Wulff verlängert das Bauchgefühl ins Bundespräsidialamt hinein. Alexander Kissler

Einstiegsgelegenheiten bei Aktien?

War es das mit dem Bullenmarkt? Diese Frage dürften sich nach den heftigen Kursverlusten im Oktober viele Anleger gestellt haben. Die Wirtschafts- und Unternehmensdaten hingegen sprechen nach wie vor für weiteres Kurspotenzial. Daher könnte die jüngste Kursdelle für entsprechend risikobereite Anleger interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten.

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Aufgrund von Sorgen bezüglich zu stark steigender US-Kapitalmarktzinsen gerieten die weltweiten Aktienmärkte zum Anfang des vierten Quartals deutlich unter Druck: So gaben sowohl der US-Leitindex S&P 500 als auch der gesamteuropäische Stoxx Europe 600 im Oktober in Euro gerechnet um jeweils mehr als fünf Prozent ab. War es das also nun mit dem Bullenmarkt? Vielmehr scheint der Abverkauf lediglich Ausdruck der gestiegenen Nervosität der Anleger zu sein: Nach über neuneinhalb Jahren Bullenmarkt reagieren die Marktteilnehmer zunehmend sensibel auf möglichen Gegenwind für die Kurse. Panik scheint damit fehl am Platz, zumal Investoren an den jüngsten Handelstagen wieder überwiegend grüne Vorzeichen verbuchen konnten. Nach Einschätzung der Deutschen Bank handelte es sich bei der Korrektur jedoch nicht um die Vorboten der befürchteten Trendwende am Aktienmarkt.

Schwankungen haben wieder zugenommen

Ohnehin sind temporäre Kursverluste an den Aktienmärkten nichts Ungewöhnliches – auch nicht in Phasen tendenziell steigender Kurse. Nach dem so erfolgreichen und sehr schwankungsarmen Aktienjahr 2017 mag es manchem Anleger zwar so vorkommen, als sei die Volatilität nach den Abverkäufen im Februar und Oktober zuletzt gestiegen. Insgesamt pendelte sich die Schwankungsintensität der Kurse in den vergangenen Monaten jedoch eher wieder auf einem – historisch betrachtet – normalen Niveau ein. Denn seit dem Jahre 1929 ist beispielsweise der S&P 500 im Durchschnitt etwa alle drei Monate um fünf Prozent gefallen. 2017 gab es keinen einzigen solchen Rückgang. Auch was die zeitlichen Abstände der Fünf-Prozent-Rücksetzer betrifft, war der Index zuletzt noch immer weit vom historischen Durchschnitt entfernt. Im Vorfeld des Ausverkaufs im Februar zeigte der US-Leitindex an 404 Handelstagen in Folge keinen größeren Kursrückgang – und der Zeitabstand zwischen dem Börsenrückschlag im Februar und dem im Oktober betrug immerhin sieben Monate.

Aktuell zeigen sich die Marktteilnehmer jedoch nervös – nicht nur aufgrund der US-Zinsentwicklung. Daneben sorgt eine mögliche Ausweitung des Handelsstreits, die insbesondere global stark vernetzte Unternehmen treffen würde, ebenso für Verunsicherung wie die Brexit-Verhandlungen oder der Konflikt zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung bezüglich des neuen Haushaltsplans des Landes. Auch wenn es diese Risiken weiter im Auge zu behalten gilt, rechnet die Deutsche Bank sowohl mit Blick auf die Diskussionen um den Brexit als auch hinsichtlich des italienischen Budgetstreits mittelfristig mit einer Entspannung. Selbst in Sachen Zölle gab es zuletzt Grund für einen vorsichtigen Optimismus, nachdem US-Präsident Donald Trump von Fortschritten im Handelsstreit mit China berichtete.

Konjunkturdaten nach wie vor positiv

Sollte die Nervosität am Markt wieder abnehmen und die Investorengemeinschaft ihren Blick verstärkt auf die fundamentalen Konjunktur- und Unternehmensdaten richten, könnten auch die Kurse wieder nachhaltig steigen. Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum beispielsweise sind sowohl für die USA als auch für die Eurozone nach wie vor solide: In den Vereinigten Staaten rechnet die Deutsche Bank für dieses und kommendes Jahr mit einem Wachstum von 2,9 beziehungsweise 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – für die Eurozone immerhin mit einem Plus von 2,0 beziehungsweise 1,7 Prozent. Auch an den Prognosen für die Unternehmensgewinne hat sich zuletzt kaum etwas geändert. In Europa dürften die Gewinnsteigerungen den Einschätzungen der Analystengemeinde zufolge im dritten Quartal 2018 im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich im Vergleich zum Vorjahresquartal liegen. In den USA rechnen die Analysten sogar, dass die Gewinne um deutlich mehr als 20 Prozent steigen könnten.

Aus Sicht der Deutschen Bank sind Aktien sowohl aus den USA als auch aus Europa nach wie vor unverzichtbare Bestandteile für ein ausgewogenes Depot. Für entsprechend risikobereite Anleger könnte die jüngste Kursdelle günstige Zukaufgelegenheiten bieten. Denn mit den Kursen sind auch die Bewertungen vieler Aktien gesunken: Bezogen auf die Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate sank das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 seit Jahresanfang von 18,5 auf 15,7, im Stoxx Europe 600 gab es von knapp 15 auf rund 12,9 nach. Bei aller Nervosität an den Aktienmärkten sind das insgesamt vielversprechende Aussichten, die den Bullen an den Märkten neue Nahrung bieten könnten.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Gesine Lötzsch, Friedrich Seher , Dokumentation - Texte im Original.

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