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von Uta Schwarz19.10.2009Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft

Afrika ist der weltweit am schnellsten wachsende Markt für die Mobilfunkindustrie. Schon heute haben hier mehr Menschen einen Handyvertrag als in Nordamerika. Brunnen graben war gestern. Was der Kontinent jetzt braucht, sind Funkmasten.

Experten sprechen von nicht weniger als einer Revolution. “Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Hälfte des Wirtschaftswachstums in Kenia in den vergangenen Jahren auf den Mobilfunk zurückzuführen ist”, sagt beispielsweise Michael Joseph, der Geschäftsführer von Safaricom, dem größten Mobilfunkanbieter in Kenia. “Die Menschen in Afrika wollen arbeiten, sie müssen arbeiten. Handys sind einfach perfekt für diesen Zweck, denn sie ermöglichen es den Menschen, eigene Jobs zu entwickeln.” 13.000 sogenannte Dorftelefonbetreiber gibt es inzwischen in Uganda. Das Konzept wurde erst 2003 eingeführt und ist denkbar einfach: Ein Handy, eine Autobatterie zum Aufladen, eine Antenne, die Signale von Basisstationen in bis zu 25 Kilometer Entfernung aufnehmen kann, und ein Betreiber – und plötzlich haben viele Menschen in entlegenen Gegenden Zugang zu Informationen. Und Information bedeutet Zeitersparnis und Zeit ist bekanntlich Geld; der abgegriffene Spruch gilt in diesem Zusammenhang tatsächlich etwas. Um das zu verstehen, muss man sich vor Augen führen, wie abgeschnitten manche afrikanischen Dörfer von der Außenwelt sind. Festnetzanschlüsse sind in Afrika selten, vor allem fern der großen Städte. In den Dörfern gibt es kaum Strom, also auch kein Radio, Fernseher oder Computer, mal abgesehen davon, dass es neben dem Strom auch an der Breitband-Verkabelung für einen Internetzugang fehlen würde. Um also zu wissen, wie hoch etwa der Preis für das angebaute Getreide auf dem Markt im nächstgrößeren Dorf ist, muss man sich auf den Weg machen, nur um dann eventuell festzustellen, dass die Käufer längst schon weitergezogen sind oder der Preis in einem anderen Dorf günstiger gewesen wäre. Solche Informationen können nun via Mobilfunk abgefragt werden. Dafür kassiert der Dorftelefonbetreiber eine kleine Kommission. Doch es wächst auch die Zahl derer, die selbst ein Handy besitzen. 2001 hatten von den 134 Millionen Menschen, die in Nigeria leben, gerade einmal 500.000 ein Handy. Sechs Jahre später waren es 30 Millionen. 2008 hat Afrika mit über 280 Millionen Vertragskunden Nordamerika mit seinen 277 Millionen Nutzern überholt. Mit einer Wachstumsrate von etwa 40 Prozent jährlich ist der afrikanische Kontinent noch vor Asien und dem Nahen Osten der am schnellsten wachsende Markt für die Mobilfunkindustrie auf der Welt.

Handy wird zu mobilem Bankautomaten

Keiner hätte das vor etwa zehn Jahren vorhergesehen. Aber in einem Kontinent, in dem es an vielem fehlt, entwickeln die Menschen ihre eigenen Innovationen. Afrikaner, die noch nie eine Bank von innen gesehen haben, nutzen das Handy wie selbstverständlich als mobilen Bankautomaten. Das ugandische Wort Sente bedeutet inzwischen nicht mehr nur Geld, sondern auch Gesprächsminuten. Ein Afrikaner, der seiner Familie, die entfernt in einem Dorf lebt, Geld zukommen lassen will, verschickt via SMS ein zuvor erworbenes Gesprächsguthaben an den Dorftelefonbetreiber. Dieser zahlt das monetäre Äquivalent minus einer kleinen Kommission an die Familie aus und verkauft das Guthaben an andere Kunden weiter. Das ist inzwischen in ganz Afrika Usus. Anstelle von Kreditkarten, wie sie in Amerika und Europa genutzt werden, ersetzt das Handy das reale Geld. M-Banking, wie das inzwischen genannt wird, ist ein Wachstumsmarkt. Safaricom verschiebt mit dieser Methode, trotz der oftmals kleinen Einzelbeträge, täglich insgesamt 8,5 Millionen Dollar. Die wachsende Zahl der Mobiltelefonnutzer zieht natürlich auch andere Geschäftszweige nach sich. Der Straßenverkauf von Handys, Ladegeräten und SIM-Karten wächst. Start-ups, die Klingeltöne oder spezifischere Dienste, wie Getreidepreise oder anonyme medizinische SMS zu Themen wie Malaria oder HIV/AIDS anbieten, breiten sich auf dem ganzen Kontinent aus. “Es ist ein wertvoller Markt für uns, allein durch die Zahl der Nutzer”, sagt Chika Nwobi, Geschäftsführer von M-Tech Communications, einer solchen Firma aus Nigeria, die inzwischen sowohl in West- als auch in Ostafrika operiert.

Free Roaming – in Afrika Realität

Überhaupt hat der Mobilfunk Afrika als Ganzes enger zusammenrücken lassen. Wovon in Europa die Menschen träumen, nämlich Free Roaming über Ländergrenzen hinweg, ist in Afrika längst Realität. 2006 hat Celtel International (inzwischen Zain), der führende afrikanische Mobilfunkanbieter, das weltweit erste grenzenlose Mobilfunknetzwerk eingerichtet und seine Kunden in Uganda, Tansania und Kenia miteinander verbunden. Zwei Jahre später wurde das Netzwerk auf insgesamt zwölf afrikanische Länder ausgeweitet, inzwischen hat Zain, das mehrheitlich einer kuwaitischen Familie gehört, das Netzwerk im Nahen Osten mit dem afrikanischen verbunden, sodass nun auch kontinentübergreifend in 18 Ländern zu lokalen Preisen miteinander kommuniziert werden kann. Das ist ein Areal, das zweimal so groß ist wie die Europäische Union. Das ist nicht nur für Afrika, in dem Menschen oftmals gezwungenermaßen ihre angestammten Dörfer verlassen, sei es aus Flucht vor Krieg oder Hunger, ein unglaublicher Fortschritt. Die Zukunft, so glauben Experten, ist rosig. Denn der Mobilfunkmarkt in Afrika ist gerade erst am Anfang. Zwar steigt die Zahl der Nutzer, aber die Verbreitung von Mobilfunk liegt immer noch bei gerade mal 30 Prozent. Zum Vergleich: In Europa beträgt sie inzwischen über 100 Prozent. Der Internationale Telekommunikationsverband hat errechnet, dass ein zehnprozentiger Anstieg der Verbreitungsrate in einem typischen afrikanischen Land zu einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent führt. Afrika, so scheint es, hat mit dem Mobilfunk endlich das Instrumentarium an der Hand, mit dem es sich selbst helfen kann.

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