In zehn Jahren werden die 67-Jährigen die 92-Jährigen pflegen. Kurt Biedenkopf

So dreist, so peinlich, so Berlin

In Berlin herrscht offensichtlich Narrenfreiheit: Ob das desaströse Katastrophenmanagement beim Fußballverein Hertha BSC oder bei der Posse um den neuen Flughafen, der nun doch erst 2013 kommt.

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Stirb langsam, alte Dame. Oder auf Neudeutsch: Die Hertha. Gestern wies das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Protest gegen das Ergebnis des Skandal-Relegationsspiels in Düsseldorf zurück. Das Gericht hat einen Einspruchsgrund gegen den Sieg von Fortuna Düsseldorf verneint, weil keine einseitige Schwächung Herthas vorgelegen habe. Der Verein ist abgestiegen, wenn nicht das DFB-Bundesgericht anders entscheidet.

Doch damit ist nicht zu rechnen. Hertha zeigt sich bei der Streitstrategie so desolat wie schon die gesamte Saison. Die von Klub-Anwalt Christoph Schickhardt erklärte „Todesangst“ bei den Spielern wegen der auf den Platz gestürmten Fortuna-Anhänger war spätestens dann als plumpe Schutzbehauptung entlarvt worden, als Schiedsrichter Wolfgang Stark am vergangenen Freitag über den tatsächlichen Gemütszustand der Elf berichtet hatte: Eine Traube von Amok-Kickern hatte den Unparteiischen mit obszönen Pöbeleien und sogar mit Schlägen in seine Kabine gehetzt. Hertha entschuldigte sich erst, als sie durch Starks öffentliche Aussage dazu gezwungen war, vier Tage nach dem Spiel, einen Tag nach der Verhandlung. Halbherzig und verklausuliert.

Gravierendes Missmanagement

Es ist nicht nur dieser letzte Akt im Krisenmanagement der Hertha, der an ein anderes aktuelles Berliner Fiasko erinnert: Die Verschiebung der BER-Eröffnung, jetzt sogar erst auf den 17. März 2013. So erklärte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) trotz des Multi-Millionen-Schadens und dem extremen Imageverlust im Abgeordnetenhaus: „Der Flughafen ist nach wie vor eine Erfolgsgeschichte.“ Seit der Bekanntgabe des Super-GAUs, der aller Voraussicht nach große Löcher in den Haushalt reißen wird und Hunderte Firmen in Existenznöte stürzt, vergeht kaum ein Tag ohne neue peinliche Enthüllungen. Zuletzt wurde bekannt, dass durch hochriskante Zinswetten („Swaps“) bei der Finanzierung Millionen verpulvert wurden. Wohlgemerkt unter der vermeintlichen Kontrolle des Bundes und zweier rot-roter Landesregierungen in Berlin und Brandenburg.

Immer weiter wurschteln darf Flughafen-Chef Rainer Schwarz, der schon zum Zeitpunkt der ersten Verschiebung um dann sieben Monate verantwortlich war. Die Aufarbeitung des neuen Aufschubs zeigt schon jetzt sein gravierendes Missmanagement. Die außerplanmäßigen chaotischen Arbeiten waren bereits im vergangenen Jahr bekannt, doch bis zuletzt versuchte man das Milliardenprojekt mit amateurhaftem Improvisieren doch noch halbwegs fertig zu bekommen.

Berliner Nibelungentreue

So eine lang angekündigte Katastrophe kennt man sonst nur von, richtig, Hertha BSC. Nach einer erfolgreichen Hinrunde rutschte das Team schon zum Winteranfang in die Krise, als sich der damalige Coach Markus Babbel und Manager Michael Preetz einen öffentlichen Kleinkrieg lieferten. Michael Preetz ist der Rainer Schwarz von Hertha. Er verpflichtete mit Michael Skibbe nach Babbel einen Trainer, der nach fünf hintereinander verlorenen Spielen gleich wieder gehen musste. Dann kam Preetz auf die Idee, den im Abstiegskampf unerprobten Fußball-Greis Otto Rehhagel als vermeintlichen Retter zu verpflichten. Doch der konnte die Spieler nie erreichen. Michael Preetz bemühte derweil jede Woche die gleichen Durchhaltephrasen, einmal sogar in Form eines Gaga-Interviews mit sich selbst auf der Vereinshomepage.

Es sieht so aus, als wenn der Manager auch in der Zweiten Liga mit der im Vergleich zum letzten Mal nun ungleich schwereren Aufgabe des Wiederaufstiegs betraut werden soll. Vergangene Woche durfte er schon mal die Verpflichtung des neuen Trainers Jos Luhukay bekanntgeben. Michael Preetz darf, weil Präsident Werner Gegenbauer ihn lässt. Eine solche Form der Nibelungentreue kennt man sonst nur von Klaus Wowereit und Rainer Schwarz.

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