Warum Söder nicht kandidieren wird | The European

3 Gründe, warum Markus Söder nicht nach der Kanzlerkandidatur greifen wird

Ulrich Berls27.12.2020Medien, Politik

Markus Söder ist fraglos der politische Gewinner des Jahres 2020. Wird er seinen Siegeslauf auch im Bundestags-Wahljahr 2021 fortsetzen? Von Ulrich Berls.

Markus Söder(Ministerpäsident Bayern und CSU Vorsitzender) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fahren mit der Pferdekutsche vom Schloss Herrenchiemsee, Foto: imago images / Sven Simon

Den souveränen Medienauftritt beherrscht er. Am nachrichtenarmen zweiten Adventssonntag trommelt der bayerische Ministerpräsident sein Kabinett zusammen und verkündet anschließend schärfere Corona-Maßnahmen. Die Aufmacher-Meldungen in allen Abendnachrichten sind ihm gewiss. So wie Markus Söder einst im Amt des CSU-Generalsekretärs als brachialer Scharfmacher die Deutschen außerhalb des Freistaats regelmäßig vor den Kopf stieß, kommt seine heutige Mischung aus Tatkraft und Besonnenheit plötzlich auch bei vielen Nord-, West- und Ostdeutschen hervorragend an. Seine bundesweiten Umfragewerte sind glänzend. Als potenzieller Kanzlerkandidat lässt er Laschet, Merz und Röntgen demoskopisch hinter sich.

Drei Gründe sprechen gleichwohl dagegen, dass Markus Söder im kommenden Jahr nach der Kanzlerkandidatur greifen wird:

Eins

An seinem Imagewandel, weg vom Wadlbeißer und Grobian hin zum verantwortungsbewussten Staatsmann, hatte Markus Söder zwar schon länger intensiv gearbeitet, aber die Pandemie war seine Chance, günstiger als jede PR-Kampagne. Die kommende Bundestagswahl ist freilich erst im September 2021. Auch wenn man es sich in diesen monothematischen Wochen kaum vorstellen kann, spricht vieles dafür, dass bis dahin Corona nicht mehr das einzige, ja womöglich nicht einmal mehr das wichtigste politische Thema sein wird. Wahrscheinlich werden bis dahin die Massen-Impfungen greifen. Hinzu kommt, dass selbst im vergangen Sommer und Frühherbst die Infektionszahlen glimpflich waren. Eine Entspannung an der Coronafront zur Jahresmitte hin ist gut möglich – und damit könnte Markus Söders aktuelles Ansehen als Epidemie-Manager verblassen.

Zwei

Die CSU war, ist und bleibt eine Regionalpartei mit erheblichem überregionalem Einfluss! Söder übernahm das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten an einem Tiefpunkt. 37 Prozent holte seine Partei bei der Landtagswahl 2018. Was für andere Parteien ein Traumergebnis wäre, ist für die CSU lebensgefährlich. Der Verlust der absoluten Mehrheit war für Söder und die Seinen einzig deshalb zu verkraften, weil eine neue bayerische Landesregierung ohne CSU nur mit Hilfe der AfD möglich gewesen wäre, wozu natürlich keine andere Partei im Landtag bereit war. Deshalb konnte Söder schnell mit den Freien Wählern eine Koalition bilden und die CSU nochmals über Wasser halten.

Die Achillesferse der CSU ist immer ihr Machterhalt in Bayern. Deshalb ist für sie die Bundespolitik auch sekundär. Edmund Stoiber hat es einmal auf den Begriff gebracht: „Landtagswahlen sind die Pflicht, Bundestagswahlen die Kür“. Das weiß keiner so gut wie Markus Söder. Er hat immer wieder versprochen, in Bayern zu bleiben. Diese Zusage kann er jetzt weder den bayerischen Bürgern noch seiner Partei gegenüber brechen. Die CSU liegt derzeit in allen Umfragen im mittleren 40-Prozent-Bereich. Das heißt, sie ist die letzte wirkliche Volkspartei. Die Konsolidierung ihrer Basis zuhause muss einstweilen Söders wichtigstes Ziel sein. Deshalb, auch wenn’s von Berlin aus betrachtet kaum verständlich scheinen mag, steht für die CSU nicht die Bundestagswahl 2021, sondern ihre Landtagswahl 2023 an allererster Stelle.

Drei

Ein Verzicht auf die Kanzlerkandidatur hieße für Markus Söder ja keinerlei Aufgabe von bundespolitischem Einfluss. Die Koppelung des Amtes als Bayerischer Ministerpräsident mit dem des CSU-Parteivorsitzenden unterscheidet ihn von allen anderen Länderchefs. Wenn der Koalitionsausschuss im Kanzleramt tagt, kann heute schon am CSU-Vorsitzenden nicht vorbeientschieden werden. Von einem Erdrutsch bei der kommenden Wahl, von der rechnerischen Möglichkeit, dass es für Grün/Rot/Rot im Bund reicht, ist kaum auszugehen. Söder wird also in Berlin weiter mitregieren, auch wenn er in München bleibt.

Die ständigen Spekulationen über Söders Kanzlerkandidatur entspringen doch eher nichtbayerischen Hirnen. Seine Aufgabe zuhause ist noch nicht erledigt. Würzburg muss für ihn wichtiger als Wuppertal sein und Regensburg bedeutender als Rostock. Erst wenn er seine Partei in tatsächlichen Wahl- und nicht nur in momentanen Umfrageergebnissen zu alter Stärke zurückgeführt hat, kann er über seine Versicherung, er bleibe in Bayern, neu nachdenken. Natürlich freut es die CSU und genießt es ihr Vorsitzender, wenn sie für kanzlertauglich gehalten werden. Aber es bleibt doch Zeit – viel Zeit. Markus Söder ist gerade einmal 53 Jährchen alt…

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