Unternehmer sind keine Politik-Vasallen

Michael Tockuss1.10.2009Gesellschaft & Kultur, Politik, Wirtschaft

Deutsche Firmen haben einen legendären Ruf in Iran. Doch im Atomstreit zeigt die “Entmutigung” der Bundesregierung Wirkung – obwohl der Export meist legal ist. So treffen die politisch motivierten Sanktionen die Falschen: Exporteure mit langfristigen Interessen, Privatunternehmer und persönliche Freundschaften. Schon bald könnte ein anderes Land Deutschlands Platz in der ersten Reihe einnehmen.

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In den letzten Jahren sind die deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen unter politischen Druck geraten. Atomkonflikt ist das Stichwort für diese Auseinandersetzung, in der die Wirtschaft nun Druck auf Iran aufbauen soll. Dabei geht es längst nicht mehr um Produkte, die Iran militärisch oder für das Atomprogramm nutzen könnte, es geht darum, politische Ziele mit wirtschaftlichem Druck zu erreichen.

Politischer Druck macht Geschäfte schwieriger

Dieser Druck spiegelt sich auch in den Handelszahlen wider: Von Januar bis Mai 2009 lieferten deutsche Firmen für 1,3 Milliarden Euro Waren und Dienstleistungen nach Iran, ein Rückgang von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Politik der “Entmutigung” deutscher Unternehmen durch die Bundesregierung zeigt also durchaus Wirkung, aber es ist auch klar zu betonen, dass die meisten Exportprodukte völlig legal nach Iran exportiert werden dürfen und der deutsche Maschinenbau stellt weiterhin die größte Gruppe der deutschen Exporteure nach Iran. Die iranischen Kunden deutscher Unternehmen haben dabei wenig Verständnis für die Schwierigkeiten, die ihre deutschen Lieferanten in diesen Tagen haben, insbesondere weil sie klar wahrnehmen, dass Lieferungen, die aus Deutschland oder Europa ausbleiben, nun von asiatischen Ländern übernommen werden und insbesondere China monatlich Rekordzahlen bei seinen Exporten nach Iran vermeldet.

Deutsche und Iraner sprechen oft die gleiche Sprache

Die Sanktionen treffen wie häufig auch die Falschen, insbesondere private iranische Unternehmen, die in den letzten Jahren viel Geld und Energie aufgebracht haben, lokale Produktionen aufzubauen. Der Iran ist ein echtes Industrieland. Es werden pro Jahr mehr als eine Million Kraftfahrzeuge produziert, iranische Zulieferer lieferten in der Vergangenheit Kühler, Motoren oder Kupplungssysteme auch an deutsche und europäische Hersteller. Deutsche und iranische Unternehmer sprechen häufig die gleiche Sprache: ganz praktisch, weil Tausende Ingenieure in Deutschland ausgebildet worden sind, aber auch im übertragenen Sinne, was die Suche nach technischen Lösungen angeht. Iranische Partner sind für deutsche Unternehmer deshalb oft mehr als nur gute Kunden, es haben sich Freundschaften entwickelt, die nun unter den politischen Problemen leiden. Dabei ist es auch bei deutschen Firmen unstrittig, dass der Iran seine Atomprogramme ausschließlich zivil nutzen darf und dass deutsche Technik, die militärisch genutzt werden kann, in einem solchen Land nichts zu suchen hat. Aber die Mittel, die Deutschland, Europa und die USA dafür verwenden, dies zu verhindern, sind viel zu unspezifisch und beschädigen damit Geschäftsbeziehungen, die seit Jahrzehnten von deutschen Unternehmen aufgebaut worden sind. Wenn deutsche Unternehmen Monate auf Exportgenehmigungen warten müssen, wenn Großbanken wie die Deutsche Bank, die Jahrzehnte gut an diesem Land verdient haben, plötzlich iranischen Privatkunden die Konten kündigen, dann hat das wenig mit der Verhinderung von Exporten oder problematischen Gütern zu tun, sondern man schädigt deutsche Exporteure und ihre langfristigen Interessen in diesem Land. Die Politik kann bei einer möglichen Verhandlungslösung im Atomkonflikt schnell wieder zu normalen Beziehungen zurückkehren. Unternehmen, die den iranischen Markt verloren haben, brauchen Jahre, um unterbrochene Geschäftsbeziehungen wieder aufzubauen. Politische Probleme müssen politisch gelöst werden und die Entwicklungen in Iran machen deutlich, dass sich Unternehmen und ihre Tätigkeit nicht als politische Hilfstruppen eignen.

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