Worte kann man löschen, aber die Fakten bleiben bestehen. Ai Weiwei

Funkenschlag

In Deutschland bestehen noch immer Vorbehalte gegenüber Breitband per Funk – auch seitens der CSU. Warum? Anstatt auch noch die letzten Einsiedlerhöfe der Republik zu verkabeln, hat die Bundesregierung bereits den Ausbau schneller Funknetze vorangetrieben.

Auf einer Website braucht man wohl nicht zu erklären, warum Breitband-Internet eine lebenswichtige Sache ist. Es sollte so selbstverständlich sein wie Wasser und Strom. Da besteht weitgehende Einigkeit. Aber die Frage ist: Wie kriegen wir das auch auf dem letzten Gehöft hin?

Dazu bietet sich eine Anekdote aus meinem Wahlkreis an, der nun wahrlich keinen Mangel an Connectivity besitzen sollte – Düsseldorf rühmt sich schließlich als Telekommunikationshauptstadt Deutschlands. Doch ein kleines Dorf am Rande der Stadt gehört noch zu den 2 Prozent unversorgten Gebieten in Deutschland. Auf meine Frage, warum denn das vorhandene UMTS/3G keine Alternative sei, erklärte mir ein betroffener Bürger: „Wir wollen richtiges Internet – also mit Kabel!“ Nun gut, auf meine Frage, wie dann dieses „richtige“ Internet zu seinem Laptop kommen solle, folgte als Antwort: „Per WLAN, wie sonst?“ Lassen wir das mal so stehen.

Vorbehalte gegenüber Breitband per Funk

Aber die Geschichte drückt die Vorbehalte aus, die in Deutschland gegenüber Breitband per Funk immer noch bestehen. Das liegt gar nicht so sehr an der Bandbreite. Diese ist ja ohnehin eher ein theoretischer Wert und wie beim Auto kann man die Höchstgeschwindigkeit oft gar nicht ausfahren. Entscheidend ist vielmehr die Beschleunigung, in der IT-Sprache die Latenzzeit. Dies ist die Dauer, bis eine Website erscheint. Und das dauert bei UMTS/3G eine gefühlte Ewigkeit. Doch der neue Standard LTE/4G erscheint hingegen als ein rassiges Pferd und ist sogar schneller als DSL.

Dennoch: So mancher Kollege unserer geliebten Schwesternpartei CSU glaubt das nicht und stellt das Buzzword „Universaldienstverpflichtung“ in den Raum. Zuletzt kannte man das von Post und Klingeldrahttelefon: Es ist der Aufbau eines Netzes durch Vater Staat. Damit wird Glasfaser notfalls auch als Girlande über die letzten Holzpflöcke bis zum äußersten Hof verlegt – von pflichtbewussten Beamten. Quasi FTTB neu definiert: Fibre to the Bauernhof.

Stellen wir uns also das Szenario vor, die Bundesregierung würde ankündigen, ab dem 1.7. auf jeden DSL-Anschluss eine „Weiße-Flecken“-Abgabe von 2 Euro zu erheben. Das speist dann einen Breitbandfonds, mit dem eine staatliche Behörde Glasfaserkabel in die letzten Winkel der Republik verlegt.

Die Folge ist klar: Alle Aktivitäten der privaten Carrier würden sofort gestoppt. Denn welche Aktiengesellschaft sollte noch in Infrastruktur investieren, die bald durch die neuen Staatskabel entwertet wird? Dies gilt für die Mobilfunkbetreiber genauso wie für die Kabelfernsehfirmen. Das Resultat wäre also ein Tausch: privater Investitionsstopp jetzt, stattdessen – wie lange auch immer der Vorlauf sein mag – staatlicher Ausbau irgendwann. Damit würde ein Ziel also konterkariert: ein schneller Breitbandausbau.

Jetzt bitte nicht den Dackel durch die Schnecke tauschen

Dabei stellt sich die Frage: Ist die staatliche Intervention überhaupt notwendig? Ich glaube nicht. Die alte Bundesregierung hat mit der Breitbandstrategie ein wirklich überzeugendes Konzept aufgelegt. Die Umwandlung alter Fernsehfrequenzen für den schnellen Mobilfunk der 4. Generation ist das richtige Instrument. Doch der Aufbau von mehreren 10.000 Basisstationen geht eben nicht über Nacht. Und so wird derzeit fleißig gearbeitet: Noch in diesem Jahr sollen die meisten „weißen Flecken“ versorgt sein. Und das auch sehr schnell: Denn nicht nur die Datenrate ist mit 50 Mbit/s respektabel, sondern die Seiten erscheinen auch schneller als bei DSL.

Daher: Jetzt bitte nicht den Dackel durch die Schnecke tauschen. Die richtigen Entscheidungen sind getroffen, lasst uns erst mal das Ergebnis bestaunen. Und nicht in hektischen Aktionismus verfallen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Halina Wawzyniak, Michael Rotert, Niek Jan van Damme.

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