Familiäre Planwirtschaft

von Thomas Franke14.03.2012Gesellschaft & Kultur

Kinder sind das Kapital der Zukunft – und dennoch werden Eltern mit den Kosten der Ausbildung und der Erziehung fast alleine gelassen. Unser heiß geliebtes Sozialsystem wird deshalb auf Dauer nicht finanzierbar sein.

Zunächst einmal: Nein, ich bin nicht panisch. Ja sicher, es wird über mich, über meine Familie und meine Kinder diskutiert. Wir retten gerade die Welt. Und wenn nicht gleich die ganze Welt, so mindestens aber Deutschland. Was haben wir Großes gemacht? Wir sind eine Familie mit vier Kindern. Wie oft habe ich in den vergangenen Jahren den Satz gehört: „Oh das ist toll, da habt ihr ja gleich meine Rentenzahler für mich mitbekommen.“ Das wurde mir nur weit öfter gesagt, als wir jemals Kinder bekommen können. Daher meine klare Botschaft: Nein, wir haben unsere Kinder nicht für euch bekommen. Nicht für Deutschland, nicht für Europa oder für sonst irgendwas. Wir haben eine Familie geschaffen, nur für uns. Ganz egoistisch. Und wir erziehen unsere Kinder so, wie wir es für richtig halten (und unsere Kinder es zulassen).

Familiäre Planwirtschaft

Damit sind wir ebenso egoistisch wie viele, viele andere in unserer Gesellschaft, die – aber aus demselben Egoismus – zum umgekehrten Schluss kommen. Die keine Kinder bekommen oder nur eins oder zwei. Erschreckende Zahlen: 60 Prozent der Abtreibungen werden bei Müttern vorgenommen, d.h. bei Frauen, die vorher schon mindestens ein Kind geboren haben. Überproportional viele Abtreibungen werden vorgenommen bei Frauen während der dritten Schwangerschaft. Nur rund drei Prozent aller Abtreibungen sind dabei medizinisch begründet. Sicher nicht alleine die Abtreibungen, auch die aktive Entscheidung vieler Ehepaare, eben nicht mehr als ein, höchstens zwei Kinder zu bekommen, führt zu einer dramatischen Quote von 1,4 Kindern pro Frau im statistischen Mittel. Das ist familiäre Planwirtschaft. China mit seiner Einkindpolitik ist sicher stolz auf uns. Das reicht natürlich nicht, um unser heiß geliebtes Sozialsystem aufrechtzuerhalten. Aber warum sollte ich eine Verpflichtung verspüren, dass meine Kinder demnächst alle Rentner durchfüttern müssen? Wir sind nicht für die Überalterung der Gesellschaft und den demografischen Wandel zuständig. Warum sollten meine Kinder eine Verantwortung verspüren? Im schlechtesten Fall werden wir kinderreichen Familien zwangsverpflichtet. Der Wert, den unsere Kinder in der Zukunft für die Gesellschaft darstellen, wird einfach, zum Beispiel aus der Rentenversicherung, herausgerechnet.

Kinder sind das Kapital der Zukunft

Natürlich bin ich für eine Demografie-Sonderabgabe für Kinderlose. Warum sollten wir immer wieder für die anderen „zahlen“? Wir leben einfach unser egoistisches und wunderbares Leben in einer richtigen Familie, die diesen Namen auch verdient. Ich kann nicht mehr tun, als dieses Lebensmodell anderen schmackhaft zu machen und gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen, die kinderreichen Familien aus Politik und Gesellschaft immer wieder entgegenschlägt. Aber eure dramatischen demografischen Probleme sind nicht meine. Das klingt unsolidarisch? Aber ist es solidarisch, wenn wir mit unseren Nachteilen im Beruf oder Mehrausgaben für die Familie fast komplett allein gelassen werden, obwohl Kinder das entscheidende Kapital für die Zukunft dieser Gesellschaft sind? Deswegen antworte ich den lieben Freunden, die sich freuen, dass wir die Rentenbeitragszahler für sie gleich mitbekommen, mit den Worten: „Das ist schön, dass du das so siehst – dann kannst du sicher auch die Ausbildung meiner Kinder finanzieren.“ Das hat aber dann doch noch keiner gemacht.

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