Der Mensch kann nicht in einem einzelnen Lebensbereich recht tun, während er in irgend einem anderen unrecht tut. Mahatma Gandhi

Ein Hut, ein Stock, ein Rettungsschirm

Auf Biegen und Brechen wird Griechenland noch aus der Schuldenfalle gezogen. Doch auch die Politik hat keine Wunderwaffen gegen die Misere des Landes – also wird es zunächst für den Steuerzahler teuer.

Es ist die Woche der Entscheidungen über die Zukunft Griechenlands. Mit aller Macht werden die Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag an einer Lösung arbeiten, um einen Staatsbankrott Griechenlands zu verhindern. Es wird wohl auf einen Kompromiss hinauslaufen, der aus vier Elementen besteht:

Erstens wird die deutsche Forderung erfüllt, die privaten Gläubiger in die Pflicht zu nehmen. Für die Bundeskanzlerin ist dieser Punkt unverzichtbar, selbst wenn er quantitativ nur einen symbolischen Beitrag zur Problemlösung beisteuern wird. Aber nur so kann die Bundesregierung mit einer Zustimmung im Bundestag und einer Akzeptanz in der europakritischen Bevölkerung rechnen.

Zweitens wird der französischen Forderung stattgegeben, dass der Beitrag der privaten Gläubiger nur auf freiwilliger Basis erfolgen darf. Das ist auch deshalb unverzichtbar, weil nur so die Ratingagenturen bereit sein werden, den Kompromiss nicht als formale Zahlungsunfähigkeit Griechenlands zu bewerten.

Drittens wird es für den Steuerzahler in den starken Euro-Ländern teurer. Die staatlichen Rettungsschirme werden breiter und weiter gespannt. Der dauerhafte Rettungsschirm (ESM) wird mit 700 Milliarden Euro ausgestattet. Der befristete Schirm (EFSF) soll auf die Garantiesumme von 780 Milliarden Euro aufgestockt werden.

Unverzichtbarkeit eines Kurswechsels

Viertens muss Griechenland strukturelle Reformen anpacken und umsetzen. Das falsche Leben auf Pump wird durch ein Leben in Sparsamkeit abzulösen sein. Konkret bedeutet das: Das neueste Sparpaket und das Privatisierungsprogramm in Höhe von 50 Milliarden Euro müssen noch vom griechischen Parlament gegen den Widerstand der Straße beschlossen werden. Um den Druck zu erhöhen, haben die Euro-Finanzminister vorigen Sonntag die endgültige Entscheidung über eine weitere Hilfe an Griechenland vorerst vertagt. Noch ist aus heutiger Sicht offen, ob es die Regierung am Ende schafft, das Volk von der Unverzichtbarkeit eines Kurswechsels zu überzeugen.

Keine perfekte Wunderwaffe

Natürlich ist dieser Kompromiss keine perfekte Wunderwaffe, die schlagartig alle Probleme beseitigen wird. Aber er ist immer noch billiger als jede Alternative. Insbesondere der immer wieder geforderte Austritt Griechenlands aus der Währungsunion würde keine Probleme wirklich lösen, jedoch neue schaffen. Würde Griechenland den Euro aufgeben und zur Drachme zurückkehren, wäre ein sofortiger Zahlungsausfall aller ausstehenden griechischen Schulden die unmittelbare Konsequenz. Über Nacht würden die griechischen Banken pleite gehen, weil alle, die könnten, sich noch rasch ihre Euroguthaben ausbezahlen ließen. Dadurch würden Schockwellen ausgelöst werden, die weit über Griechenland hinaus wirkten.

Der gleiche Bank-Run wiederholte sich in Portugal, Irland vielleicht sogar Spanien. Auch hier zögen Sparer aus Angst ihre Einlagen zurück. Spätestens dann würden auch Gläubiger in starken Euro-Ländern mitgerissen. Nämlich jene, die mit wertlos gewordenen Forderungen gegenüber südeuropäischen Schuldnern dastehen. Sie wären nun ihrerseits nicht mehr in der Lage, ihre Verbindlichkeiten zu erfüllen. Zudem hätte das bankrotte Griechenland über lange Zeit alles Vertrauen verspielt. Neue Kredite gäbe es nur noch gegen hohe Risikoprämien. Das wiederum ließe die meisten Investitionen unrentabel werden. Die Konsequenz wäre ein Teufelskreis der Verelendung, der eine weitere Abwanderung von Menschen und Maschinen provoziert. Wohin eine derartige Staatspleite eines isolierten Landes langfristig führt, kann man am Zerfall der DDR studieren.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Frank Schäffler, Volker Wissing, Markus Söder.

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