Die globale Überbevölkerung ist das größte Problem

von Ulrich Berls26.09.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Hysteriker haben Hochkonjunktur hierzulande: Für die einen steht aufgrund des Klimawandels die Apokalypse unmittelbar bevor. Für die anderen hat mit der Massenmigration nicht weniger als der Untergang des Abendlandes begonnen. Beiden Weltsichten fehlt es an Tiefenschärfe, denn das eine wie das andere Problem hat einen gemeinsamen Kern, über den zu selten gesprochen wird: die globale Überbevölkerung.

Solange die fragile Stabilität an den internationalen Finanzmärkten halbwegs hält und  in den Krisenherden der Welt einstweilen nur ein bißchen scharf geschossen wird, schauen wir erst mal weiter genüsslich in andere Abgründe. Die Grünen profitieren vom Klimahype und bagatellisieren die Probleme mit der Masseneinwanderung. Die AfD starrt nur auf die neue Völkerwanderung und leugnet den menschengemachten Klimawandel. Belohnt wird dieser Mangel an Komplexität mit einem Umfragehoch nach dem anderen für beide Parteien.

Größenordnungen

Wieviel  Ignoranz ist noch erlaubt:  Die AfD will wortwörtlich weg von der „Stigmatisierung“ des CO2. Gletscherschmelze, Extremwetterlagen – alles nur Hirngespinste? Wenn 130 Naturwissenschaftler dieser Tage eine Studie vorstellen, die einen beträchtlichen Anstieg der Meeresspiegel diagnostiziert, dann sind das doch keine Fake-News.

Und wie einfältig darf eine Partei, die in zig Landesregierungen und höchstwahrscheinlich bald im Bund mitregiert, auftreten: Die Grünen glauben immer noch an Open Borders und leugnen die schlichte Wahrheit, dass kein Sozialstaat der Welt die Duldung von massenhafter Elendsmigration überstehen kann. Drei Viertel aller Syrer im erwerbsfähigen Alter, die zu uns kamen, berichtet die Bundesanstalt für Arbeit beispielsweise soeben, leben in Hartz IV. Bloß Sozialromantiker meinen, dass Menschen, die in ihrer Muttersprache nicht richtig lesen und schreiben können, einfach mit genügend Integrationskursen für den Arbeitsmarkt eines Hightech-Landes fit gemacht werden können.

Monokausal und provinziell ist der politische Diskurs. Man muss nur einmal gedanklich durchspielen, was denn wäre, wenn die Hauptziele der beiden antagonistischen Lager erreicht würden: Ein klimaneutrales Deutschland also, ohne Plastiktüten, weitgehend vegetarisch, mit florierendem Schienen- und darbendem Flugverkehr. Eine Gesellschaft, in der niemand grillt, Feuerwerk abbrennt oder sich vor dem offenen Kamin rekelt. Ein Land aber auch mit einem strengen Grenzregime, mit bedingungsloser Abschiebung von Asyl-Simulanten, ohne Kuschel-Justiz und mit einer Polizei, die respektiert wird.

Nicht viel würde sich ändern, denn je globaler Probleme sind, desto weniger verfangen deutsche Lösungen. Und das ewige Gequatsche von der deutschen Vorbildfunktion erinnert sowieso nur noch unangenehm an die längst überwunden geglaubte Sentenz: „Am deutschen Wesen muss die Welt genesen“.

Sentimentalität statt Rationalität

Im Englischen gibt es die treffende Wendung „sense of proportion“, was mit „Augenmaß“ nicht hinreichend übersetzt ist. Sense of proportion  meint ein Gespür für Größenordnungen – und das scheint vielen hierzulande komplett abhanden gekommen zu sein.

Dieser „wunderbare, blaue Planet“, wie die kitschige Formel heißt, leidet in erster Linie unter viel zu vielen Menschen! Täglich wächst die Weltbevölkerung um eine knappe Viertelmillion.  Wöchentlich um die Bewohnerzahl von Hamburg. In nur elf Monaten um die Einwohner von Deutschland. Um sage und schreibe 100 Millionen Menschen alle 14 Monate. Dieses Wachstum ist wohlgemerkt „netto“ gerechnet, sämtliche Sterbefälle abgezogen. Zu jedem klimapolitischen Fortschritt fällt einem da nur die populäre Metapher ein: „Alles, was wir vorne mit den Händen erreichen, reißen wir mit dem Hintern wieder ein“.

Die afrikanische Frau bekommt, statistisch gesehen, viereinhalb Kinder, ob jetzt die deutsche Kanzlerin Fluchtursachen bekämpft oder nicht. Unser südlicher Nachbarkontinent verdoppelt seine Einwohnerzahl bis 2050. Bis 2100 wird sie vervierfacht. In konkreten Zahlen heißt das, wir müssen zum Ende des Jahrhunderts mit 4,3 Milliarden Menschen in Afrika rechnen. Das war die Zahl der gesamten Weltbevölkerung im Jahr 1980!

Pausenlos hören wir von der Generation-Greta Fragen nach dem Zustand der Welt zum Ende dieses Jahrhunderts. Warum tauchen die Bevölkerungs-Projektionen dabei fast nie auf? Weil der böse, weiße Mann so viel mehr Schadstoffe emmitiert als der/die edle Wilde? Die Vorstellung, dass alleine Konsumverzicht in den reichen Ländern ausreichen könnte, ist naiv.

Derzeit sterben weltweit mehr Menschen an zu viel Essen als an zu wenig; und dennoch sind bereits 70 Millionen auf der Flucht – vorsichtig geschätzt. Was ist, wenn aufgrund von Dürren oder Überschwemmungen der Hunger in nie gekannten Dimensionen zurückkommt? Die Bevölkerungsexplosion schürt die Klimaprobleme, die Klimaprobleme schüren die neue Völkerwanderung. Die lächerlichen paar hunderttausend Bürgerkriegs- und Armutsemigranten in der sogenannten „Flüchtlingskrise 2015“ waren allenfalls Vorboten: Klimawandel und Massenmigration sind weitgehend nur Sekundärnöte des Haupt-Problems. Wir streiten am Kern unserer Sorgen vorbei.

 

 

 

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