Die digitale Reifeprüfung

von Tobias Schlegl5.12.2010Gesellschaft & Kultur

Die erste Freundin vergisst man nie. Selbst wenn sie ausschließlich Disketten schluckt und die gemeinsame Zeit aus piepsig-abgedrehten Comicabenteuern besteht. Heute ist die Freundin zwar schicker, doch nicht ansatzweise so spannend.

Meine erste Freundin hatte ich schon sehr früh. Es war der 30.9.1990, das Datum meines 13. Geburtstags, als ich sie auspacken durfte. Sie trug einen spanischen Namen: Amiga. Die perfekte Droge für einen Heranwachsenden. Anders als bei dem legendären C64 musste man, um die einzelnen Programme zu starten, noch nicht einmal mehr etwas eintippen. Diskette rein, fertig. Und schon verschwand die Realität und man tauchte ein in ein neues Digitalzeitalter mit Grafiken und Sounds, die zu der Zeit mit keinem anderen Computer vergleichbar waren.

Eine Welt voller Wortwitz, Kreativität und Wahnsinn

In der Schule zählte ich die Stunden, bis ich meine Freundin wiedersah. Ich tauchte ein in die Welten von “Maniac Mansion“ von LucasArts. Ein sogenanntes Grafik-Adventure, das meine Synapsen stundenlang herausforderte: Wie befreie ich die Herzdame aus den Klauen des durchgeknallten Professors? Soll ich den Hamster wirklich in die Mikrowelle stecken? Und wo zur Hölle ist das verdammte Benzin für die Kettensäge? Alle Leser, die Ähnliches durchgemacht haben, werden an dieser Stelle hoffentlich etwas Wehmut verspüren. Danach ein bisschen Kopfentspannung mit dem Jump’n’Run “Giana Sisters“. Wochen später das nächste Adventure: “ZakMcKracken“, für das mein komplettes Erspartes herhalten musste. Ein Boulevardreporter muss die Welt von einer außerirdischen Invasion befreien. Bissige Eichhörnchen, Marsgesichter und Verdummungsstrahl inklusive. Eine Welt voller Wortwitz, Kreativität und Wahnsinn. Gerätselt wurde übrigens nie allein. Diese Art Spiele eigneten sich perfekt dazu, zwei Freunde einzuladen, die so lange blieben, bis ihre Eltern anriefen. Außerdem wurde sogar mein Englisch gefördert, denn nachdem mit “Monkey Island“ schließlich alle möglichen LucasArts-Games durchgezockt waren, mussten die englischen Text-Adventures der Konkurrenzfirma Sierra herhalten: “Space Quest“, “Police Quest“ und natürlich “Leisure Suit Larry“. Ohne illegal besorgtes Lösungsheftchen musste man hier jedoch schon früh kapitulieren. Aber selbst mit der Lösung in der Hand mochte man gar nicht aufhören, den Helden Larry immer wieder scheitern zu sehen. Ein Monster namens Fortschritt sollte diese Idylle zerstören. Die Spiele wurden immer komplexer. Immer bessere Grafiken, immer mehr Disketten. Das gipfelte in “Indiana Jones 4“, das aus mehr als zehn Disketten bestand, die man schneller als ein DJ untereinander wechseln musste. Ich kapitulierte und wandte mich etwas Haptischerem zu: meiner ersten Gitarre.

MacBook bedeutet Arbeit

Zeitsprung. Mein MacBook und ich. Ein MacBook kann so ziemlich alles. Und braucht noch nicht einmal Benzin wie diese verdammte Kettensäge aus dem Hause des verrückten Professors. Aber das MacBook, so verspielt es auch daherkommt, bedeutet für mich Arbeit. E-Mails, Nachrichten checken, Texte schreiben. Konzepte entwickeln, recherchieren, Updates hochladen. Na ja, Sie wissen das ja selbst. Denn bei den Multimilliardenverkaufszahlen haben Sie höchstwahrscheinlich selbst einen zu Hause und unterstützen damit den heimlichen Herrscher dieser Erde: Steve Jobs (hatte ZakMcKracken doch recht? Jobs könnte so ein Außerirdischer sein, der seine Technik in jeden Haushalt einschleust und dann, wenn keiner damit rechnet, den Verdummungsstrahl aktiviert. Ein teuflischer Plan). Mein MacBook und ich – nicht mehr als eine Geschäftsbeziehung, ähnlich wie die Große Koalition von SPD und CDU. Die erste Freundin aber vergisst man nie.

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