Ohne Netzneutralität kein Internet

Timothy Karr24.06.2010Medien, Politik

Das Internet war von Anfang an als offenes und neutrales Netzwerk geplant. Dieser Status muss aufrechterhalten werden, wenn das Internet bleiben soll, wie wir es kennen. In den USA wird dieses Prinzip aber seit geraumer Zeit von Telefon- und Kabelanbietern massiv bedroht.

Einzig wegen der Netzneutralität haben Nutzer uneingeschränkten Zugang zu neuen Inhalten und neuen Ideen im Web; mit jedem Klick, den wir im Netz tätigen, entscheiden wir, aus welchen Ideen etwas wird und aus welchen nicht. Das Prinzip der Netzneutralität bewahrt diese nutzergenerierte Architektur. Sie ist der Grund dafür, warum das Internet zu einem kraftvollen Motor für Partizipation und demokratische Mitgestaltung geworden ist. Bislang hat dies brillant funktioniert, seit zwei Jahrzehnten prosperiert das Internet. Es entwickelte sich zu einem Wettbewerbsmarkt. Unter der Voraussetzung der Netzneutralität erschufen Doktoranden aus dem Schlafsaal heraus Google, starteten Collegestudenten Facebook, ein PEZ-Sammler eBay, ein israelischer Teenager schrieb den Code für Instant Messaging. Diese Entwickler fingen klein an und nutzten das Internet, um zu mächtigen Akteuren im Markt der neuen Medien zu werden. Ihre Ideen haben die Medienunternehmen des 20. Jahrhunderts transformiert – überführt in eine Epoche, in der Inhalte und Konsumenten König sind.

AT&T, Comcast und Verizon haben nichts zur offenen Kultur des Internets beigetragen

Wird Netzneutralität aber abgeschafft, wird dieser Markt zugunsten von Internetprovidern kippen. Denn die Macht dieser Kabelanbieter ist beträchtlich. Laut der Federal Communications Commission (FCC) haben mehr als 96 Prozent der User in den USA zwei oder weniger Breitbandanbieter zur Auswahl. Wie in jedem anderen Markt auch hat ein Mangel an Auswahl höhere Preise, langsamere Übertragungsraten sowie ein wachsendes Interesse der Monopolisten an der Kontrolle von Inhalten zur Folge. Was aber haben Unternehmen wie AT&T, Comcast und Verizon zur offenen und partizipatorischen Kultur des Internets beigetragen? – So gut wie nichts. Sie sind im Gegenteil seit Langem dabei, die Offenheit des Webs einzuschränken, die Beteiligung der Nutzer zu beschneiden, während die Gebühren für Internetverbindungen weiter in die Höhe geschraubt werden. Unter dem Einfluss intensiver Lobbyarbeit hob die FCC in der Zeit der Bush-Administration die Bedingungen für einen freien Zugang ins Web auf und gefährdete damit die Netzneutralität. Die Telekommunikationsunternehmen wollen das Internet, wie wir es kennen, nachhaltig verändern. Mit dem Fall der Netzneutralität soll ein Grundsatz des Internets abgeschafft werden: die Freiheit, Neuheiten einzuführen, ohne um Erlaubnis fragen zu müssen.

Lobbyisten ziehen alle Register

Dieses Szenario wäre für Nutzer und Anbieter von Web-Inhalten desaströs. Der Wert des gleichberechtigten Netzes ist zu groß, als dass es zugunsten neuer Erlösquellen für das Telekommunikationskartell geopfert werden darf. Aus diesem Grund haben einige der größten Verbraucherverbände in den USA ihre Unterstützung für den Erhalt der Netzneutralität zugesagt – ebenso wie Präsident Obama, die Sprecherin des Weißen Hauses Nancy Pelosi, Kongressabgeordnete sowohl von den Demokraten als auch von den Republikanern und die Mehrheit der FCC. Ohne strenge Antidiskriminierungsregeln können Internetanbieter die 40-jährige Geschichte offener Medien und ökonomischer Innovationen einfach so beenden. Ohne vorwärtsgewandte Breitbandregeln wird die US-Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Die großen Unternehmen und ihre Lobbyisten ziehen alle Register und verwässern diese Regeln. Wem also etwas an der Zukunft des Internets liegt, sollte sich für die Netzneutralität einsetzen.

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