Gehören jetzt deutsche Nebenwerte ins Portfolio?

Ulrich Stephan4.03.2018Wirtschaft

„Herz“, „Rückgrat“, „Motor“ und „Erfolgsgarant“ – die Bedeutung des Mittelstands für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wird immer wieder betont. Und das völlig zu Recht. Schließlich erwirtschaften kleine und mittlere Unternehmen mehr als die Hälfte der Wertschöpfung der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt. Gleichzeitig sind sie auch die größten Arbeitgeber.

Nach Angaben der KfW-Bankengruppe sind derzeit etwas mehr als 31 Millionen Menschen und damit 70 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland in einem mittelständischen Unternehmen beschäftigt – und neun von zehn Auszubildende absolvieren ihre Ausbildung in einem kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Entsprechend seiner großen Bedeutung ist die Stimmungslage des Mittelstandes ein wichtiger Indikator für das wirtschaftliche Wohlergehen Deutschlands. Und danach scheint es um die Konjunktur im Land bestens bestellt.

Das vielbeachtete KfW-Ifo-Geschäftsklima für den Mittelstand, das monatlich die Einschätzungen von rund 5.600 deutschen Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten und maximal 50 Millionen Euro Jahresumsatz auswertet, lag zu Jahresbeginn nahe seinem Allzeithoch vom November 2017. Während die aktuelle Lage dabei besonders positiv bewertet wurde, gingen die Erwartungen für die kommenden Monate zwar etwas zurück – noch immer rechnen die meisten mittelständischen Unternehmen jedoch mit einer weiteren Verbesserung ihrer Geschäfte bis in den Sommer hinein. Die Deutsche Bank erwartet daher, dass auch das Anfang März zur Veröffentlichung anstehende Geschäftsklima für Februar die gute Stimmung im Mittelstand bestätigen wird, wenngleich es leicht niedriger ausfallen könnte.

Stimmungsmäßig enteilt der deutsche Mittelstand damit den ebenfalls recht zuversichtlichen Großunternehmen. Grund für deren etwas weniger euphorische Zukunftsaussichten könnte unter anderem der starke Euro im Vergleich zum US-Dollar sein, unter dem das Exportgeschäft international stark verflochtener deutscher Konzerne in Zukunft leiden könnte.
Gesamtwirtschaftlich betrachtet erscheint die Eurostärke allerdings als Ausdruck der aktuell positiven konjunkturellen Entwicklung in der Eurozone und in Deutschland. Dieser Trend könnte sich getrieben von einem starken globalen Wachstum fortsetzen. Die Deutsche Bank erwartet für das laufende Jahr mittlerweile sogar ein höheres Wachstum als 2017: Nach einem Plus von 3,8 Prozent könnte das globale Bruttoinlandsprodukt 2018 um 3,9 Prozent zulegen. Davon dürften sowohl kleine als auch mittlere deutsche Unternehmen im weiteren Jahresverlauf profitieren.

Entsprechend risikobereite Anleger mit Interesse an einem Investment in deutsche KMUs sollten bedenken, dass längst nicht alle diese Unternehmen an der Börse gelistet sind. Eine interessante Alternative könnten Unternehmen des SDAX sein – dem kleinen Bruder von DAX und MDAX. Es handelt sich dabei vorwiegend um sogenannte Growth-Titel, also Papiere von wachstumsorientierten Unternehmen, die in Phasen hoher konjunktureller Dynamik häufig eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen können. Gleichzeitig gilt der deutsche Mittelstand als der globalste der Welt, weshalb den Unternehmen im SDAX der weltweit synchrone Konjunkturaufschwung in hohem Maße zugutekommen dürfte.

Für die Unternehmen im SDAX könnten insbesondere die höheren Gewinnerwartungen für das Jahr 2018 im Vergleich zu den Unternehmen im DAX oder MDAX sprechen. Dafür sind sie mit einem unter Berücksichtigung der Gewinnerwartungen für die kommenden 12 Monate berechneten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,1 allerdings auch bereits etwas höher bewertet. Mit Blick auf die Ausschüttungen liegt die Dividendenrendite der SDAX-Unternehmen zwar unter jener der MDAX- oder DAX-Unternehmen, dafür ist das Wachstum der Dividendenzahlungen bei ihnen größer.

Aufgrund seiner noch zyklischeren Ausrichtung hat sich der SDAX zuletzt deutlich besser entwickelt als seine beiden größeren Pendants. Während der SDAX seit Jahresanfang bis zum 22. Februar um 1,6 Prozent zulegen konnte, verlor der MDAX im Umfeld turbulenter Kapitalmärkte 0,1 Prozent und der DAX 4,3 Prozent. Aus Sicht von 5 Jahren liegen SDAX und MDAX mit einem Plus von rund 101 beziehungsweise 100 Prozent nahezu gleichauf, während der DAX lediglich 61 Prozent zulegen konnte.

Sollte die hohe konjunkturelle Dynamik anhalten, dürften auf Branchenebene insbesondere Industrietitel interessant bleiben. Erst wenn sich die globale Konjunkturdynamik abkühlt, werden sich die zyklischen Branchen voraussichtlich etwas schlechter entwickeln als der Gesamtmarkt. Bei einem erwarteten realen Weltwirtschaftswachstum von fast vier Prozent dürfte es dafür allerdings noch zu früh sein. Daher scheint die aktuelle Entwicklung der zyklischen SDAX-Werte gerechtfertigt.

Ein Investment in kleine und mittlere Unternehmen ist in der Regel mit einer höheren Renditeerwartung verbunden als eine Anlage in größere Konzerne. Diese Erwartung geht jedoch unmittelbar mit einem höheren Risiko einher, was sich unter anderem an der höheren Schwankungsbreite der SDAX-Kurse in den vergangenen zwölf Monaten im Vergleich zum MDAX oder DAX ablesen lässt. Anleger sollten ihre Investitionen daher breit streuen – nicht nur über Anlageklassen, Regionen und Branchen hinweg, sondern auch über unterschiedliche Unternehmensgrößen. Entsprechend risikobereite Anleger, die von der Weltwirtschaft profitieren möchten, könnten neben DAX und MDAX daher auch den SDAX in Betracht ziehen.

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