Unterwegs mit X und Cäsar

von Uta Schwarz22.11.2009Gesellschaft & Kultur

Wenn man mal kein Geld für ein Taxi hat …

Die kriminelle Welt ist eine gefährliche, soviel steht fest. Und die Gefahr droht nicht immer dem Opfer, auch Täter selbst sind ihr ausgesetzt. Das liegt daran, dass die kriminelle Welt auch eine Welt voller Missverständnisse, voller Querschläger und Fehler ist. Denn Verbrechen werden von Menschen begangen, und Menschen neigen nun mal dazu, Irrtümern zu erliegen. Manchmal, weil sie über mehr kriminelle Energie als Intelligenz verfügen, manchmal aber auch, weil die Umstände einfach andere sind, als der Mensch es überhaupt erahnen kann. Nehmen wir zum Beispiel an, jemand – nennen wir ihn der Einfachheit halber X – möchte von einem Ort zum anderen fahren. X hat aber kein Auto. Erschwerend kommt hinzu, dass sich X in Wuppertal befindet, es ist die Nacht des 11. November, S-Bahn und Busse haben ihren Verkehr eingestellt. X hat, das nehmen wir zu seinen Gunsten jetzt einfach mal an, leider auch kein Geld für ein Taxi. Deshalb verfällt er auf die naheliegende Lösung: Er klaut ein Auto. Aber nicht irgendeinen PKW, nein, ein blauer Siebentonner muss es sein, der steht gerade so günstig auf einem dunklen Parkplatz herum.

Unterwegs mit Cäsar

Und damit sind wir bei den Umständen, die manchmal einfach gegen den Täter arbeiten. Neben dem Parkplatz, auf dem der Laster stand, gastiert seit ein paar Tagen der Zirkus Probst. Eine der Attraktionen des Wanderzirkusses ist Cäsar. Cäsar ist ein fünf Jahre altes Löwenmännchen, der ganze Stolz der Artisten. Nachts schläft Cäsar in seinem Käfig. Der Käfig befindet sich im hinteren Teil eines blauen Lasters. Der blaue Laster wiederum wird aus Platzgründen immer auf dem nahen Parkplatz abgestellt. Eine Beschriftung, dass der LKW zum Zirkus gehört, gibt es nicht. Es ist eben jener blaue Laster, in dem X gerade durch Wuppertal fährt. X und Cäsar cruisen also durch Wuppertal. Keiner weiß vom anderen und doch sind sie gemeinsam unterwegs. An der Westkotter Straße verliert X dann jedoch die Kontrolle über das Fahrzeug. Er kracht gegen ein Verkehrsschild. Einen Unfall mit einem gestohlenen Fahrzeug zu verursachen ist immer blöd. Noch blöder ist es allerdings, wenn sich in dem gestohlenen Fahrzeug ein Raubtier befindet. Aber das Glück ist oftmals mit den Unwissenden: X steigt unverletzt aus dem Fahrerhäuschen und verlässt, so sagen es Zeugen, zu Fuß den Tatort. Cäsar, der alte Stoiker, verhält sich ruhig. So ruhig, dass auch der schnell herbeigerufene Abschleppdienst nichts von ihm hört, als es den blauen Laster abschleppt. Erst die Anzeige des Zirkus, dass ihm ein Löwe abhandengekommen sei, kann den Fall aufklären. Zwei Tage später steht Cäsar schon wieder in der Manege. Von X allerdings fehlt bis heute jede Spur.

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