2011 war ein schlechtes Jahr für böse Jungs. Srdja Popovic

Das wird an den Märkten nicht spurlos vorbeigehen

Die Politkrise in Italien erschüttert erneut das Vertrauen in die Europäische Union, die Schulden der drittgrößten europäischen Volkswirtschaft sind ohnehin viel zu hoch. Und die neue Regierung wird kaum viel dazu beitragen, um die Lage zu entschärfen. Dieser Mix könnte an den Märkten für erhebliche Turbulenzen sorgen.

Im September, spätestens im Oktober, soll in Italien neu gewählt werden. Das Einzige, was dem noch im Wege stehen könnte, wäre, wenn wider Erwarten das italienische Parlament Carlo Cottarelli doch das Vertrauen aussprechen würde. In diesem Fall hat der bisherige IWF-Mitarbeiter angekündigt, einen Haushalt für 2019 verabschieden zu wollen, das Tagesgeschäft zu managen und für nächstes Jahr Neuwahlen anzustreben. Sowohl Lega Nord und Fünf-Sterne-Bewegung als auch Silvio Berlusconis Forza Italia haben aber bereits klargemacht, ihm das Vertrauen nicht aussprechen zu wollen.

Zwei Punkte könnten die Populisten allerdings noch umstimmen. Momentan sieht der Haushalt 2019 eine unpopuläre Anhebung der Mehrwertsteuer vor. Es wäre daher politisch opportun, eine Technokraten-Regierung unter Cottarelli sich darum kümmern zu lassen. Schließlich gilt es, Ausgaben zu kürzen, um die Anhebung haushaltsneutral verhindern zu können. Zudem steht weiter die Frage einer Wahlreform im Raum. Vor einer Neuwahl könnten sowohl Lega Nord als auch die Fünf-Sterne-Bewegung an einer Klärung interessiert sein. Im Detail ist vorgesehen, dem Gewinner der nächsten Wahl zusätzliche Sitze im Parlament zuzusprechen. Dies würde für klare Mehrheitsverhältnisse sorgen – die nächste Regierung wäre stabiler und handlungsfähiger.

Beide Parteien machen sich laut Umfragen nämlich durchaus berechtigte Hoffnungen, aus der Wahl als stärkste Partei hervorzugehen: Während die Fünf-Sterne-Bewegung dies bereits ist und sich momentan stabil bei 32 Prozent hält, konnte die Lega Nord in den letzten Wochen deutlich zulegen. Errang sie bei der letzten Wahl noch rund 18 Prozent der Stimmen, liegt sie momentan je nach Umfrage um fünf bis sieben Prozentpunkte höher. Auch nach einer Neuwahl könnte somit eine Koalition aus Lega Nord und Fünf-Sterne-Bewegung dem Präsidenten gegenüberstehen. Diesmal jedoch mit mehr Selbstbewusstsein – und einem noch stärkeren Mandat vom Wähler.

Die Kapitalmärkte sind somit wenig überraschend auch am vergangenen Dienstag nicht zur Ruhe gekommen. Die Zinsentwicklung nahm, ausgehend von Italien, dramatische Züge an: Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen stieg innerhalb der ersten Handelsstunden um 0,7 Prozentpunkte, ein zwischenzeitlicher Verlust von über fünf Prozent für den Kurs der Anleihen. Zeitgleich war eine deutliche Flucht in stabilere Anlageklassen wie Bunds, Schweizer Franken und US-Dollar zu beobachten. Der Bankensektor kam aufgrund des Zinsanstiegs in Italien, Spanien und Portugal unter Druck und zog Europas Aktienmärkte abwärts – Italien um etwa vier, Spanien um drei und den DAX um zwei Prozent. Der Euro reagierte ebenfalls und fiel erstmals seit November wieder unter 1,16 US-Dollar. Erst im späteren Handelsverlauf stellte sich leichte Besserung ein, die Verluste konnten jedoch lediglich halbiert werden.

Was bleibt, ist hohe politische Unsicherheit, die als Risikoprämie auf europäischen Anlageklassen lasten dürfte. Gut diversifizierte Portfolios könnten sich in diesem Umfeld dank relativer Stabilität besser schlagen als reine Euro-Investments.

Diese Kolumne erschien zuerst in Ihrer BÖRSE am Sonntag.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Reinhard Olt, Joachim Starbatty, Sven Giegold.

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