Blockchain: Technologie mit Potential

von Ulrich Stephan6.05.2018Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

Seit sich der Wert eines Bitcoins im Jahr 2017 von weniger als 1.000 auf mehr als 20.000 US-Dollar vervielfacht hat, sind Kryptowährungen in aller Munde. Aus Sicht der Deutschen Bank sind die zugrunde liegende Blockchain-Technologie und ihr disruptives Potenzial hingegen viel spannender als das Auf und Ab der Kursverläufe von Kryptowährungen.

Die Blockchain ist als dezentrale Datenbank zu verstehen. Die entscheidende Innovation liegt in dem Konsensverfahren, welches die Blockchain vor Manipulationen schützt. Bei Bitcoin zum Beispiel gibt es eine Art Wettbewerb, der darüber entscheidet, welcher Nutzer die Blockchain erweitern darf. Wer den Zuschlag erhält, wird mit Coins entlohnt. Ein Eintrag auf der Blockchain bzw. die Bildung eines neuen Blocks gilt erst dann als validiert, wenn sich die Mehrheit aller Nutzer einig ist. Gelingt dies, wird die Erweiterung auf der dezentralen Datenbank unveränderlich eingetragen. Sämtliche Teilnehmer sind im Besitz einer vollständigen Kopie der Daten und jeder Eintrag wird bei sämtlichen Beteiligten abgespeichert. Der Name Blockchain (Datensatzkette) resultiert dabei aus ihrem Aufbau: Einzelne Transaktionen werden in Blöcke zusammengefasst, aneinandergehängt und können nicht mehr verändert werden. So entsteht eine digitale Verkettung – also ein digitales Transaktionsregister. Zentrale Kontrollinstanz nicht erforderlich. Das Besondere: Obwohl viele Parteien beteiligt sind, wird ohne eine zentrale Kontrollinstanz Einigkeit über die korrekten Einträge erzielt.

Insbesondere im Finanzsektor spielt der Faktor Sicherheit eine übergeordnete Rolle. Nur sofern die
privaten Zugänge und Passwörter ausreichend geschützt werden können, bietet sich eine breite Anwendung an. In einer offenen Blockchain können Anwender anonym bleiben. Finanzinstitute sind hingegen gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Kunden zu kennen und eine vorgeschriebene Legitimationsprüfung durchzuführen. Sofern Banken ihren Kunden Zugang zu Zahlungssystemen anbieten wollen, die auf der Blockchain-Technologie basieren, wird dies voraussichtlich nur in geschlossenen Systemen und nach Prüfung personenbezogener Daten möglich sein.

Ethereum-Blockchain: mehr als eine Kryptowährung

Eines der bekanntesten Beispiele außerhalb von Bezahlsystemen ist Ethereum mit der Kryptowährung „Ether“. Ethereum fungiert in erster Linie als Plattform für das Anlegen, Verwalten und Ausführen von auf Blocks basierten Programmen. Auf der Ethereum-Blockchain können sogenannte Smart Contracts eingetragen werden. Die Idee dahinter sind automatisch ausgeführte Transaktionen, die durch einen Trigger, beispielsweise ein bestimmtes Ereignis oder eine Geldanweisung in Ether, ausgelöst werden. Das Ziel dieser Smart Contracts ist die Reduktion von Transaktionskosten und die Erhöhung der Vertragssicherheit. Eine Herausforderung bleibt jedoch, dass es keine Rechtseinheit gibt, welche die Erfüllung des Vertrages überwacht. Dennoch: Die Anwendungsmöglichkeiten des Systems sind vielfältig, die zukünftige Entwicklung dürfte dynamisch und spannend bleiben.

Trotz aller Euphorie gilt es jedoch neben der Weiterentwicklung der Technologien strenge Auflagen von Gesetzgebern und Aufsichtsbehörden zu erfüllen. Das riesige Potenzial, das sich insbesondere in der Finanzbranche entfalten könnte, wird in vielen Bereichen erprobt. Zahlreiche Anwendungen werden entwickelt, um neue Dienstleistungen anzubieten oder Effizienzsteigerungen in bestehenden Prozessen zu ermöglichen.

_Diese Kolumne erschien zuerst in Ihrer Unternehmerzeitung, dem_ *Wirtschaftskurier*

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