Dieser Monat ist ein Skandal vom Entzünden der ersten Adventskerze bis zum Böllerfinale

Ulrich Berls11.12.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik

Die letzten Wochen im Jahr sind das Allerletzte. Kein anderer Monat produziert einen solch riesengroßen ökologischen Fußabdruck wie der Dezember. Ein Plädoyer wider diesen Klimakiller und für einen Neuanfang in unserem Kalender…

Er ist der dunkelste Monat des Jahres. Nie sind die Tage kürzer, selten ist der Himmel trüber. Die Solarzellen lechzen ins Leere. Auch die Windräder im Binnenland stehen still, bestenfalls die Chance auf einen verspäteten Herbststurm birgt noch etwas Hoffnung für die lahmen Mühlen. Es sind die Wochen, in denen die einheimischen Kohlekraftwerke auf Volllast fahren und trotzdem noch Strom aus Schrott-Atomreaktoren in Tschechien, Frankreich und Belgien zugekauft werden muss.

Zynischerweise ist ausgerechnet das der Monat der allgegenwärtigen Weihnachtsbeleuchtungen. Myriaden von Vorgärten und Balkone strahlen taghell und sorgen für eine Lichtverschmutzung fatalen Ausmaßes. Die CO2-Äquivalente dieses Irrsinns entsprechen der Leistung mehrerer Kohlekraftwerke. Ist es noch normal, wenn im Dezember Neustadt an der Waldnaab von oben betrachtet wie New York leuchtet?

Und dabei sind wir doch ein öko-stolzes Volk: nicht nur Vorreiter im Energiewenden, sondern auch Weltmeister beim Mülltrennen und Errichten von Krötenzäunen. Aber im Dezember hört der Spaß einfach auf, da ist’s mit der Umwelt-Disziplin der Deutschen zu Ende. Wir sind zwar alle ein bißchen Greta, doch der Stern von Bethlehem hat gleichwohl zu leuchten.

Ach, wenn’s nur die Stromverschwendung wäre. Selten ist das Leben lebensgefährlicher als in der Weihnachtszeit: Finger weg von Zimtsternen, Cumarin-Alarm! Spekulatius, eine Acrylamid-Bombe! Marzipan, voller Blausäure! Und das Weihnachtsgewürz Muskat strotzt von Myristicin! Und wenn wir schon beim vermeintlichen Festtagsessen sind, mindestens sechs Millionen Weihnachtsgänse haben die Deutschen jährlich auf dem Gewissen. Die meisten dieser Tiere haben nicht nur eine trostlose Turbozucht hinter sich, sondern kommen, was noch schlimmer wiegt, aus Polen und Ungarn, sind somit auch noch mit einem rechtspopulistisch-autoritärem Hintergrund belastet.

Anstelle von Adventskalendern sollten wir Countdown-Uhren bis zum Weltuntergang aufstellen. Warum sind eigentlich Weihnachtskerzen aus Parrafin, Lametta aus Stanniol und Wunderkerzen aus Barium noch frei verkäuflich? Wie kann es sein, dass solches Teufelszeug christliche Weihnachtsbäume schmückt? Womit wir uns einem weiteren Höhepunkt des dezemberlichen Klimafrevels nähern: Noch im August schüttelte ganz Deutschland den Kopf über den Gleichmut des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, der den Regenwald einfach brennen ließ – was uns freilich nicht daran hindert, im Dezember selber ein Waldsterben zu entfachen. 30 Millionen Weihnachtsbäume müssen Jahr für Jahr dran glauben. Die Tannen und Fichten, die dieses Jahr auf unsere Märkte kommen, sind schon ein paar Jahre alt und haben die zurückliegenden Dürresommer überlebt – aber jetzt holzen wir sie einfach skrupellos ab.

Ein Verbot von Weihnachten liegt in der verschmutzten Luft. Bedenken der Kirchen ließen sich vermutlich aus der Welt schaffen. Die Evangelische Kirche in Deutschland ist mit ihrem Motto „Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben“ sowieso auf einem Weg, der mit der Ökobilanz von Weihnachten unvereinbar ist. Bei den deutschen Katholiken könnte es aus Furcht vor Rom Widerstand geben. Aber warum sollen Bischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx am Ende nicht doch zu einer Öko-Ökumene finden? Wer gemeinsam auf dem Tempelberg sein Kreuz ablegt, könnte doch auch im Schulterschluss umweltschädliche Feiertage abschaffen.

Aber warum gleich den kompletten Dezember abschaffen? Würde nicht ein schlichter Verzicht auf Weihnachten genügen? Nun –  weil der Höhepunkt dieses Irrsinn-Monats erst noch kommt. Im Silvester-Feuerwerk emittiert dieses Land 5000 Tonnen Feinstaub. Das ist knapp ein Fünftel des jährlichen Gesamt-Aufkommens. Die berüchtigte Autokreuzung am Stuttgarter Neckartor ist ein sauberer Ort gemessen an den meisten deutschen Innenstädten in der Neujahrsnacht. Millionen von Geringverdienern könnten ihre alten Diesel weiterfahren, wenn wir die Silvester-Feiern einstellen und endlich für Partikel-Gerechtigkeit sorgen würden!

Nein, dieser Monat ist ein Skandal vom Entzünden der ersten Adventskerze bis zum Böllerfinale. Deshalb, lasst uns den Dezember komplett abschaffen, den ganzen Weihnachts-Terror und die Silvester-Schießwut ausradieren und das Jahr einfach durch 11 Monate à 33 Tage teilen. Der Planet würde es uns danken.

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