Flick's back

von Uta Schwarz6.12.2009Gesellschaft & Kultur

Der Fall um den verschwundenen Leichnam des Milliardärs Friedrich Karl Flick hat erstaunliche Theorien über den Tathergang inspiriert. Jetzt, da der Sarg gefunden wurde, wird klar: Die erstaunlichsten Geschichten schreibt immer noch das wirkliche Leben.

Vor etwas über einem Jahr habe ich zwei volle Tage auf einem Friedhof in Velden am Wörthersee verbracht. Außer mir waren noch zwei übel gelaunte Securitymenschen und eine Handvoll österreichischer Journalisten da. Und die Toten natürlich. Uns ging es jedoch um einen Leichnam, der sich eben nicht mehr auf dem Friedhof befand. Der Milliardär Friedrich Karl Flick war am 6. Oktober 2006 gestorben und wenig später zu Grabe getragen worden. Doch zwei Jahre danach war sein Mausoleum leer. Der Zinksarg mit Flicks Überresten war im November 2008 gestohlen worden. Ein bizarres Verbrechen, das zu wilden Spekulationen führte. Die jedoch nun, da Flicks Sarg samt Leiche wieder aufgetaucht ist, nicht halb so wild erscheinen wie die wirklichen Hintergründe des Leichenraubs.

Blasphemischer Scherz

“Das hängt alles mit dem Haider zusammen”, sagte mir damals ein Kärntner Fotograf, der schon das x-te Bild vom leeren Mausoleum schoss. Mit dem Haider war natürlich der nur sechs Wochen zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommene Rechtspopulist und Lebensmensch Jörg Haider gemeint. Da hätte es zu Lebzeiten doch Verbindungen gegeben. Und außerdem: “Das Grab von Jörg Haider wird jetzt auch bewacht. Das macht die Gendarmerie ja nicht einfach nur so.” Er guckte triumphierend. “Nein, nein. Mit dem Haider hat das nichts zu tun”, mischte sich ein Journalist, der für das österreichische Fernsehen arbeitete, ein. “Es geht um die DNS.” Seit Jahren gäbe es da diesen Deutschen, der behaupte, ein Sohn von Friedrich Karl Flick zu sein. Zu Lebzeiten hätte er das nicht nachweisen können, aber mit der DNS der Leiche, ja, da könne er vielleicht seinen Anteil an dem 6-Milliarden-Euro-Erbe anmelden. Im Dorf selber wurde gemunkelt, dass das alles ein Lausbubenstreich sei. Ein blasphemischer Jux, ähnlich dem, bei dem vor Jahren die Bronzebüste Roy Blacks von dem Friedhofsgelände entwendet wurde. Die übrigens seitdem verschwunden ist und – so geht das Gerücht – bei einem Liebhaber des deutschen Schlagers im Wohnzimmer steht. Ich hatte keine Theorie. Es erschien mir allerdings reichlich unwahrscheinlich, dass jemand ein Interesse daran haben könnte, sich Flicks Zinksarg ins Wohnzimmer zu stellen.

Sechs Millionen für einen Toten

Und dem war offensichtlich auch nicht so. Seit etwa einer Woche ist Flick wieder da. Feierlich wurde er am vergangenen Donnerstag noch mal bestattet. Ein ganzes Jahr lang waren seine Überreste in Ungarn versteckt. Ein Anwalt und Kirchenmann aus Budapest gilt als Drahtzieher der Entführung, sechs Millionen Euro sollen er und seine fünf Mittäter dafür gefordert haben, dass Flicks Leiche wieder ewige Ruhe finden kann. Eine Lösegeldforderung hatte die Witwe Flick stets bestritten. Seit August waren die Ermittlungen im Fall Flick offiziell eingestellt worden. Doch die Familie engagierte eine private Detektei, die auf den Anwalt stieß, indem sie die Lösegeld-E-Mails zurückverfolgte. Die Übergabe des Sarges fand schon Ende November statt, wahrscheinlich nachdem die Flicks einen Teil des Lösegelds zahlten. Eigentlich könnten jetzt alle wieder glücklich sein, doch die ungarische Polizei ist aufgebracht. Und zwar gegen die Familie Flick. Diese hätten den Beweis einer Straftat illegal außer Landes geschafft, ohne die ungarischen Behörden davon in Kenntnis zu setzen. Das könnte, so drohen sie nun, ein juristisches Nachspiel haben. Richtig Ruhe ist also nicht eingekehrt. Vor einem Jahr, als ich frierend vor dem leeren Mausoleum stand, hatte ich kurz den lästerlichen Gedanken, dass Ingrid Flick, die Witwe, die Entführung der Leiche ja auch ignorieren könnte. Tot ist schließlich tot. Und einen Ruf hat sie in Velden am Wörthersee auch nicht unbedingt zu verlieren. Sie hat sich offensichtlich anders entschieden. Es aber auf ihre eigene Art gemacht: Flick-Style sozusagen.

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