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Freier Blick aufs Tor!

Rund ums Brandenburger Tor werden gerne und viele Veranstaltungen ausgetragen. Das bringt immer Beeinträchtigungen mit sich. Auf die vielen anderen Freiflächen der Stadt wird aus vorauseilendem Gehorsam trotzdem nicht ausgewichen.

Auch 22 Jahre nach dem Mauerfall bleibt es ein seltenes Bild in Berlin: der freie Blick auf das Brandenburger Tor. Bewohner und Besucher mussten sich in den vergangenen Jahren daran gewöhnen, dass der bekannteste Platz der Bundesrepublik und die darauf zulaufende Straße des 17. Juni zu einem fast permanenten Veranstaltungsort für Jubiläen, Sportevents oder Megapartys geworden sind.

Erst drei Tage freie Fahrt

Gerade wird dort das weiße Zelt der Mercedes Benz Fashion Week abgebaut, in dem bereits im vergangenen Jahr die Defilees der Modewoche stattfanden und das auch in diesem Sommer wieder unter der Quadriga errichtet wird, dann erneut für drei Wochen. Seit Beginn des neuen Jahres gab es überhaupt nur drei Tage freie Fahrt auf der Ost-West-Verbindung, nämlich zwischen dem Abbauende der Silvesterpartybühne und eben dem Aufbaubeginn des Mega-Zelts.

„Das Brandenburger Tor hat international die Signalwirkung, dass man die Mode hier sehr ernst nimmt“, argumentiert Daniel Aubke, Sprecher des Fashion-Week-Veranstalters. Ohne Frage: Die Modebranche ist allein aus wirtschaftlichen Gründen wichtig für das klamme Berlin. Pro Saison bringt das Gastspiel der Textilbranche über 100 Millionen Euro in die Stadt.

Aber könnten der Senat und der Bezirk Mitte ihre Wertschätzung nicht auch mit einem anderen Standort ausdrücken? So bietet Berlin im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten gigantische innerstädtische Freiflächen, die obendrein mehr Platz bieten würden. Etwa auf dem Tempelhofer Feld, wo sich die Fashion Week in die Nachbarschaft der Bread & Butter, einer Mode-Schwesternveranstaltung, begeben würde. Oder auf der Wiese zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor, die obendrein noch verkehrsgünstiger zu erreichen wäre.

Die Fashion Week ist durch die langen Auf- und Abbauzeiten und den halbjährigen Turnus tatsächlich ein Hauptstörer am Brandenburger Tor, aber beileibe nicht die einzige Blockade. Insgesamt 24 Groß- und Einzelveranstaltungen sind auf der Straße des 17. Juni geplant. Für die Berliner Autofahrer bedeutet das Sperrungen an einem Verkehrsknotenpunkt, der durch die Bauarbeiten Unter den Linden oder in der Wilhelmstraße ohnehin chronisch verstopft ist. Und wenn BVG-Busse und Taxifahrer Umwege auf überlasteten Ausweichrouten fahren müssen, trifft es gleichzeitig auch die Touristen.

Die Straße ist nun noch partyfitter

Das größte Gedränge beginnt im April, wenn die Open-Air-Saison eröffnet wird. Dann finden hier neben dem Christopher Street Day und dem Marathon auch Fahrradrennen und das Public Viewing zur Fußball-EM statt. Neben diesen international bekannten Großveranstaltungen beherbergt die gerade für 3,8 Millionen Euro mit neuen Wasser- und Stromanschlüssen noch partyfitter gemachte Straße des 17. Juni allerlei kürzere und wesentlich weniger glamourösere Events. Ein Ausschnitt aus dem vergangenen Jahr: Avon Frauenlauf, Challenge Bibendum, LE Biketour oder Nisan Kinderfest. Ach ja, die Sperrungen durch Demonstrationen oder politische Kundgebungen kommen auch noch dazu.

Kritik an dem Veranstaltungsort vor dem Brandenburger Tor wird nicht selten mit dem Argument weggewischt, dass sich Berlin nun mal entscheiden müsse, ob es Kleinstadt oder Metropole sein möchte. Tatsächlich aber ist die Preisgabe des Verkehrsknotenpunkts und historischen Zentrums nicht etwa Ausweis besonderer Weltläufigkeit, sondern in den meisten Fällen provinziell vorauseilender Gehorsam gegenüber Veranstaltern, die leicht einen anderen Platz finden könnten.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Thore Schröder: Die gute Integrations-Stube

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