Ich spare durch Wachstum. Norbert Röttgen

Eine Begegnung auf Augenhöhe

Das TV-Duell war der Höhepunkt des bisherigen Wahlkampfes. Beide Kandidaten lieferten sich einen harten inhaltlichen Schlagabtausch, das Einlullen ist vorbei. Für die Wählerinnen und Wähler ist zu hoffen, dass es dabei auch in den kommenden Wochen bleibt.

Angela Merkel und Peer Steinbrück begegneten sich auf Augenhöhe. Beide Diskutanten präsentierten sich faktensicher und selbstbewusst. Die Moderatorinnen und Moderatoren behandelten beide gleich. Die Bundeskanzlerin war „Frau Merkel“ – und als solche sichtlich nicht gewohnt, immer mal wieder unterbrochen zu werden.

Beide Kandidaten verhielten sich im Wesentlichen rollenkonform: Peer Steinbrück griff an. Angela Merkel verteidigte. Gegenangriffe gab es von ihr nicht. Ohne Kanzlerbonus wirkte sie auf Normalmaß herabgestuft. Der Nimbus war zumindest für 90 Minuten weg.

Merkels Absage an Pkw-Maut

Steinbrück hatte sich erkennbar vorgenommen, sich nicht zu Ausbrüchen hinreißen zu lassen. Das zumindest ist ihm gelungen. Steinbrück galt vor dem Duell in Umfragen als Underdog. Gemessen daran hat er gepunktet. Eine Begegnung auf Augenhöhe ist für ihn ein Erfolg. Das Wort „Bundeskanzler Steinbrück“ ist nach diesem Duell weniger unvorstellbar als vorher.

Inhaltlich gab es wenige Überraschungen. Eine war Merkels sehr deutliche Absage an die von der CSU geforderte Pkw-Maut für Ausländer. Unter Druck lehnte sie die Maut deutlicher als zuvor ab und brüskierte damit den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, der die Maut vehement fordert.

Das Format kam offensichtlich eher Steinbrücks Temperament zugute: Schnelles Hin und Her ohne allzu intensives Nachhaken ist seine Stärke. Merkels Haltung der „Politik der ruhigen Hand“ ist in einem solchen Format schwer rüberzubringen.

Merkel verweigerte Zuspitzung

Vor dem Duell hatten sich beide Seiten keinen Gefallen getan. Angela Merkels einlullender Wahlkampf und ihre auffällige Weigerung, Steinbrücks Namen in den Mund zu nehmen, heizten das öffentliche Interesse an: Mehr als in der Vergangenheit hoben Zeitungen das Duell auf ihre Titel, schon bevor es begann.

Die von Merkel im Wahlkampf verweigerte Zuspitzung holten sie gerne nach: von der „letzten Patrone“ sprach die „Zeit“, und die „taz“ zeigte beide Kombattanten mit Pistolen in der Hand.

Merkels Plan, möglichst unauffällig zur Ziellinie zu kommen, ging an diesem Wochenende nicht auf. Sie hatte sich selbst angreifbar gemacht, weil die publizistische Öffentlichkeit sich nach den vergangenen, eher plätschernden Wochen nun eine Konfrontation gab, der auch Merkel nicht ausweichen konnte.

SPD machte es Kandidaten schwer

Die SPD machte es ihrem Kandidaten kurz vor dem Duell ebenfalls unnötig schwer. Laut Umfragen galt er bei einer Mehrheit der Deutschen als Underdog – eine komfortable Rolle, weil man so nur noch gewinnen kann.

Die SPD wies gleichwohl so häufig voller Vorfreude auf das Duell hin, gierig, dass Merkel wenigstens für anderthalb Stunden nicht weglaufen konnte, dass sie unnötige Erwartungen an Steinbrück schürte – seine Partei legte die Messlatte für ihn dadurch unnötigerweise hoch.

Gewonnen haben in jedem Fall die Zuschauer. Der direkte Vergleich von Kandidat und Kandidatin und ihren Inhalten erlaubt auch denen einen direkten Vergleich, die nicht das Lesen von Parteiprogrammen zu ihren Hobbys zählen. Die Moderatorinnen und Moderatoren stellten inhaltliche und programmatische Fragen. Es gab inhaltliche Antworten. Das Duell hat zur öffentlichen Meinungsbildung beigetragen. Aufklärerisches Fernsehen. Gut so.

Der Beitrag ist Teil einer Kooperation mit heute.de

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