Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Mißtrauensvotum gegen den lieben Gott. Karl Kraus

No Nations! oder die Ignoranz der Infantilität

Laut Merkel – „Wie soll das gehen?“ – können unsere Grenzen nicht gesichert werden. Eine Reihe von Attentaten, von unkontrolliert Eingereisten, mit viel zu vielen Toten in Deutschland und Europa nach der deutschen Grenzöffnung 2015, haben aber gezeigt, dass ein Minimum von Sicherheit doch wünschenswert wäre. Deshalb wurde die Grenzsicherung in die Innenstädte verlegt.

Siedlungen und Städte wurden Jahrtausende von Mauern geschützt. Nun war der Wille der Verteidiger zur Verteidigung dessen, was sie als verteidigenswert ansahen, nicht unwichtig, von entscheidender Bedeutung, so militärische Fachleute, war jedoch die Qualität der Befestigungsanlagen. Überflüssig wurden die Mauern erst durch die Entwicklung gut zielender Kanonen mit großer Reichweite. Danach wurden Außengrenzen von eigens dafür geschaffenen Grenztruppen geschützt.

Laut Merkel – „Wie soll das gehen?“ – können unsere Grenzen nicht gesichert werden. Eine Reihe von Attentaten, von unkontrolliert Eingereisten, mit viel zu vielen Toten in Deutschland und Europa nach der deutschen Grenzöffnung 2015, haben aber gezeigt, dass ein Minimum von Sicherheit doch wünschenswert wäre. Deshalb wurde die Grenzsicherung in die Innenstädte verlegt. Dort sollen überdimensionierte Legosteine Passanten zumindest vor dieselbetriebenen Lastwagen und Autos schützen. Übereinstimmende Charakteristika der Fahrer mit oft multiplen Identitäten, auch wenn sie kriminalistisch Unbedarften noch so sehr ins Auge springen mögen, spielen bei der Analyse dieser sogenannten Einzelfälle merkwürdigerweise offiziell keine Rolle.

Die deutsche Außengrenze über Land ist etwa 3.700 km lang. In 2.060 Städten, 9.000 Märkten und Dörfern werden nun zentrale Bereiche durch neue Mauern geschützt: Selbst bei kleinen Schutzzonen summiert sich die Länge dieser Grenzen auf ein Vielfaches der angeblich nicht sicherbaren deutschen Grenze. Allein der hochgesicherte und bestgeschützte Sicherheitszaun der 42 ha großen Theresienwiese, auf der das Oktoberfest in München veranstaltet wird, misst etwa 9 km.

Gegen die fast alltäglichen Messerangriffe mit Schwerstverletzten und Toten, über die die freie Presse oft nicht und oder nur verschämt berichtet, helfen sie allerdings nicht.

Jede Zeit hat ein Symbol, das ihrem Wollen und Können Ausdruck verleiht. Auch unsere Zeit hat nun ihr Symbol bekommen: Den Merkelstein. Er soll, als Schutzwall gegen irgendetwas, das nur undeutlich benannt werden darf, im Kleinen die Sicherheit vortäuschen, die im Großen mit Grenzkontrollen leicht zu erreichen wäre, aber – aus was für Gründen auch immer – nicht gewollt ist.

Kunstgeschichtlich gehört der Merkelstein der deutschen und sowjetischen Architektur der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts an. Einer Zeit, die das Totalitäre liebte und verherrlichte. Als Architekturbeispiel drängt sich hier, wegen der Ähnlichkeit in Funktion und Form, der Westwall, der Deutschland gegen französische Panzer schützen sollte, als Beispiel geradezu auf. Von1938 bis 1940 wurden die Betonsteine in großer Hast, ähnlich dem heutigen Aktivismus beim Aufstellen der Merkelsteine auf innerstädtischen Trennlinien, an der Westgrenze in den Boden getrieben. Die alliierten Panzer fuhren dann einfach daran vorbei, wie heute vermutlich die „Menschen-tötenden-Lastwagen“, von denen die Medien nach jedem einzelnem “Vorfall“ zu berichten wissen.

Über den Westwall wuchs Grass. Die Begeisterung für die totalitäre Ideologie des letzten Jahrhunderts kam aber wieder. Diejenigen, die durch ihr Handeln, oder genauer, durch ihr Unterlassen ursächlich für das Aufstellen der Merkelsteine verantwortlich sind, sympathisieren mittlerweile offen damit. Die Ablehnung demokratischer Prozesse zeigt sich in dem Verkünden einsamer, nicht demokratischer Entscheidungen in speziell dafür angesetzten willigen Unterhaltungssendungen, aber auch in der Begeisterung für Plan- und Zwangswirtschaft sowie dem Faible für Überregulierung.

Der Merkelstein ist der Schlußstein eines Bogens, der aus zwei Schimären geschaffen werden sollte: Der Arroganz der Macht und der Ignoranz der Infantilität. Da die heiße Luft, aus der er bestand, trotz kommunikativen Powerplays der Mainstreammedien, nun erkaltet ist, liegt der Merkelstein, der als krönender Abschluss eines ideologisch überlegenen Gebäudes gedacht war, jetzt verloren auf der Strasse.

Bei Volksfesten, Weihnachtsmärkten oder Silversterfeiern werden Areale großflächig eingezäunt. Polizisten mit Maschinenpistolen, deren Einsatz zur Grenzsicherung vehement abgelehnt wird, in der Innenstadt aber offenbar problemlos möglich ist, patrouillieren damit in dichten Menschenmengen. „Sicherheitsdienste“ mit handverlesenem, hochqualifiziertem Personal, die in Berlin auf einer Messe, “politisch aufgewühlt”, schon einmal einen israelischen Stand “bedrängen”, kontrollieren Taschen und Ausweise. Dank Schengen hat man so Pass- und Zollkontrollen jeden Tag in nächster Nähe durch die, die noch nicht so lange hier leben. Eine Trennung nach Geschlechtern bei Straßenfesten, natürlich aus Sicherheitsgründen, verklärt als „Save Areas“ für Frauen, wurde bereits erprobt und wird in Zukunft vermutlich die Regel sein.

Der Merkelstein kündet von der Lüge, Landesgrenzen seien nicht zu sichern, von Rechtsbrüchen und anhaltendem Staatsversagen. Er symbolisiert die Schande dieser Kanzlerin und ihrer Regierung und aller, die sie in diesem Tun und Nichttun unterstützen.

Er symbolisiert aber auch die Kanzlerin direkt, als den Mühlstein, der sie für ihre Partei, aber auch für die Parteien, die sie an der Macht gehalten haben, geworden ist.

Kamen 2006 noch fast 32.000 Afrikaner allein über die Atlantikroute nach Spanien, sind es heute dank zahlreicher Patrouillen zu Land und zur See, dem Ausbau der Grenzsicherung in den spanischen Exklaven und einem Geflecht bilateraler Abkommen von Marokko bis Mauretanien nur noch gut 300. (Welt vom 19.10.15)

Aber der Merkelstein symbolisiert auch Hoffnung. Hoffnung, dass sich die Erkenntnis durchsetzten wird, dass ein Neuanfang ohne Frau Merkel, die Deutschland und Europa so viel Schaden wie wenige vor ihr zugefügt hat, unumgänglich ist.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Herbert Ammon, Albert Wunsch, Edward Clarke.

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