Wendehälse haben Konjunktur

von Thomas Punzmann4.06.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Extreme politische Wenden sind komplexe und schwer einzuschätzende Vorgänge. Wer wird wann und wie die Macht verlieren? Wer wird sie gewinnen? Auf der falschen Seite zu stehen, könnte fatale Folgen haben. Aber das zu frühe Wechseln auf die andere Seite ebenso. Für den erfolgreichen, wie auch den erfolglosen Wendehals gibt es, gerade in der jüngeren deutschen Geschichte, genügend Beispiele.

Besonders im medialen, sozialen und künstlerischen Umfeld kann man die aufkommende Unruhe bei denjenigen mit Händen greifen, die ahnen, dass ihre privilegierte Stellung, nahe den nie versiegenden Quellen direkten oder indirekten staatlichen Geldes, mehr der korrekten Gesinnung als ihren Fähigkeiten geschuldet sein könnte. Um an diesen hart umkämpften Plätzen überleben zu können, ist aber, neben Opportunismus auch Sensibilität von Nöten, die einen erkennen lässt, wann und wie sich „richtige Ansichten“ ändern. Während die Aufrechten im Bewusstsein der verlorenen Deutungshoheit immer aggressiver um sich schlagen, arbeiten andere, die Pragmatischeren, die Geschmeidigeren, die Weitblickenderen, bereits auf die mögliche, und sehr wahrscheinlich kommende, Wende hin. “Zeit” Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, war mit seinem seinem relativierenden Aufsatz “Die Allmacht der Grünen”, Ausgabe 40/2016 sicherlich einer der Ersten. Ebenfalls weit vorne, Claus Kleber vom ZDF, der dieses Frühjahr in einer Sendung von Frau Illner, deren Zweck eigentlich das übliche Trump-bashing sein sollte, aus der Rolle fiel, als er zum Staunen der übrigen Gäste erklärte, er traue Trump zu, den gordischen Knoten im Nahen Osten zu zerschlagen.

Solche Frontrunner haben die strategische Notwendigkeit einer Anpassung schneller erkannt als andere, nun stellt sich die taktische Frage des unauffälligen, oder auffälligen (je nach gewählter Variante), Vorgehens. Relativierung und leichtes Abrücken von früher vehement geäusserten Positionen sind hier eine gerne genutzte Methode. Eine neue, positivere Einschätzung von früher vehement abgelehnten, wenn nicht sogar aktiv bekämpften Ansichten oder Personen, eine weitere. Rückblickend wird so, richtig gemacht, aus einem untadeligem Verfechter des Alten ganz schnell ein Widerstandskämpfer, der, unter erheblichen Gefahren und beträchtlichen persönlichen Opfern, schon damals für das jetzt neue Gute kämpfte.

An diesem zukunftsorientierten Agieren von Journalisten, Personen der Kunstwelt und Vertretern von Kirchen und sozialen Verbänden – die zwischen 2015 und 2017 alle, aber wirklich alle, die es wagten auch nur die zaghafteste Kritik an der unkontrollierten Zuwanderung zu äussern, pauschal als Rassisten, Rechtsextreme und Menschheitsfeinde diffamiert hatten – wird der Fortgang der Wende eingeschätzt werden können. Sie sind die den Wandel anzeigenden Seismographen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

So läuft das mit den Schleppern wirklich - Ein Migrant packt aus

Die illegalen Schlepperboote stehen mit den Booten der NGOs wie der Sea Watch in direktem Kontakt, sie kommunizieren miteinander und sprechen das Schleppen der Migranten im Mittelmeer untereinander ab, so Petr Bystron.

Wie ein Präsident Selensky relativ erfolgreich sein könnte

Ein Großteil der intellektuellen Elite, politischen Chatcommunity, weltweiten Diaspora und ausländischen Freunde der Ukraine ist entsetzt über den Ausgang der ukrainischen Präsidentschaftswahlen. Der Schauspieler, Komiker und Geschäftsmann Wolodymyr Selensky wird, nachdem er im ersten Wahlgang

August von Hayek: „Der Weg zur Knechtschaft“

Von 1940 – 1943, als der Kampf gegen das Deutschland der Nationalsozialisten noch nicht entschieden war, schrieb August von Hayek im englischen Exil, in das er vor den Nationalsozialisten geflüchtet war, „Der Weg zur Knechtschaft“. Es erschien 1944 in England, dem Land, das Europa innerhalb v

Die Migrations-Politik der EU ist gescheitert

Vortrag von Herr Köppel bei der EKR (Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer) im Europaparlament in Brüssel am 17.06.2019, als Beitrag zur Diskussionsrunde „Die EU nach den Wahlen - weniger Europa“. Herr Köppel erläutert, warum die Schweiz mit der EU bestens zusammenarbeiten wi

Teilen und Herrschen: Frankreich will immer im EU-Poker mitsspielen

Um die Schwierigkeiten zu verstehen, die die Besetzung der sogenannten Topjobs (Kommissions-, EZB- und Parlamentspräsident, sowie den Hohen Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik) in der EU mit sich bringen, lohnt es sich die Mitglieder der EU einzeln nach Gewichtung, Interessen und m

Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt

Die Bibliothek des Konservatismus Berlin ist eines der kleinen gallischen Dörfer in der rot-dunkelrot-grünen Hauptstadt des besten Deutschlands, das wir je hatten, von denen Widerstand gegen den Zerfall unseres Landes ausgeht. Am 3. Juli war in der Bibliothek jeder der über dreihundert unbequeme

Mobile Sliding Menu