Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler

von Thomas Ramge9.11.2009Wirtschaft

Thomas Ramge spricht mit Entscheidern. Und freut sich über ihre schönsten Formulierungen. Heute ein Best-of-Medley aus 60 Minuten Strategiesitzung.

Das Meeting war sehr produktiv und das lag wohl auch an dem produktiven Aufschlag, den der C-Einser gleich zu Beginn machte. Er sagte: “Das ist alles ein Thema des Mindsets.” Und er ergänzte: “Aber da gibt es halt einen Gap.” Wer möchte da schon widersprechen, zumal dem C-Einser ohnehin selten jemand widerspricht. Der C-Dreier Strategie sekundierte: “Sehr richtig. Und um das Mindset zu ändern, brauchen wir eine breitere Awareness für das Thema.” Ich dachte noch darüber nach, ob es der oder das Mindset heißt, und warum eigentlich die Awareness, wo im Englischen doch alles Abstrakte sachlich ist, da griff der C-Zweier Produktentwicklung in die Debatte ein: “Die eigentliche Message ist doch: Wir müssen stärker taylormade werden.” Die Response war eher divers. Der C-Zweier Marketing war sich sicher: “Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!” Seine Trainee warf ein: “Das ist für die Zukunftsfähigkeit absolut elementar.” Der C-Zweier HR fragte, was das, angenommen die Köder-Fisch-Angler-These sei richtig, eigentlich für die Employability heißen würde, worauf allerdings niemand antwortete, zumal das ja auch eigentlich nicht hierher gehörte, denn es ging ja um den oder das Mindset.

“Das ist doch alles schon tough enough”

Der C-Einser fragte in Runde: “Wie schnell ist unsere Veränderungsfähigkeit gegeben?” Das gehörte hierher, aber es wusste leider auch auf diese Frage niemand eine konkrete Antwort. Der C-Zweier Strategie, vom Mindset her Typ Reichsbedenkenträger, gab zu bedenken: “Time to market ist erfolgskritisch, aber wir werden den Wandel nicht steuern können, wenn er nicht bereits im Ansatz ganzheitlich gedacht ist.” Genau da sehe er erhebliche Defizite. Der C-Zweier HR versuchte es erneut: “Das ist doch alles schon tough enough. Wir müssen motivativ bleiben.” Warum die Marketing-Trainee in dem Zusammenhang anmerkte “Stichwort Trittbrettfahrer!”, habe ich nicht verstanden. Dann hörte ich mich selbst sagen. “Wir müssen die Perspektive handlen können, sonst bringt das alles nichts.” Der C-Einser sagte: “Was reden Sie da?” Darauf hatte ich wiederum keine Antwort, aber zum Glück gab der C-Zweier der Debatte in diesem Moment einen neuen, versöhnenden Twist: “Man muss auch gönnen können.” “Absolut. Absolut erfolgskritisch, gerade wenn wir taylormade als eigentliche Message positionieren”, sagte ich. Der C-Einser schaute versöhnt drein. Ich nahm mir vor, in dem Meeting jetzt nichts mehr zu sagen. Der C-Zweier Marketing drehte dagegen jetzt voll auf: “Wenn wir es richtig anstellen, können wir das Thema auch im Nachhaltigkeitsbericht profitabel abbilden.” Seine Trainee überholte wieder rechts: “Wie wäre es, wenn wir die Strategie noch ein wenig wholistischer angehen?” Bullshit, dachte ich. Aber wieder kam sie mit diesem Blödsinn durch. Der C-Einser: “Ja, das sehe ich auch so. Wir müssen nur die Key-Learnings besser bündeln und noch besser in die Organisation zurückspiegeln.” Er schloss an: “Wir sollten uns alle vornehmen, Mission und Vision noch besser kongruent zu bekommen.” Alle nickten. Ich sagte: “Gerade das ist ein Thema des Mindsets.” Der C-Einser schaute genervt. Am nächsten Morgen wachte ich wieder mit Bauchschmerzen auf. Kein Bingo.

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