Kennen Sie die schon?

von Uta Schwarz19.10.2009Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft

Pommes aus Maniokwurzeln, Krokodilfilet an Brokkoliröschen und dazu ein Schlückchen Likör aus den Früchten des Elefantenbaums: Kein Witz, die afrikanische Küche ist der heißeste Trend seit Sushi.

Früher, also in den 80er- und 90er-Jahren, gab es eine Zeit lang ganz schreckliche Äthiopierwitze, deren Tenor immer der gleiche war: Ein Äthiopier sei so dünn, hieß es beispielsweise, dass er lediglich eine Wäscheleine am Strand aufspannen müsse, damit seine Familie im Schatten liegen kann. Das war natürlich politisch unkorrekt und nicht einmal besonders lustig, und doch passte es zu den Bildern, die man aus dem Fernsehen kannte. Afrika wurde da reduziert auf Kinder mit Hungerbäuchen, die zu kraftlos waren, um die Fliegen aus ihren Gesichtern zu vertreiben. In die gleiche Zeit fällt deshalb auch die stereotype Antwort auf die Frage, ob man nicht mal ein afrikanisches Restaurant ausprobieren sollte. Die Antwort, meistens begleitet von wieherndem Gelächter, lautete: “Hungern kann ich auch zu Hause.” Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Nicht nur, dass inzwischen auch andere Bilder vom afrikanischen Kontinent gezeigt werden, auch die afrikanische Küche erfreut sich wachsender Beliebtheit. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre haben es einige Neueröffnungen geschafft, das Klischee vom reinen Ethnorestaurant zu durchbrechen: Das The Root in Köln serviert westafrikanische Küche im hippen Designmix aus dunklem Tropenholz und weißen Ledersofas, das Savanna in Frankfurt ist vor allem bei Businessmenschen beliebt, die gern mal mit den Händen essen, und wer jemals in Südafrika war, wird das Afro Café in Salzburg lieben, das mit seinem bunten, zusammengewürfelten Stil sehr gekonnt das moderne, urbane und dynamische Afrika nach Österreich transferiert. “Wir wollten gerade nicht das typische koloniale Afrika repräsentieren, sondern das unverkrampfte, lockere und kreative Afrika zeigen”, sagt Catherine Bürger vom Afro Café.

Krokodilfilet mit Brokkoliröschen

All diesen Restaurants ist gemeinsam, dass sie afrikanische Küche ins Europäische übersetzen: So wie auch die Afrikaner selbst sich durch ihre lange koloniale Geschichte unverkrampft an allem, was schmeckte, bedienten und deshalb ein Curry aus fangfrischem Fisch in Mosambik genauso zu haben ist, wie ein Couscous mit feinem Lammragout in Nordafrika, übersetzen die Köche panafrikanische Küche für deutsche Mägen. Da gibt es Straußenburger, Pommes frites aus Maniokwurzeln oder auch nur einen Möhreneintopf mit einem typisch afrikanischen Gewürz. Die afrikanische Küche ist reichhaltig und kann für jeden etwas bieten, als Snack genauso wie als gehobenes Dinner mit Krokodilfilet an Brokkoliröschen. Wenn man möchte, kann man durchaus einen Trend erkennen, der sich spätestens mit der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika noch weiter ausbreiten wird. Die Fußballinteressierten werden neben aufregenden Spielerlebnissen sicher auch das eine oder andere kulinarische Erlebnis mit nach Hause bringen und dadurch die Nachfrage nach afrikanischen Mahlzeiten steigern. Der wirtschaftliche Aufschwung, den Südafrika sich von der Weltmeisterschaft verspricht, könnte dann ein Übriges tun. So war zumindest der Verlauf anderer kulinarischer Trends bisher.

“Hungern kann ich auch zu Hause”

In den 50er-Jahren war der exotischste Restaurantbesuch der Deutschen der Gang zum Italiener. Italienische Einwanderer gründeten aus Heimweh eigene Restaurants, die Deutschen, frisch zurück vom Urlaub aus Rimini, fanden immer mehr Gefallen an Pizza und Pasta. Je ferner die Reisen der Deutschen wurden, desto exotischer wurden auch die Restauranttrends: Nasi- und Bamigoreng fanden in den 80ern Zuspruch, in den 90ern wurde Sushi das Essen du jour. Neuerdings gehen alle zum Thairestaurant oder zum Vietnamesen. Die afrikanische Küche zu entdecken wäre demnach nur konsequent. Aber afrikanisch essen kann man natürlich nicht nur im Restaurant: Straußenfleisch findet man zwar zunehmend häufiger auf Speisekarten, doch auch im Supermarkt wird es immer mehr angeboten. Die Schweiz hat kurioserweise den höchsten Pro-Kopf-Konsum von Straußenfleisch weltweit. Rund tausend Tonnen werden jährlich verzehrt, Tendenz steigend. Auch in der Getränkeindustrie gibt es einen Trend zu afrikanischen Aromen: Neben den inzwischen fast zum Klassiker gewordenen Weinen aus Kapstadt und Umgebung hat es auch Arula, ein Likör aus den Früchten des Elefantenbaums, in die deutsche Spirituosenecke geschafft. Auch an einem Wodka mit Geschmacksaromen aus Honeybush und Marula, eben jenen Früchten des Elefantenbaums, wird schon gearbeitet. Das Afro Café in Salzburg zumindest ist so gut angenommen worden, dass sie jetzt an einem Franchisekonzept arbeiten, die nächsten zwei Cafés werden 2010 eröffnet, allerdings ebenfalls in Österreich. Anfragen aus München gibt es aber schon. Das hört sich doch gut an.

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