil Souzas Team immer als Erste am Tatort war. Teilweise so früh, dass die brasilianische Polizei sich irgendwann anfing zu wundern.

Es ist ein gar nicht so seltenes Phänomen, dass sich ausgewiesene Pyromanen für den Beruf des Feuerwehrmannes entscheiden. Das ist bis zu einem gewissen Grad ja auch nachvollziehbar: Fasziniert vom Knistern und Lodern der Flammen, bekämpfen die kleinen Feuerteufel ihre Lust am Zündeln, indem sie sie im wahrsten Sinne des Wortes ständig die Glut Löschen. Das geht oft gut. Manchmal aber auch nicht. Dann nämlich, wenn es nicht genug Brände gibt. Dann kann es passieren, dass ein solch getriebener Feuerwehrmann mit dem Benzinkanister in den trockenen Wald schleicht und selbst für die nächste Katastrophe sorgt. So ähnlich muss es auch Wallace Souza gegangen sein; wenn man so will, ein brasilianischer Eduard Zimmermann. Seine Sendung war lediglich ein bisschen moderner. Souza musste keine Zuschauer um Hilfe bitten, wenn er in seiner Crime-Show Verbrechen aufdeckte und Drogenbarone vom Amazonas, brasilianische Mörder und Strassenmädchen das Fürchten lehrte. Die fand er schon ganz alleine. Jeder neue Fall ließ Souza mit eindringlicher Stimme von den kriminellen Machenschaften im Bundesstaat Amazonas sprechen. Einer Angelegenheit, der er sich als Mitglied im Abgeordnetenhaus von Amazonas gerne annehmen wolle. Seine Crime-Sendung auf dem Canal Livre zählte zu den beliebtesten Formaten, gerade auch weil Souzas Team immer als Erste am Tatort war. Teilweise so früh, dass die brasilianische Polizei sich irgendwann anfing zu wundern.

Auftragsmorde fürs Fernsehen

Zu Recht, wie sich diesen Sommer herausstellte. Der Ede Zimmermann vom Amazonas hatte nämlich einige seiner spektakulärsten Fälle selbst geschaffen. Nein. Nicht inszeniert. Mindestens fünf Morde soll Souza in Auftrag gegeben haben. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei jede Menge Waffen und Schwarzgeld. Auch in Drogengeschäfte des organisierten Verbrechens soll Souza verwickelt sein. Souza, so stellt sich langsam heraus, ist das Moderatorenäquivalent zu dem Feuerwehrmann, der gern zündelt, um dann mit grossem Getöse im Löschzug vorzufahren. Zunächst wurde ihm unterstellt, er habe mit den Auftragsmorden die Quote seiner Sendung hochtreiben wollen, doch das wäre zu kurz gegriffen. Souza selbst hat in einem langen Interview, in dem er natürlich seine Unschuld beteuerte, den Grund vorgegeben: Hat er nicht dafür gesorgt, dass es bessere Gesetze im Bundesstaat Amazonas gäbe, mit denen man die Kriminalität effektiver eindämmen könne, fragte er darin. So kann man es natürlich auch sehen: Von zehn Bränden, die er – metaphorisch gesprochen – gelöscht hat, waren bestimmt sieben echt. Vergangene Woche nun hat das Abgeordnetenhaus seine Immunität aufgehoben und damit den Weg frei gemacht für seine Verhaftung. Seitdem ist Souza verschwunden. Seine Schwester sprach im Radio davon, ihrem Bruder doch bitte Gnade zu gewähren, sie habe Angst, dass er sich etwas antue, außerdem habe er so hohen Blutdruck und auch ein bisschen was am Herzen. Die brasilianischen Medien vermuten jedoch, dass der ehemalige Abgeordnete und Moderator im Dschungel untergetaucht ist, sich gar einer kleinen Bande angeschlossen habe, um sich ganz seiner eigentlichen Leidenschaft hinzugeben: Verbrechen zu begehen, um sie dann selber aufzudecken. Vielleicht ist Wallace Souza gerade ein sehr glücklicher Mann.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Dann mach doch die B...

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Diktatur des Feminis...

Die Frage nach einer Frauenquote ist eine Phantom-Debatte. Junge Frauen wollen ihre Karriere planen und nicht mit den alten Feministinnen mühsam über etwas diskutieren, das für sie keine Relevanz hat.

Rette sich, wer kann...

Peter Singer glaubt, im Namen der Ethik die Grenzen des Menschseins neu definieren zu können. Er irrt gewaltig. Wer Grundrechte für Affen fordert und gleichzeitig die Tötung von Neugeborenen verteidigt, ist vor allem eins: verwirrt.

Männer, die auf Bus...

Wer Sexismus noch nie erlebt hat, kann ihn auch nicht verstehen. Weiße Hetero-Kerle haben leicht reden.

Der Jude war’s...

In Berlin wird ein Rabbiner brutal verprügelt, weil er Jude ist. Indes werfen Experten schon die Frage nach dem Warum? auf, die zielsicher zum Juden anstatt zum Antisemiten führt.

Amerika und die deut...

Deutschland kämpft gerne für Toleranz und gegen Hass. Es sei denn, es geht um Amerika. Da macht jeder zweite Deutsche eine Ausnahme und suhlt sich in Amiphobie.

Mobile Sliding Menu