Die Kraft der Idee Europa ist ungebrochen

Ursula von der Leyen13.11.2019Europa, Gesellschaft & Kultur, Medien

“Vor 30 Jahren verbreitete sich die Nachricht, dass die Grenze „ab sofort“ geöffnet sei, wie ein Lauffeuer durch Berlin. Tausende versammelten sich an den Grenzübergängen der DDR. Die überraschten Grenzpolizisten gaben dem Druck der Massen schließlich nach und öffnen die Schlagbäume”, betont die designierte Präsidentin der Europäischen Union Ursula von der Leyen in Berlin. Die Rede können Sie hier in voller Länge nachlesen.

Auszug aus der Rede

Die Stärken Europas

“Doch ich bin fest davon überzeugt, dass aus diesen vermeintlichen und manches Mal auch tatsächlichen Schwächen Europas neue Stärken erwachsen können. Die Kraft der Idee Europa ist ungebrochen. Es gibt keine Herausforderung für Europa, die nicht mit den Stärken Europas bewältigt werden kann.
Ein gutes Beispiel dafür ist in der Tat die Handelspolitik. Ja, es ist richtig: In einer Welt, in der das relative Gewicht Europas abnimmt, wären viele EU-Mitglieder alleine zu schwach, um mit den USA wirkungsvoll über Zölle zu verhandeln oder über ein Freihandelsabkommen mit Japan. Zusammen aber sind wir 500 Millionen und machen wir 40 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aus. Gemeinsam sind wir die größte Handelsmacht der Welt. Gemeinsam können wir Handelsabkommen aushandeln, die nicht nur unserer Wirtschaft nützen,
sondern mit denen wir auch unsere Werte durchsetzen.
Ein anderes Beispiel ist die Digitalisierung unserer Welt: Das Netz eröffnet großartige neue Wissensräume, es schafft soziale Teilhabe und Innovationen. Aber das hat seinen Preis. Wenn Sie Ihren Namen googeln, dann haben Sie in weniger als 1 Sekunde Informationen über das, was Sie bisher getan haben. Manchmal richtig, manchmal falsch. Das Netz weiß mehr über Sie als Sie selber. Mehr noch. Die großen Tech-Companies interessiert nicht so sehr, was Sie gestern taten, sondern was Sie morgen tun, essen, kaufen und vor allem warum. Jeder Click trainiert Algorithmen und macht Ihr Verhalten berechenbarer. Diese Daten sind Gold wert, sie werden gehandelt, aber nicht mit dem Nutzer, sondern zwischen anderen Firmen in einem weitgehend regelfreien Raum. Europa hat gehandelt – der Name ist trocken, die Wirkung groß: die Datenschutzgrundverordnung.
Inzwischen bezeichnen Profis außerhalb Europas diese Pionierarbeit als Geschenk an die Welt.Keine andere globale Kraft als Europa hätte dies gekonnt. In den USA steht traditionell der Markt an erster Stelle, und die Regierung ist aus Prinzip
zurückhaltend. In Asien ist es oft umgekehrt. Regierungen tendieren zu dominieren und der Gruppe gilt mehr als das Individuum. Das Ergebnis ist das gleiche: Der oder die Einzelne steht hinter Markt und Staat zurück.
Europa dagegen hat eine lange Tradition, den Einfluss von Regierung und Markt in Einklang zu bringen und dabei dem Individuum besondere Priorität einzuräumen. Diese kulturelle Prägung ist Europas großer Vorteil bei der Gestaltung des digitalen Zeitalters. Die Welt braucht hier mehr Europa. Und es ist nicht zu spät. Wir befinden uns noch in einem sehrfrühen Stadium der Digitalisierung. Natürlich ist Fortschritt in die richtige Richtung keine Selbstverständlichkeit. Er ist harte Arbeit und wir müssen dran bleiben. Die europäischen Unternehmen haben die DSGVO eingeführt.Dadurch sind neue Ökosysteme entstanden, die Maßstäbe für andere setzen, die mit ihnen zusammenarbeiten. Es geht letztendlich um Souveränität. Es geht um den Schutz der Souveränität des Individuums, und seine volle Kontrolle über die eigenen Daten. In diesem Feld hat Europa aus der gemeinsamen Stärke heraus gehandelt.
Und das beschreibt das Besondere: Europa hat auf diesem Feld die Macht, den Mitgliedstaaten einen Teil jener Souveränität zurückzugeben, die sie und ihre Bürgerinnen und Bürger in der globalisierten Welt längst an Datenriesen verloren hatten. Der Schlüssel liegt in der Kraft der Gemeinschaft.Auch der Brexit ist ein gutes Beispiel dafür, wie Europa aus der Krise neue Kraft schöpft. Ja, ausgerechnet der Brexit.
Wir alle bedauern, dass unsere britischen Freunde die EU verlassen wollen. Doch die Erfahrung des Brexit hat vielen, die an der EU zweifeln, erst vor Augen geführt, was sie an der EU haben. Der Brexit wurde nicht –wie anfangs zu Unrecht vermutet – zum Start eines Zerfallsprozesses für die Europäischen Union, im Gegenteil: So unterschiedlich wir sind – bei den Brexit – Verhandlungen stehen die 27 EU – Länder zusammen. Kein Zynismus, keine Häme – eine gemeinsame gefestigte Position. So paradox es klingt: der Schock des Brexit hat uns stärker geeint. Denn er zeigt nicht nur, was es bedeutet, die EU zu verlassen – sondern auch, wieviel jedes Land gewinnt als Teil der europäischen Union.”

Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung

Die Europarede von Ursula von der Leyen können Sie HIER nachlesen

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