Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen. Helmut Schmidt

Bruchlandung

Bei den Querelen rund um den neuen Hauptstadt-Flughafen BER blicken nur noch Insider durch. Mittlerweile ist das Projekt für viele Berliner ein Ärgernis – da hilft auch kein Basta des Regierenden Bürgermeisters.

Nach 20 Jahren Diskussion, fünf Jahren Bauzeit und eineinhalb Jahren offenem Streit steht jetzt fest, dass vieles noch nicht feststeht. Auch nach Bekanntgabe der angeblich endgültigen Abflugrouten vom neuen Hauptstadt-Airport BER Willy Brandt, der am 3. Juni seinen Betrieb aufnimmt, wird weiter gekämpft um die bevölkerungsschonendsten Strecken.

Der BER ist vor allem ein Ärgernis

Gestern traf sich eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Flughafens, der Fluggesellschaften, der deutschen Flugsicherung und der brandenburgischen Landesregierung, um über die Kappung von Flugzeiten an Sonn- und Feiertagen sowie in der Nacht, außerdem Justierungen bei der Höhe und dem Verlauf einzelner Routen zu beraten.

Dabei blickt außer den Fachleuten, Betroffenen und einzelnen Journalisten bei diesem Thema schon lange keiner mehr durch. Vier Monate vor seiner Eröffnung ist der BER für die Berliner vor allem ein Ärgernis geworden. Das zeigte in der vergangenen Woche auch eine Forsa-Umfrage, in der 50 Prozent der Befragten angaben, man hätte es bei den alten Flughäfen Tegel, Tempelhof und Schönefeld belassen sollen. Die Hälfte der Berliner zieht einem modernen Mega-Airport drei überlastete Flugfelder aus der Kalten-Kriegs- bzw. Vorkriegszeit vor. Wie ist das möglich?

Es liegt an einem Missverständnis. Die Planer nahmen an, dass die Hauptstädter sich über die vergleichsweise kurze An- und Abfahrt freuen würden und dass der Anschluss an die Stadtautobahn und das Bahnnetz günstiger werden würde. Tatsächlich ist es gerade diese Nähe, die das Problem ist. Vom Fluglärm werden Schätzungen zufolge nach Inbetriebnahme rund 113.000 Menschen betroffen sein. Im Planfeststellungsbeschluss war von nur 34.000 die Rede. Am Alternativstandort Sperenberg südlich von Zossen, wo ein alter Russen-Flugplatz ausgebaut worden wäre, hätte es danach nur 1.925 Leidtragende gegeben. Die Sperenberg-Befürworter rechneten bis zum Schluss vor, dass ein notwendiger teurer Tiefbahnhof in Schönefeld den Kostenvorteil auffräße, dass die Bahnfahrt weiter in den Süden nur wenige Minuten länger gedauert hätte.

„Es muss auch mal Ruhe einkehren“

Es sind nur einige von vielen Ungereimtheiten, die den Mega-Airport in den vergangenen Jahren begleitet und bis zuletzt die Planungssicherheit des Mega-Investments (2,5 Milliarden Euro) infrage gestellt haben. Flughafenchef Rainer Schwarz drückt es vorsichtig-fremdsprachlich aus, als er gestern von weiteren notwendigen „Adjustierungen“ sprach. Tatsächlich musste die Flughafengesellschaft bis zum vergangenen Herbst sogar mit einer Pleite rechnen. Gaben Air Berlin und Lufthansa ihre Pläne für eine weitreichende Nutzung doch erst bekannt, als das Bundesverwaltungsgericht Klagen aus umliegenden Gemeinden gegen nächtliche Flüge in Randzeiten abgeschmettert hatte.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) versuchte es am Donnerstag nach der Bekanntgabe der Flugrouten mit einem Basta. „Es muss auch mal Ruhe einkehren“, sagte er und sprach von einem Kompromiss für die Berliner. Aber gut ist es damit noch lange nicht.

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