Bloody Christmas

von Uta Schwarz27.12.2009Gesellschaft & Kultur

Es war vor genau 80 Jahren, am 25. Dezember 1929, Schnee war gefallen, als in einem kleinen Ort in North Carolina ein schreckliches Verbrechen geschah…

Weihnachtszeit-Familienzeit. Das klingt oftmals schöner, als das eigentliche Fest unter Anverwandten dann ist. Der Zwang, alle Familienmitglieder unter ein Dach zu bekommen, dem Geist der Weihnacht verpflichtet, jegliche Konflikte auszublenden und selig Geschenke auszutauschen, gleicht oftmals mehr dem Versuch, den Deckel auf einem brodelnden Kochtopf festzuhalten.

Manchmal helfen Gesellschaftsspiele dabei die Familie in Schach zu halten, manchmal fördern eben diese, auf Gewinnen und Verlieren angelegten Spiele, die Streitigkeiten aber auch erst heraus. Mein Vorschlag deswegen: Versammeln Sie Ihre lieben Verwandten um sich, machen Sie es sich bei Kerzenschein bequem und erzählen Sie eine Gruselgeschichte. Angst und instinktive Abwehr sind oftmals besserer Kleister als gespielte Freundlichkeit. Sie werden sehen: Noch nie hatten Sie ein innigeres Fest als dieses.

Die Ballade des Lawson Familienmassakers

Es war vor genau 80 Jahren, am 25. Dezember 1929, Schnee war gefallen, als in einem kleinen Ort in North Carolina ein schreckliches Verbrechen geschah. Charles Lawson war ein Tabakbauer, er hatte eine ihn liebende Frau, die ihm sieben Kinder geboren hatte. Das Älteste war ein Mädchen und gerade 17 geworden, das Jüngste hieß Mary Lou und war noch ein Säugling. Keiner kann sagen, was in Charles Lawsons Kopf vorging, als er am Weihnachtsabend plötzlich das Gewehr nahm und seine beiden Töchter, die 12-Jährige Carrie und die 7- Jährige Maybell, erschoss. Die beiden waren auf dem Weg zu Tante und Onkel gewesen.

Als die Schüsse durch die weihnachtliche Stille krachten, erschien Fannie, Charles Lawsons Frau, an der Haustür, um zu sehen, was passiert war. Charles Lawson drehte sich zu ihr um und erschoss auch seine schreiende und entsetzte Frau. Danach setzte er seinen mörderischen Lauf fort. Im Haus erschoss er seine älteste Tochter und danach seine beiden Söhne.

Als letztes erschoss er Mary Lou. Einzig sein 16-Jähriger Sohn Arthur kam mit dem Leben davon. Ihn hatte Charles kurz vor seinem Amoklauf auf einen Botengang geschickt. Die Schüsse und Schreie alarmierten die Nachbarschaft, die auf den Hof gerannt kamen und die tote Familie entdeckten. Die Leichen hatten Kissen unter ihren Köpfen und ihre Arme über dem Körper verschränkt, so als hätte jemand sie nach ihrem Tod doch noch friedlich zur Ruhe betten wollen. Von Charles Lawson fehlte jede Spur. Stunden später hallte erneut ein Schuss durch die Stille.

Charles Lawson wurde in einem kleinen Waldstückchen gefunden. Er hatte sich selbst erschossen, seine beiden Hunde waren bei ihm. Fußspuren ließen darauf schließen, dass Lawson Stunden im Kreis gelaufen sein musste. Es gab ein paar Spekulationen darüber, ob Lawson, ein eifriger Kirchgänger und im Dorf beliebter Mann, wirklich der Täter sein konnte, doch nichts wies auf eine andere Möglichkeit hin. Sein Haus ist heute noch ein Museum, das Familiengrab ein beliebtes Ausflugsziel.

Die Tat selber hat mehrere Musiker zu einem Lied inspiriert, das bekannteste ist von den Stanley Brothers, einer Hilbilly-Band aus den 50er Jahren. Leider gibt es ihre Version nicht im Internet zu hören, aber hier kann man Doc Watson The Ballad of the Lawson Family Murder singen hören:

http://hypem.com/track/921729/Doc+Watson+-+The+Lawson+Family+Murder

Und jetzt, wo man sich gemeinsam so schön gegruselt hat, kann man doch wieder ein bisschen näher zusammenrücken und weiß, was man an seiner eigenen Familie hat. In diesem Sinne wünsche ich allen ein schönes und vor allem friedliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in die nächste Dekade!

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