Krimineller Klimawandel

von Uta Schwarz20.12.2009Gesellschaft & Kultur

Eigenartige Angewohnheiten, den Müll zu entsorgen, stören den Frieden einer Hausgemeinschaft.

Die Professoren im Jurastudium arbeiten in ihren Klausuren gern mit aktuellen Fällen, die sie je nach Semestergrad vereinfachen. Sie bedienen sich dazu vor allem allerlei Kürzel, sodass ich während meines gesamten Studiums fast nur mit Täter A, B oder C zu tun hatte. Ich möchte dies heute nun selbst einmal versuchen und präsentiere folgenden Fall zur Lösung und Begutachtung:

Die Hausgemeinschaft

A wohnt in einer Hausgemeinschaft mit B und dem erst vor Kurzem eingezogenen C. D verbringt die meiste Zeit im Garten und hat sich dort einigermaßen häuslich eingerichtet. A hat eine große Familie zu versorgen und belegt daher die drei obersten Stockwerke im Haus. B bewohnt die beiden Stockwerke darunter, ebenfalls mit einer großen Familie. C lebte bis vor Kurzem mit seiner vielköpfigen Familie in einem Anbau aus Holzbrettern. Durch harte Arbeit hat C es jedoch geschafft, die an das Haus grenzende Wand seines Anbaus zu durchbrechen und belegt jetzt zunehmend das Erdgeschoss. Lange Jahre lebten A, B, C und D weitgehend ungestört voneinander zusammen. Man traf sich vielleicht mal im Hausflur, grüßte sich und hielt ein kurzes Schwätzchen, doch meistens kümmerte sich jeder um das Wohlergehen der eigenen Familie. Seit Kurzem jedoch gibt es Streit unter den Hausbewohnern. Auslöser der Diskussionen war der Gestank, der sich bei bestimmter Wetterlage im Haus breitmachte. B bemerkte ihn als Erster und stellte Untersuchungen an, um herauszufinden, woher das Gemüffel kam. Erst der Hinweis von D, dass es möglicherweise an der Art der Müllentsorgung liegen könnte, brachte B auf die Lösung. Jahrelang hatten A und B und in letzter Zeit zunehmend auch C ihren Müll aus den jeweiligen Fenstern in den Garten gekippt. Diese Müllhaufen waren über die Jahre stetig gewachsen und nahmen immer mehr Platz im vormals sehr hübschen Garten ein. B wies seine Mitbewohner A und C auf das Problem hin. Daraufhin baute A seine Dachterrasse aus und versah diese mit einem Glasvorbau. Der Gestank konnte ihn nicht mehr erreichen, das Problem schien gelöst. B experimentierte eine Zeit lang mit Duftbäumen und C machte einfach nie mehr die Fenster auf. Lediglich D blieb wortwörtlich auf dem Problem sitzen. So ging es eine ganze Weile, bis B feststellte, dass die verrottenden Müllhaufen anfingen, an einigen Stellen des Hauses das Mauerwerk aufzusprengen. Risse zogen sich durch die Wände. Noch hatten sie nur geringfügigen Schaden angerichtet, doch sollten sie tragende Wände erreichen, war das Haus bald einsturzgefährdet. A, B, C und D trafen sich zu einer Eigentümerversammlung. B schlug vor, dass alle weniger Müll produzierten. A sah ein, dass etwas getan werden müsste, wollte aber nichts Genaues sagen, wenn nicht auch C versprach, weniger Müll zu entsorgen. C sagte, er sei gerade erst ins Haus gezogen, hätte jahrelang überhaupt keinen Müll in den Garten geworfen und lasse sich jetzt weder von A noch von B irgendwelche Vorschriften machen. D stellte hilflos fest, dass er, der nicht mal im Haus wohnte, durch die Müllentsorgung seines Lebensraumes beraubt würde.

Aufgabenstellung

Bewerten Sie die Erfolgsaussichten einer Klage des D gegen A, B und C. Eine außergerichtliche monetäre Einigung schließen Sie bitte aus Ihren Überlegungen aus. Zusatzaufgabe: Bewerten Sie auch die Chancen einer zukünftigen Klage der heute noch minderjährigen Familienmitglieder, die einmal das Haus erben werden, gegen ihre jeweiligen Familienoberhäupter A, B und C. Lösungsvorschläge werden in Form von Leserbriefen gern entgegengenommen, ansonsten können Sie diese auch direkt an die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen richten. Vielen Dank!

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