In die Pflicht genommen

von Ties Rabe28.10.2012Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Wissenschaft

Ein Hochschulstudium ist auch nach Bologna keine Berufsausbildung. Bei der Umsetzung der Reformziele sind allerdings auch die Hochschulen in der Pflicht. Sie tragen eine Mitverantwortung für die Ergebnisse.

Alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche müssen sich ständig neuen Herausforderungen stellen. Warum sollte es auch anders sein? Wer besser werden will, muss sich weiterentwickeln. Das gilt natürlich auch für die Hochschulen. Und: Die Liste der Herausforderungen – Bolognareform, Studiengebühren, Doppeljahrgänge – ließe sich noch ergänzen: Qualitätssicherung durch Akkreditierung, Globalhaushalte und leistungsorientierte Mittelvergabe, Diversitätsmanagement und Internationalisierung gehören ganz bestimmt dazu. Die Hochschulen stehen im Kontext der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen vor einer Vielzahl von inhaltlichen, organisatorischen und finanziellen Herausforderungen. Aber sie stehen diesen nationalen und internationalen Herausforderungen nicht nur „gegenüber“, sondern sie handeln und gestalten und werden dabei von den Ländern und vom Bund in vielfältiger Weise unterstützt. “Die Exzellenzinitiative”:http://www.theeuropean.de/debatte/6813-erste-bilanz-der-exzellenzinitiative ist ein Beispiel, der Hochschulpakt mit der Finanzierung zusätzlicher Studienanfänger und dem Qualitätspakt Lehre ein anderes.

Umsetzung der Reform im Dialog mit den Hochschulen

Und gerade bei der Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses sehen wir “die Hochschulen von Beginn an als aktiv Handelnde”:http://www.theeuropean.de/erik-marquardt/5325-hochschule-im-wettbewerb mit Gestaltungsspielräumen und Mitverantwortung für die Ergebnisse. Die Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses erfolgt im Dialog mit den Hochschulen und den Studierenden und allen anderen Stakeholdern. Dass es hier, wie bei der Grundausstattung der Hochschulen, noch eine Vielzahl offener Wünsche gibt, verlieren wir dabei nicht aus den Augen, und setzen dabei – wie bisher – auf Dialog.

“Ob Studiengebühren oder nicht – das ist eine Frage der politischen Überzeugung.”:http://www.theeuropean.de/helmut-anheier/3398-studiengebuehren-2-0-2 Aus der Sicht der Hochschulen sind zusätzliche Mittel, die für die Verbesserung der Situation der Studierenden und Lehrenden an den Hochschulen verwendet werden können, hochwillkommen. Für die Studierenden sind sie zunächst eine persönliche Belastung und für manchen auch ein Grund, sich gegen ein Studium zu entscheiden.

Mit der Konkurrenz zu privaten Hochschulen leben die Hochschulen in Deutschland seit vielen Jahren. Vor eine staatliche Anerkennung haben die Gesetzgeber eine umfassende Qualitätsprüfung sowohl der Institution als auch der angebotenen Studiengänge gesetzt. Unbestritten ist, dass private Hochschulen, weil sie deutlich kleiner sind, schneller mit entsprechenden Studienangeboten auf Anforderungen insbesondere aus der Wirtschaft reagieren können, aber die Erfahrung zeigt, dass die staatlichen Hochschulen durch die Qualität ihrer Abschlüsse und die Beständigkeit und Berechenbarkeit überzeugen und auch bei steigender Zahl der nicht-staatlichen Anbieter diese Konkurrenz nicht zu fürchten brauchen.

Das Merkmal der Berufsqualifikation hat eine besondere Bedeutung erhalten. Dies wird auch dadurch deutlich, dass die Berufsrelevanz eines Studienganges ausdrücklich Gegenstand der Prüfung im Rahmen der obligatorischen Akkreditierung der Bachelor- und Masterstudiengänge ist. Vertreter der Berufspraxis sind auf allen Ebenen des Akkreditierungssystems und in allen Phasen des Akkreditierungsprozesses beteiligt.

Ziel eines Hochschulstudiums ist und bleibt aber auch nach der Umstellung auf Bachelor und Master die Vermittlung einer breiten, nicht auf ein spezielles Berufsfeld zugeschnittenen Qualifikation, die auch die Grundlage für lebenslanges Lernen bietet. Diesem Ziel folgt die Vermittlung wissenschaftlicher Grundlagen, Methodenkompetenzen und berufsfeldbezogener Qualifikationen, wie sie in den ländergemeinsamen Strukturvorgaben der Kultusministerkonferenz bereits für die Bachelorebene vorgesehen ist. Ein Hochschulstudium ist auch im gestuften Graduierungssystem keine Berufsausbildung.

Ein Studium beinhaltet Rechte und Pflichten

Und auch für die angesprochene individuelle Entwicklung der Studierenden in den Bachelor- und Masterstudiengängen sehe ich an den Hochschulen eine Vielzahl von Möglichkeiten und Herausforderungen, um sogenannte Soft Skills zu erwerben und z.B. im Rahmen der studentischen Mobilität Sprachen und Kulturen zu entdecken. Dass sich der zeitliche Rahmen, in dem dies passieren kann, mit der Umstellung auf die gestufte Studienstruktur verändert hat, sehe ich sehr wohl. Allerdings darf in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden, dass das Hochschulstudium nicht jedem offensteht, aber dennoch von allen bezahlt werden muss. Wer studiert, hat damit nicht nur ein Privileg und besondere Rechte und Chancen. Er ist zugleich auch gegenüber der Gesellschaft in der Pflicht, sein Studium zügig und konzentriert zu absolvieren. Hier gilt es, das richtige Maß zu finden. Im Gegenzug eröffnet die neue, berufsorientierte Studienstruktur nicht nur einen Wechsel zwischen Phasen akademischer Qualifizierung und beruflicher Erfahrung, sondern auch für eine Vielfalt der Berufsbiografien, die den Lebensumständen des Einzelnen ganz anders Rechnung tragen kann.

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