Mit unseren europäischen politischen Eliten ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Thomas Deichmann

Von falschen Vorwänden und neuem Terror

Der Raketen-Beschuss durch die Hamas ist kein Vorwand. Er ist ein guter Grund für eine harte militärische Reaktion.

Khouloud Daibes kommt aus Bethlehem im Westjordanland. Sie hat in Hannover Architektur studiert, war Tourismus-Ministerin und ist seit vergangenem Jahr Leiterin der palästinensischen Mission in Berlin.

Donnerstagmorgen gab sie im Deutschlandfunk ein Interview, in dem sie die israelischen Angriffe auf Terrorstellungen im Gaza-Streifen als „barbarischen Krieg und Massenmord an unserem Volk bezeichnete“. Daibes ist katholisch und parteilos, sie ist nicht islamistisch eingestellt, aber im Interview mit dem deutschen Sender redet sie wie eine Propagandabeauftragte der Hamas: „Die Raketen sind ein Vorwand, um den geplanten Krieg in Gaza zu starten.“

Keine Regierung der Welt kann das tolerieren

Das Gegenteil ist der Fall: Es war die Hamas, die nach einem Vorwand für Terror suchte und diesen im Rachemord eines 16-Jährigen Palästinenserjungen durch jüdische Extremisten fand. Obwohl die Regierung in Jerusalem dieses Verbrechen scharf verurteilt hatte.

Fast 12.000 Raketen sollen seit dem Abzug der israelischen Armee im Jahr 2005 aus dem Gaza-Streifen auf Israel abgefeuert worden sein. Doch so gefährlich wie jetzt war es nie: Mit ihren neuen M-302-Raketen aus syrischer Produktion können die Terroristen nunmehr auch die Metropolregion Tel Aviv, den Flughafen Ben Gurion, Jerusalem und den Atomreaktor in Dimona im Negev erreichen.

Trotz hoch effektivem Raketenabwehrsystem Iron Dome – keine Regierung der Welt kann solch einen ständigen Beschuss, solch eine dauerhafte Gefährdung seiner Bevölkerung und Wirtschaft tolerieren. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat lange mit einer harten Reaktion gezögert und dadurch sogar die Koalition mit seinen rechten Partnern riskiert.

Hamas steht Rücken zur Wand

Jetzt antwortet Israel mit dosierter Härte. Unter den Opfern in Gaza sollen viele Zivilisten sein, heißt es. Durch den Einsatz menschlicher Schutzschilder von der Hamas ist das unvermeidlich. Womöglich ist es für die Terrororganisation sogar von Vorteil. So können sich die Aggressoren als Verteidiger schutzloser Zivilisten produzieren, als mutige Kämpfer gegen eine militärische Übermacht.

Nach dem Bruch mit dem syrischen Regime und dem Putsch in Kairo, der die verbündeten Muslimbrüder von der Macht fegte, stehen die Hamas-Führer mit dem Rücken zur Wand. Nur wenn die Ägypter durch internationalen Druck gezwungen sein sollten, ihre Grenze zu Gaza öffnen, würde sich die Lage der Hamas in Gaza deutlich verbessern. Gemäßigte Palästinenser wie Khouloud Daibes sollten die Terrororganisation in diesem Vorhaben nicht auch noch unterstützen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: David Berger, Mareike Enghusen, Charlotte Knobloch.

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