Do they know it’s bullshit?

Thore Barfuss21.11.2014Medien

Die ARD lässt sich von Bob Geldorf und Band Aid instrumentalisieren. Interesse an kritischer Auseinandersetzung zeigt sie nicht.

Bob Geldof macht mal wieder für Afrika mobil. Wer lesen möchte, warum die Aktion längst nicht so gut ist, wie sie gemeint ist, kann das “hier”:http://www.stern.de/kultur/musik/ebola-hilfe-bob-geldof-greift-zu-plumpen-afrika-klischees-2153937.html oder “hier”:http://www.dw.de/kommentar-band-aid-gut-gemeint-aber-ohne-viel-wirkung/a-18063885 oder “hier”:http://www.tagesspiegel.de/kultur/bob-geldof-mitleid-muss-sein-do-they-know-its-christmas/10991466.html tun. Oder in so gut wie “jedem anderen Kommentar”:http://meedia.de/2014/11/20/die-massen-betroffenheitswaffe-sir-bob-campino-und-das-deutsche-do-they-know-its-christmas/, der zu der Aktion geschrieben wurde.

Offenbar lesen sie in der ARD aber keine Kommentare, denn anders lässt sich nicht erklären, warum das deutsche Video zum „Band Aid 30“-Song heute dort “Premiere feiern darf”:http://www.daserste.de/specials/ueber-uns/band-aid-30-video-premiere-do-they-know-its-christmas-bob-geldof-100.html. Und zwar nicht irgendwann mal zwischendurch oder im Internet. Nein, zur allerbesten Sendezeit um 19 Uhr 56. Wobei: Sendezeit ist eigentlich Quatsch, man sollte von der allerbesten „Werbezeit“ sprechen.

Denn bekanntermaßen dürfen die Öffentlich-Rechtlichen nach 20 Uhr nicht mehr werben und der Spot um kurz vor acht ist einer ihrer wichtigsten Werbeplätze. Allein die letzte Minute vor 20 Uhr (die so genannte „best minute“) “kostet 34.800 Euro”:http://www.ard-werbung.de/tagesschau/. Aber viel besser als ich kann das die ARD formulieren:

bq. Der Vorabend nimmt innerhalb des gesamten Fernsehtages einen besonderen Stellenwert ein. […] Die 20 Uhr Tagesschau im Ersten setzt dabei seit über 60 Jahren in Deutschland die Zäsur zum Hauptabend. Der Vorabendzeit fällt dabei durch seine psychologische Funktion des Hinführens zur 20 Uhr Grenze eine herausragende Bedeutung zu. […] Aber nicht nur aus Sicht des Zuschauers, sondern auch aus Sicht der Werbekommunikation erfährt der TV-Vorabend eine hohe Relevanz. Zu keiner anderen Tageszeit sind mehr Zuschauer durch TV-Werbung erreichbar als am Vorabend. Dem öffentlich rechtlichen Sender Das Erste fällt dabei eine besondere Bedeutung zu. (“Quelle”:http://www.ard-werbung.de/wissen-und-forschung/tv-forschung/tv-welt/bedeutung-der-vorabendzeit-fuer-die-tv-werbung/)

Fünf Fragen an die ARD

Warum also ist die ARD bereit, einen solch wertvollen Sendeplatz an ein fragwürdiges Projekt zu vergeben, das vor allem der Profilierung der teilnehmenden „Stars“ dient? Ich habe dazu folgende fünf Fragen an die ARD-Pressestelle geschickt:

# Was erhofft sich die ARD durch die Ausstrahlung des Videos?
# Warum gibt es einen solch exklusiven Sendeplatz ausgerechnet für diese Charity-Aktion?
# Darf die durch den Song vertretene Botschaft auch als Botschaft der ARD verstanden werden?
# Sieht die ARD durch die Ausstrahlung des Videos ihren Bildungsauftrag erfüllt?
# Welche Kosten entstehen der ARD durch die Ausstrahlung?

Ich erhielt daraufhin das folgende Statement von Thomas Schreiber, dem ARD-Koordinator für Unterhaltung, in dem auf fast keine der Fragen geantwortet wurde:

bq. Das Interesse an der Aktion und dem Song ist erkennbar so groß, wie es sich ja auch in der breiten medialen Aufmerksamkeit für Band Aid 30 niederschlägt, dass wir dafür gerne kostenfrei einen Sendeplatz zur Verfügung gestellt haben.

Anhand der nicht beantworteten Fragen kann ich also nur spekulieren, was die ARD wirklich will: Verspricht sie sich, das „junge Publikum“ zu erreichen? Glauben die Verantwortlichen tatsächlich, damit etwas Gutes zu tun? Geht es einfach nur um die Quote? Was ist mit der Verantwortung der ARD, Stichwort „Bildungsauftrag“? Wir werden wohl nie erfahren, warum die ARD so bereitwillig auf den Geldof-Zug aufspringt.

Was aber das (Nicht)-Statement anbelangt, habe ich noch einen kleinen sprachlichen Hinweis: Es ist eindeutig in der falschen Zeitform formuliert. Viel passender wäre das Futur II gewesen: „Das Interesse an dem Song wird groß gewesen sein“, hätte da stehen müssen. Denn wie soll das Interesse an einem Song groß sein, den die Öffentlichkeit noch nicht gehört hat?

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