ARD setzt endlich Stern-TV ab

von Thore Barfuss5.06.2015Medien

Günther Jauch hört zum Jahresende mit seinem Polit-Talk auf. Richtig angekommen ist er auf dem Premium-Platz der Polit-Talker nie.

Die höchsten Quoten! Aller Zeiten! Mit einem Talk-Format! Und sowieso: Die höchsten Quoten! In der Pressemeldung zu Günther Jauchs Abschied von dem nach ihm benannten Talk zu Ende 2015 wimmelt es nur so von Lobpreisungen.

bq. „Günther Jauch erreicht mehr Zuschauer als bislang alle vergleichbaren politisch-aktuellen Talkformate. Außerdem liegt der Anteil der jüngeren Zuschauer so hoch wie nie zuvor. An diesen Erfolg werden wir 2016 anknüpfen können und unseren Premium-Anspruch in diesem Genre aufrechterhalten – dann leider ohne Günther Jauch. Jetzt freuen wir uns aber erst mal auf seine zweite Halbzeit in 2015.“ (Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen)

Die Frage ist, ob die bei der ARD auch mal die Sendung gesehen haben? Hohe Quoten sind das eine, gute Sendungen sind das andere. Und von denen hatte Jauch leider nur sehr wenige.

Wenn man wie ich über Jahre hinweg immer Polit-Talkshows rezensiert (drüben bei der “„Welt“”:http://suchen.welt.de/woa/index.php?search=thore+barfuss&wtmc=suche_head), entwickelt man leicht eine zynische Haltung gegenüber den Sendungen, da ist dann schnell jede Sendung ein Debakel. Und wahrlich: Vergnügungssteuerpflichtig sind selbst die besten Ausgaben nicht. Wenn man dann aber einsieht, dass das weniger an den Sendungen als an der politischen Realität liegt, beginnt man, die kleinen Dinge zu schätzen. Die großartigen Interview-Fähigkeiten von Anne Will zum Beispiel. Oder die immer wieder gute Auswahl der Gäste bei Sandra Maischberger.

Harte Politik-Themen kann Jauch nicht

Bei der Wahl von Günther Jauch als ARD-Premiumtalker war ich von Anfang an skeptisch. Ähnlich wie “Stefan Raab”:http://www.theeuropean.de/thore-barfuss/5471-stefan-raabs-polittalkshow-absolute-mehrheit oder Markus Lanz war er für mich immer mehr Entertainer als politischer Denker. Nachdem er den Premium-Platz am Sonntag von Anne Will übernommen (geklaut) hatte, brauchte es nur wenige Sendungen, um zu zeigen: Harte Politik-Themen kann Jauch nicht. Kein Wunder also, dass es über die Jahre immer die besonders politisch aufgeladenen Sendungen waren, in denen Jauch nicht besonders glänzte (man denke zum Beispiel an Varoufakis zurück). Es mag Zufall sein, aber auch die letzte Sendung zur FIFA war “alles andere als überzeugend”:http://www.spiegel.de/kultur/tv/guenther-jauch-ueber-den-fifa-skandal-heikle-fragen-wurden-ausgespart-a-1036470.html.

Erst wenn es um weiche Themen ging, in den Wochen, wo es mal kein vorgegebenes Thema gab, konnte Jauch seine Stärken zeigen. Weder Anne Will noch Sabine Christiansen waren dafür bekannt, neben der Politik auch noch Sportshows/Gameshows/Jahresendshows/Boulevardshows moderieren zu können. Es ist selten so, dass einer, der alles kann, das auch noch besser macht. Und so wirkte Jauch auch immer: unpolitisch und unmotiviert.

In der “Logik der ARD mag die Entscheidung für Jauch konsequent gewesen sein”:http://www.theeuropean.de/thore-barfuss/10185-das-system-oeffentlich-rechtlicher-rundfunk. Die Frage, die sich auch wieder beim Jauch-Nachfolger stellen wird, ist, ob hohe Quoten eben alles sind.

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