Alle Arten von kontemplativem Denken gehen verloren, während wir ständiger Ablenkung ausgesetzt sind. Nicholas Carr

Seid's ihr deppert?

Alkoholverbot? Als Nächstes wird dann wohl das Lachen untersagt. Mal ehrlich, die Gesundheitsapostel wollen, dass wir alle 100 Jahre leben – aber das Leben sollte nicht nur lang sein, sondern auch Qualität haben.

Ich bin über diese neuen Bestrebungen in Richtung eines Alkoholverbots überhaupt nicht verwundert. Diese Besserwisser und diese ganzen Weltverbesserer, die das Rauchverbot in Bayern so vehement vorangetrieben haben, die gehen natürlich jetzt auch auf ein Alkoholverbot. Und als Nächstes fordern sie dann wahrscheinlich ein Lachverbot oder ein Verbot der allgemeinen Fröhlichkeit.

Niemand denkt an wahre Lebensqualität

Das ist nämlich in meinen Augen der Knackpunkt: Die Leute wollen alle 100 Jahre alt werden, aber niemand denkt dabei an wahre Lebensqualität. Wenn man diesen ganzen Gesundheitsaposteln einmal ins Gesicht schaut, sieht man da überwiegend überhaupt keine Lebensfreude. Nur Verbissenheit und Unzufriedenheit. Das kann doch nicht unsere Zukunft sein!

Man sollte doch in der Zeit, in der wir leben, eine gezielte Lebensfreude vermitteln dürfen. Man muss doch einfach mal sagen dürfen: Mensch, das ist doch schön, dass wir hier zusammensitzen. Da trinken wir jetzt einfach mal eine Mass Bier miteinander und freuen uns. Von mir aus kann man auch sagen: Wir sitzen zusammen und trinken ein Glas Wein. Und auf der Wiesn wird dann auch ganz gern mal eine Zigarre geraucht. Aus reinem Genuss!

Leben und leben lassen

Wir schränken uns immer mehr ein und glauben, dass wir das Rad neu erfinden müssen. Ich finde diese Entwicklung schlecht. Ich bin der Meinung, man sollte ein bisschen mehr Toleranz im Umgang miteinander walten lassen. Getreu dem Motto: Leben und leben lassen.
Rauchen und rauchen lassen, trinken und trinken lassen. Und auch mal wegschauen oder etwas übersehen.

Und noch ein Wort zu den Herren Politikern: Mal eine eigene Meinung haben und zu der stehen und nicht nur auf Mehrheiten oder Stimmenzugewinn achten! Wir sind in der Zwischenzeit nämlich ein Volk von Angsthasen geworden. Wenn du als Politiker da mit der Angst handelst, mit der Angst vor Krankheiten oder der Angst um die Zukunft unserer Kinder, dann erreichst du alles und dann fliegen dir die Wählerstimmen nur so zu. Um die Inhalte geht’s da nicht. Nur um die Stimmen.

Und als ein Letztes würde ich die Politiker dann auch mal bitten, dass sie beim nächsten Volksentscheid, egal, ob’s darin dann um ein Bierverbot in Bayern geht oder um etwas anderes, wenigstens wirklich auf eine Wahlbeteiligung von mindestens 50 Prozent achten. Sonst kommen da beim nächsten Mal noch ein paar Klugscheißer daher, die die Welt am Ende wirklich verändern. Und das wollen wir ja alle nicht.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Henning Hirsch, Nils Pickert, Albert Wunsch.

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