Töten für den Sieg

von Uta Schwarz26.09.2009Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Wahlkampf in Tennessee: Es geht auch mit nur 36 Cent.

Der Wahlkampf war langweilig: Der Herausforderer hatte, so zeigten es die Umfragen und auch die Medien bestätigten dies, überhaupt keine Chance gegen den bisherigen Amtsinhaber. Der Mann mit der Edelstahlbrille und dem Seitenscheitel hatte ein freundliches Gesicht, aber kein großes Programm. Anders sein Gegner, der schon seit Jahren im Amt war, niemals eine Senatssitzung verpasste und gleichzeitig erfolgreich Schweine züchtete. Hier ist, man ahnt es schon, natürlich nicht die Rede vom gerade hinter uns liegenden deutschen Wahlkampf. Zwar trägt auch Herr Steinmeier eine Edelstahlbrille über dem freundlichen Gesicht und Angela Merkel ist pflichtbewusst, aber ein Schweinefarmer ist sie nicht. Die einzige Parallele ist der müde Wahlkampf: Die Gegner hätten sich mehr an die Gurgel gehen müssen, sich auch einmal attackieren sollen, so unisono alle Wahlbeobachter. Byron Looper kandidierte vor genau elf Jahren um einen Senatssitz von Tennessee, chancenlos gegen den beliebten Demokraten Tommy Burks. Looper hatte sein Leben der Politik gewidmet, so sehr, dass er 1996, 32-jährig, seinen mittleren Namen Anthony in Low Tax, also niedrige Steuern, umändern ließ. Aber so richtig zum Zuge kam er nie; immer der Kandidat, niemals der Amtsinhaber, so war sein Leben bis zu diesem Wahlkampf verlaufen. Aber diesmal hatte er einen Plan: Am 19. Oktober 1998, genau einen Monat vor der Wahl, endete der bisher öde verlaufene Kampf um den Senatssitz jäh mit einem Knall. Tommy Burks, seit 28 Jahren im Amt, saß zusammengesunken hinter dem Steuer seines Autos, von einer Kugel direkt über dem linken Auge getroffen; er war auf der Stelle tot. „36 Cent“ so hatte Looper einem Journalisten die Frage beantwortet, wie teuer sein Wahlkampf werden würde. 36 Cent, so stellte sich später bei der Gerichtsverhandlung heraus, ist der Preis für eine Patrone einer 9mm-Waffe. Low Tax Looper sitzt seit 2000 lebenslänglich hinter Gittern, die Witwe des Abgeordneten hat aufgrund diffiziler nur in Tennessee geltender Gesetze, das Amt ihres Gatten geerbt. Und wir? Wir können froh sein, dass unsere Kandidaten zwar langweilig, aber im Großen und Ganzen doch recht zivile Politiker sind.

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