Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen. Heiner Geißler

Wendehälse haben Konjunktur

Extreme politische Wenden sind komplexe und schwer einzuschätzende Vorgänge. Wer wird wann und wie die Macht verlieren? Wer wird sie gewinnen? Auf der falschen Seite zu stehen, könnte fatale Folgen haben. Aber das zu frühe Wechseln auf die andere Seite ebenso. Für den erfolgreichen, wie auch den erfolglosen Wendehals gibt es, gerade in der jüngeren deutschen Geschichte, genügend Beispiele.

Besonders im medialen, sozialen und künstlerischen Umfeld kann man die aufkommende Unruhe bei denjenigen mit Händen greifen, die ahnen, dass ihre privilegierte Stellung, nahe den nie versiegenden Quellen direkten oder indirekten staatlichen Geldes, mehr der korrekten Gesinnung als ihren Fähigkeiten geschuldet sein könnte. Um an diesen hart umkämpften Plätzen überleben zu können, ist aber, neben Opportunismus auch Sensibilität von Nöten, die einen erkennen lässt, wann und wie sich „richtige Ansichten“ ändern. Während die Aufrechten im Bewusstsein der verlorenen Deutungshoheit immer aggressiver um sich schlagen, arbeiten andere, die Pragmatischeren, die Geschmeidigeren, die Weitblickenderen, bereits auf die mögliche, und sehr wahrscheinlich kommende, Wende hin. “Zeit” Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, war mit seinem seinem relativierenden Aufsatz “Die Allmacht der Grünen”, Ausgabe 40/2016 sicherlich einer der Ersten. Ebenfalls weit vorne, Claus Kleber vom ZDF, der dieses Frühjahr in einer Sendung von Frau Illner, deren Zweck eigentlich das übliche Trump-bashing sein sollte, aus der Rolle fiel, als er zum Staunen der übrigen Gäste erklärte, er traue Trump zu, den gordischen Knoten im Nahen Osten zu zerschlagen.

Solche Frontrunner haben die strategische Notwendigkeit einer Anpassung schneller erkannt als andere, nun stellt sich die taktische Frage des unauffälligen, oder auffälligen (je nach gewählter Variante), Vorgehens. Relativierung und leichtes Abrücken von früher vehement geäusserten Positionen sind hier eine gerne genutzte Methode. Eine neue, positivere Einschätzung von früher vehement abgelehnten, wenn nicht sogar aktiv bekämpften Ansichten oder Personen, eine weitere. Rückblickend wird so, richtig gemacht, aus einem untadeligem Verfechter des Alten ganz schnell ein Widerstandskämpfer, der, unter erheblichen Gefahren und beträchtlichen persönlichen Opfern, schon damals für das jetzt neue Gute kämpfte.

An diesem zukunftsorientierten Agieren von Journalisten, Personen der Kunstwelt und Vertretern von Kirchen und sozialen Verbänden – die zwischen 2015 und 2017 alle, aber wirklich alle, die es wagten auch nur die zaghafteste Kritik an der unkontrollierten Zuwanderung zu äussern, pauschal als Rassisten, Rechtsextreme und Menschheitsfeinde diffamiert hatten – wird der Fortgang der Wende eingeschätzt werden können. Sie sind die den Wandel anzeigenden Seismographen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dokumentation - Texte im Original, Herbert Ammon, The European Redaktion.

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