Wie ich neulich beinahe einen Polizisten schlug

von Uta Schwarz29.11.2009Gesellschaft & Kultur

Wenn die Polizei mal vor der Wohnungstür steht.

Vergangene Woche klingelte es am Nachmittag an meiner Wohnungstür. Da ich keinen Besuch erwartete, fragte ich durch die Gegensprechanlage, wer da sei. “Polizei!”, hieß es: “Bitte machen Sie die Tür auf. Wir müssen in den Hausflur.” Aha, dachte ich und dann, wenn die Polizei klingelt, macht man besser auf. Ich drückte auf den Summer. Wenig später klingelte es an meiner Wohnungstür. Das machte mich nun doch stutzig. Als ich durch den Türspion spähte, sah ich einen Mann im halbdunklen Flur stehen, eine Wollmütze auf dem Kopf. Es entstand folgender, etwas einseitiger Dialog: Ich: “Hallo?” Der Mann im Flur: schweigt. Ich: “Hallooho?” Der Mann im Flur: schweigt. Ich: “Was wollen Sie denn? “Der Mann im Flur: schweigt. Dann beugt er sich plötzlich nach vorne und sagt: “Machen Sie sich keine Sorgen. Wir sind nur hier, um den gegenüberliegenden Park zu beobachten.” Das war gut, dass er das sagte, denn inzwischen fing ich tatsächlich an, mir Sorgen zu machen.

Abstand halten!

Das war nicht meine erste Begegnung mit einem Polizisten dieses Jahr. Im Juni wurde ich eingekesselt. Also natürlich nicht ich allein. Ich bin einfach zu einem ungünstigen Moment aus dem Haus eines Bekannten gekommen und fand mich zwischen allerlei schwarz gekleideten Personen wieder, die gegen den Staat protestierten. Entschuldigungen murmelnd drängelte ich mich zur anderen Straßenseite, bis ich plötzlich vor einer Phalanx aus Polizisten stand. Plastikschild an Plastikschild versperrten sie mir den Weg nach Hause. Polizisten im Einsatz haben einen durchaus martialischen Blick. Wahrscheinlich lernen sie das bei Schulungen. Die Polizisten, denen ich gegenüberstand jedenfalls, blickten gekonnt durch mich hindurch. Um mich bemerkbar zu machen und in Ermangelung einer Tür, klopfte ich bei einem auf das Plastikschild. Das war keine so gute Idee, wie sich herausstellte. “Abstand halten!”, brüllte er mich an. Um die Situation irgendwie zu retten, sagte ich: “Ich bin nicht gegen den Staat. Ich will nur nach Hause.”, doch der Polizist hatte schon wieder diesen Durch-mich-durch-Blick. Den Rest des Abends verbrachte ich daraufhin bei dem Bekannten, zu dessen Wohnung ich mich zurückdrängeln konnte.

Wir sind die Guten!

Als vergangene Woche der Mann mit der Wollmütze mir sagte, ich solle mir keine Sorgen machen, und dann noch nachschob, er rede nicht so gern mit Türen, setzte sich bei mir ein Rad aus finstersten Überlegungen in Bewegung. Niemals war das ein Polizist, redete ich mir ein. Das war ein Einbrecher, der sich in übelster Weise in das Haus geschlichen hatte und nun nur noch abzuwarten brauchte, bis ich die Wohnung verließ. Ein Leichtes, mir dann eines über den Kopf zu geben und die Wohnung auszurauben. Dummerweise hatte ich zehn Minuten später einen Termin und musste tatsächlich die Wohnung verlassen. Der Mann mit der Wollmütze war nach unserem Türgespräch gegangen, doch wohin? Lauerte er etwa auf dem nächsten Treppenabsatz auf mich? Ich beschloss, mich zu wappnen. Eine am Vorabend mit Freunden geleerte Weinflasche in der Hand riss ich meine Wohnungstür mit einem Ruck auf. Stille und Dunkelheit umgab mich. Ich warf als Ablenkung meine Handtasche in den Flur, sprang zum Lichtschalter und spähte derweil um mich. Niemand. Erleichtert und mich ein bisschen selber scheltend, wie albern ich sei, sprang ich die Treppen hinunter. Als ich im ersten Stock um die Ecke bog, stieß ich fast mit dem Mann mit der Wollmütze zusammen. Unschlüssig hob ich meine Weinflasche, als eine weibliche Stimme rief: “Wir sind die Guten! Keine Angst!” Eine Frau stand hinter dem Mann und zeigte mir ihre Dienstmarke. Es stellte sich heraus, dass die beiden Beamten in Zivil tatsächlich eine wie auch immer geartete Observierung durchführten und mir lediglich Bescheid geben wollten, da sie ja bei mir geklingelt hatten. Abstand halten wäre mir in dem Fall aber lieber gewesen.

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