Lunch is for Loser

von Thomas Ramge18.04.2014Wirtschaft

Thomas Ramge spricht über Workflow-Management, Prozessoptimierung und Synergiepotenziale und kommt dabei zu dem Schluss, dass ein geregeltes Mittagessen doch ganz wichtig ist.

Ich schaue in mein Postfach. Das gibt es doch nicht. Der Finanzvorstand schreibt eine Mail an mich? Ah. Nicht nur an mich: Kopie: all.konzern.

„Sehr geehrte Kolleginnen, sehr geehrte Kollegen! Demnächst wird ein Team von Mitarbeitern der Beratungsfirma Driving Efficency Group abteilungsübergreifend umfangreiche Recherchen zu Workflow-Management, Prozessoptimierung und der Identifizierung von Synergiepotenzialen in unserem Unternehmen durchführen!

Bitte unterstützen Sie die Mitarbeiter der Beratungsfirma DEG bei ihrer Arbeit und nehmen Sie sich die erbetene Zeit für persönliche Interviews!

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung! Mit freundlichen Grüßen!

Henning von Lintfort, Chief Financial Officer“

Die nächste Mail ist von Susanne, der Assistentin meines direkten Chefs. Ich soll einen Termin mit einem Sven-Oliver Heidenreich von der DEG machen. Am besten noch diese Woche. Am besten direkt. Es geht um ein Interview zu den Workflows bei uns im Marketing.

Für meinen persönlichen Arbeitsfluss, wäre es deutlich günstiger, wenn ich mich jetzt nicht mit Workflow-Management beschäftigen müsste. Ich muss das Agenturbriefing fertig bekommen. Bis heute Abend.

Kommt die Kommunikationslawine erst mal ins Rollen, ist der Tag im Arsch

Ich schicke dem Typen eine Mail, dass ich mich auf das Interview zu Workflow-Management freue. Gerne übernächste Woche. Während ich auf Senden drücke, kommt mir ein Buch in den Sinn, das mir meine Ex-Freundin geschenkt hat: „Never Do E-Mails in the Morning.“ Kernaussage: Kommt die Kommunikationslawine erst mal ins Rollen, ist der Tag im Arsch.

Ich klicke das Dokument agenturbriefing-crossmedia.ppt nach vorne und suche die Folie „TV-Ads online“. Das Telefon klingelt, bevor ich sie gefunden habe. Eine Nummer aus dem Haus, die ich nicht kenne.

„Lukas Frey.“
„Sven-Oliver Heidenreich. Hallo Herr Frey, danke für Ihre schnelle Response.“
„Sehr gerne.“
„Ich dachte, ich rufe Sie direkt an, um unsere Agendas abzugleichen.“
„Gerne. Ein Moment, ich mache kurz meinen Kalender auf.“
„Sie schlugen KW 14 vor. Ich fürchte, unsere Study ist eine High-Priority-Actionable. Und ich bin ab nächste Woche extrem tight getaktet.“
„Das heißt?“
„Auch nächste Woche ist zu spät. I am sorry.“
Mein Blick fällt auf die Mail von Lintfort. Oder muss man von von Lintfort sagen? Egal. Klar ist: Aussitzen wird diesmal nicht funktionieren. Mir fällt ein, dass Berater gerne am Donnerstag heimfliegen. Um freitags im Büro nur zehn Stunden arbeiten zu müssen.
„Wie wäre es mit Freitagnachmittag? Da sähe es gut bei mir aus“, frage ich betont freundlich.
„I am nochmal Sorry. Freitag habe ich mehrere wichtige Tentatives drin“, sagt Heidenreich.
„Dann weiß ich auch nicht.“
„Wie wäre es heute direkt nach dem Lunch? 14 Uhr. Da könnte ich was freiräumen.“
Ich überlege kurz, ob ich sage: Da habe ich mehrere wichtige Tentatives drin. Die Mail unseres CFO kommt mir wieder in den Sinn. Aber ich brauche den Nachmittag für das Briefing. Shit! Ich vergesse den Spruch mit den Tentatives. Besser der Tag ist am Arsch als ich.
„Ginge auch 13 bis 14 Uhr?“
Während ich das sage, sehe ich mich bereits ein Käsebrötchen in der Kantine holen und am Schreibtisch essen.
„Bestens, Herr Frey“, sagt Junior Consultant Sven-Oliver Heidenreich am anderen Ende der Leitung. Und schiebt noch hinterher: „Lunch ist doch eh für Loser!“

Ich höre mich noch sagen: „Many thanks für den Hinweis.“ Und lege auf. Wütend und hungrig. Eine klassische Win-Win-Situation ist das nicht! Bingo.

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