Die EU war in ihren besten Zeiten eine Art aufgeklärter Absolutismus. Alan Sked

Der Elektromotor wird den Ottomotor ablösen

Studien der britischen Regierung besagen, dass schon in 20 Jahren die Erdölexploration eine stark fallende Tendenz aufweisen wird. Das Ende der privatwirtschaftlichen Nutzung von Erdölprodukten ist also schon zu sehen. Der Markt der E-Mobility wird also sehr viel schneller als angenommen explodieren.

Die Welt um uns herum verändert sich im Moment in allen Bereichen rasant. Leider nicht in allen Bereichen zum Positiven. Aber eine Entwicklung, die jetzt weltweit von fast allen Autoproduzenten verfolgt wird, ist faszinierend und gut, nämlich die Weiterentwicklung der Antriebseinheit von Autos und die Ablösung des Ottomotors durch den Elektromotor. Das ist gut für uns alle. Neueste Studien der britischen Regierung besagen, dass schon in nur 20 Jahren die Erdölexploration eine stark fallende Tendenz aufweisen wird. Das Ende der privatwirtschaftlichen Nutzung von Erdölprodukten ist also schon zu sehen. Dies forcieren unter anderem die enormen Verbräuche der Schwellenländer. Allein die Zahlen in China sprechen für sich. Im einwohnerreichsten Land der Erde werden nach Schätzungen 2013 circa 86 Millionen Pkws unterwegs sein. Der Benzinverbrauch Chinas soll in diesem Jahr auf 157 Milliarden Liter ansteigen. Aber wir müssen realisieren, dass schon auf dem Weg zum Ende der Benzinpreis für den Privatkunden eine recht unangenehme und für ihn wahrscheinlich kaum noch bezahlbare Richtung einschlagen wird.

Der Markt der E-Mobility wird also sehr viel schneller als angenommen explodieren. Das ist gut so. Haben wir erst vor einem Jahr mit Autoherstellern über die Entwicklung von Elektroautos gesprochen, so sagte man uns dort: “Wir forschen zwar, aber das hat alles noch Zeit.” Erst ein amerikanischer Internetmillionär, Elon Musk, revolutionierte zusammen mit Martin Eberhard, Marc Tarpenning mit dem Tesla die moderne Entwicklung des Elektroautos. Tesla zeigte der gesamten Branche den Weg. Auf der IAA 2009 waren nun die alleinigen Stars dieser Ausstellung die Elektroautos. Das ist gut so. Denn wir machen uns bezüglich fossiler Brennstoffe von Einflüssen der Industrie, der Politik und den Förderländern frei – wir produzieren Strom selbst und exportieren sogar. Wir lindern Hunger in den Schwellen- und Entwicklungsländern und vermeiden irreversible Schäden an der Umwelt. Denn Getreide, Mais und Soja werden heute zum Teil nicht zur Herstellung von Nahrungsmittel, sondern zur Herstellung von Kraftstoffen gebraucht. Als Benzinersatz spielt Biokraftstoff in den USA und Europa heute bereits eine wichtige Rolle. Das auch als Kraftstoffethanol bekannte Produkt wird dort vor allem aus Mais hergestellt, der in den USA und in Mexiko in großen Mengen angebaut wird. Die Produktion von Ethanol war deshalb bisher für Mais optimiert. In Europa ist das Getreide wie Weizen, Gerste und Roggen. Mexiko muss nun aber perverserweise Verzehrmais importieren – die Nahrungsmittelpreise haben sich in der jüngsten Vergangenheit verdreifacht.

Ein Liter Bioethanol benötigt 3.000 Liter Wasser

Völlig aus dem Ruder gerät die globale Wasserbilanz durch neuere Entwicklungen bei den Biokraftstoffen. So werden für die Herstellung von einem Liter Bioethanol als Kraftstoff aus Mais circa 3.000 Liter Wasser benötigt! Da immer mehr Mais für diese Zwecke angebaut wird, hat sich dessen Preis auf dem Weltmarkt fast verdreifacht. Eine Beimischung von circa 30 Prozent Ethanol zum Benzin bedeutet einen Bedarf von rund 330 Milliarden Litern. Um diesen Bedarf zu erzeugen, brauchen wir also circa 990 Billionen Liter Wasser. Peter Brabeck Letmathe, Vorstandschef des Nestlé-Konzerns, hat recht, wenn er sagt: Biokraftstoffe führen dazu, dass die Preise für Grundnahrungsmittel dramatisch steigen. Die Autofahrer in den reichen Industrienationen werden subventioniert auf Kosten der Ärmsten der Weltbevölkerung. Das amerikanische Energie-Unabhängigkeits- und Sicherheitsgesetz von 2007 sieht vor, dass die Produktion von Bioethanol von 34 Milliarden Litern im vergangenen Jahr auf 57 Milliarden Liter im Jahr 2015 steigen soll. Das gelingt aber nur, wenn auch die trockeneren Bundesstaaten im Westen einbezogen werden. Um das Ziel für 2015 zu erreichen, würden Ethanolhersteller derzeit in allen Bundesstaaten ihre Produktionskapazitäten hochfahren, sagt Jerry Schnoor von der Universität von Iowa. “Die Situation ist hinsichtlich des Wasserverbrauchs nicht mehr nachhaltig, wir zapfen bereits Grundwasserspeicher wie den Ogallala an.”

Der Ogallala ist eine Art unterirdischer See östlich der Rocky Mountains, der mit 450.000 Quadratkilometern Fläche 25 Prozent größer als die Bundesrepublik ist und zu den größten Grundwasserspeichern der Welt gehört. Ich will gar nicht davon sprechen, wie viel wertvolle Natur für diesen Unsinn noch weiter vernichtet wird. Wir reden hier bei Anbau und Vernichtung von Ressourcen in Millionen Potenzen. Uns wird dies als eine umweltfreundliche Alternative zu Benzin verkauft. Die wahre Alternative heißt Elektromobilität. Das bedeutet: keine Feinstaub- und CO2-Emissionen, kein Gestank, kein Lärm. Kaum noch Wartungskosten. Der Betrieb und Unterhalt von Autos wird billiger. Und last, but not least – unendlich viel Fahrspaß.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Jamie Oliver, Bill Gates, David Cameron.

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